Token machen Bankdienstleistungen obsolet

Die Kapitalmärkte treiben seit jeher den technischen Fortschritt. Viele der großen Innovationen, von der Eisenbahn über die Computerindustrie bis hin zum Internet, sind erst durch sie realisierbar geworden. Erstaunlich ist, dass die Kapitalmärkte selbst weit weniger progressiv sind. Die meisten Institutionen an den Kapitalmärkten und ihre Instrumente existieren bereits seit langer Zeit.

Das Bankwesen, Anleihen, Aktien und Börsen gibt es seit Jahrhunderten. Derivate in Form von Terminkontrakten und Optionen waren bereits im 16. Jahrhundert gebräuchlich. Auch Fondsstrukturen, Finanzvertriebe und Vermögensverwaltungen sind keine Erfindung der Neuzeit. Seit jeher geht es um die Frage, wie Kapitalbedarf und -angebot zusammenfinden können. Die Instrumente haben sich im Laufe der Jahrzehnte immer weiter verfeinert. Gerade im Derivate-Bereich haben sich ausgeklügelte Wege etabliert. So kann der Kapitalbedarf des privaten Häuslebauers oder des lokalen Mittelständlers mit dem Angebot der großen Kapitalsammelstellen, wie Versicherungen oder Pensionsfonds, heute effizienter zusammengeführt werden. Dennoch erfordert der Prozess nach wie vor unzählige aufwändige Schritte. Die Transaktionskosten sind hoch, der innovative Fortschritt ist überschaubar.

Token reformieren Kapitalmärkte

Das wird sich in den nächsten Jahren nachhaltig ändern. Eine Tokenisierungswelle rollt auf uns zu. Unzählige Unternehmen sind weltweit dabei, Vermögenswerte und Rechte mittels der Blockchain digital – als Token – zu verbriefen. So werden zum Beispiel Immobilien und Infrastrukturanlagen, aber auch Equity und Fremdkapital, verbrieft und in digitale Anteilsscheine zerstückelt, sogenannte Asset backed Token. Digital Assets werden geschaffen. Diese Digital Assets werden im Rahmen sogenannter Security Token Offerings (STO) emittiert und an Börsen gehandelt. Aus illiquiden/lokalen Assets werden liquide und weltweit zugängliche Assets.

Die Tokenisierung und Emission bewegt sich dabei mit großen Schritten in den vollregulierten Bereich hinein. Große Börsenbetreiber, wie die Six in der Schweiz oder die Mutter der NYSE in den USA, planen bereits in 2019 die Eröffnung von Marktsegmenten für Digital Assets.

Token machen Banken und Depots obsolet

Die Konsequenzen werden enorm sein. Grundsätzlich wird dann jeder Anleger – auch der Retail-Investor – befähigt, sich ein weltweites Portfolio aus unterschiedlichsten Vermögenswerten zusammenzustellen. Von Anteilen über die Welt verstreuter Immobilien, über Eigen- oder Fremdkapitalbeteiligungen an kleinen oder großen Unternehmen, bis hin zu Anteilen an Brücken oder Straßen. Die Transaktionskosten sind minimal und die Digital Assets wandern direkt in die digitale Brieftasche des Anlegern. Banken und Depots braucht es dafür nicht.

Vergleicht man die aktuelle Kapitalmarktwelt mit einer tokenisierten Zukunft, dann wird offensichtlich, dass vor allem diverse „Verpackungsleistungen“ und „Überwachungsinstitutionen“ beim Brückenbau zwischen Kapitalbedarf und Kapitalnachfrage überflüssig werden. Für den bislang wenig innovativen Kapitalmarkt samt seiner Institutionen beginnt eine neue Zeitrechnung.

Seite zwei – Fractional Investing und der schnelle technische Fortschritt



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