Revolution im Weltall

80.000 US-Dollar für eine Flasche Wasser – das ist kein Sonderwunsch eines abgehobenen Superstars. Bis vor Kurzem war das der Preis, den man einkalkulieren musste, um Astronauten im Weltall mit Flüssigkeit zu versorgen. Doch die Branche entwickelt sich weiter.

Ein singender Astronaut im Weltall? – Nicht nur für David Bowie war es ein besonderer Moment, seinen eigenen Song „Space Oddity“ in einer Cover-Version von Chris Hadfield zu hören. Auf Youtube wurde die Interpretation des kanadischen Offiziers über 42 Millionen aufgerufen, wesentlich öfter als das Original. Hadfield hat sie 2013 bei seiner letzten Mission auf der Raumfahrtstation ISS aufgenommen, vierhundert Kilometer von der Erde entfernt, wo eine einzelne Flasche Trinkwasser einmal 80.000 US-Dollar wert war.

Die Versorgung der Astronauten ist inzwischen deutlich billiger geworden. SpaceX, das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, fliegt ein Kilo Nutzlast – oder eben eine Flasche Wasser – inzwischen für weniger als 3.000 US-Dollar ins All. Ein Angebot, mit dem das Unternehmen in wenigen Jahren zum weltweiten Marktführer für Satellitenstarts aufgestiegen ist.

Möglich ist das durch die radikale Vereinfachung des Raketenantriebs. Ein Paradebeispiel für Betriebswirtschaftler: SpaceX setzt vorwiegend auf günstige Komponenten aus dem „Industrie-Baukasten“, sogenannte components off the shelf, die von hauseigenen Ingenieuren angepasst werden. Das Unternehmen baut so jährlich mehrere Hundert Triebwerke für seine Trägerraketen auf einer einzigen Produktionsstrecke. In der Raumfahrtindustrie gilt das schon als Serienfertigung – mit dem Effekt, den auch die Produktion des Ford-T-Modells für den Automobilbau hatte: Der Verzicht auf aufwändige Einzelanfertigungen spart nicht nur Geld, sondern vor allem Zeit.

Das bringt die gesamte Industrie in Fahrt. Eine Verdreifachung des Marktes für Dienstleistungen rund ums Weltall ist noch die konservativste Annahme. Die Investmentbank Morgan Stanley schätzt das jährliche Umsatzvolumen bis 2040 auf über eine Billion US-Dollar. Analysten der Bank of America gehen noch weiter und erwarten bis zu drei Billionen. Die Kommunikationsindustrie ist mit einem Drittel Umsatzanteil der wichtigste Player im All. Radikal gesunkene Projektkosten lassen aber neuerdings auch jungen Unternehmern mit neuen Geschäftsideen eine Chance. Fast 20 Milliarden US-Dollar haben die neuen Weltraumpioniere seit dem Jahr 2000 an Venture Capital erhalten, den größten Teil davon in den letzten fünf Jahren.

Der Griff nach den Sternen

Hier investieren vor allem die „jungen Wilden“ des Internet-Zeitalters. Zu ihnen gehören Milliardäre wie Elon Musk (SpaceX, Tesla), Jeff Bezos (Amazon), Larry Page (Google), Paul Mitchell (Microsoft) oder auch Richard Branson (Virgin). Sie haben ihren Reichtum nicht nur ihrer eigenen Kreativität zu verdanken. Mit der Deregulierung der Telekom-Branche 1995 floss Kapital in den Ausbau leistungsfähiger Glasfasernetze. Ohne schnelle Datenleitungen wäre unser Leben auf der Erde für viele nicht denkbar. Nun etabliert sich im Silicon Valley eine „NewSpace“-Bewegung, die den Weltraum mit originellen Ideen und privatem Kapital erobert.

Billigflüge ins All lassen Touristen Schwerelosigkeit erleben, Edelmetalle werden mit Bakterien aus Asteroiden gewonnen, kleine Cube-Satelliten beobachten im erdnahen Orbit die gesamte Erdoberfläche in Echtzeit, auch im entlegensten Winkel der Erde gehen Menschen mit Breitbandgeschwindigkeit ins Internet. Solche Visionen sind für die Börse nur interessant, wenn sie auch Gewinne abwerfen. Oder den alteingesessenen Firmen das Terrain streitig machen. Die neuen Triebwerke, wiederverwendbare Trägerraketen und kleine, billige Satelliten brechen mit alten Konventionen der Raumfahrtindustrie. Daher fällt der Blick zuerst auf das für die Raumfahrtindustrie bedeutendste Geschäft: etablierte Satellitenbetreiber.

Verlieren ist besser als siegen

Weltweit gibt es fünf sogenannte pure-plays, die ihre Einnahmen aus teuren, satellitenbasierten Services erzielen. ViaSat stammt aus den USA, während Intelsat, SES, Eutelsat und Inmarsat ihren Sitz in Europa haben; letztere in Großbritannien. Die Unternehmen sind mit Börsenwerten zwischen 500 Millionen und 9,6 Milliarden US-Dollar eher klein. Dafür schieben sie, wie Viasat, oft einen Berg an Schulden vor sich her. Das größte Geschäft im Sektor sind Fernsehübertragungen. Wachstum ist mit Satelliten-TV kaum mehr zu erzielen. Investoren werden daher bei SES und Eutelsat mit hohen Dividenden besänftigt. Inmarsat und Viasat bieten Kommunikationsdienste an, sind aber sonst sehr verschieden. Während Viasat bilanziell immer noch unter dem hohen Investitionsaufwand für eine eigene Satellitenflotte leidet, schüttet Inmarsat über vier Prozent Dividendenrendite aus.

Im zweiten Teil des Beitrags lesen Sie mehr über Satellitentechnik und darüber, wie sie Mobilfunkanbietern aus der Klemme helfen kann.



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