Verändertes Investment-Umfeld

Drei Faktoren geopolitischer Risiken spielen eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung des Belastungsgrades von Kapitalmärkten: Akteure, Ölpreis und Finanzsystem. Mark Burgess von Columbia Threadneedle Investments schreibt über die richtige Anlagestrategie bei sich verändernden Umständen.

Die zunehmende Vernetzung der Volkswirtschaften hat die Produktivität jahrzehntelang erhöht und damit die Inflation gedämpft. Sie hat die Entwicklung der Schwellenländer beflügelt, damit der Weltwirtschaft Auftrieb gegeben und die Entwicklung an den Börsen begünstigt. Doch in der jüngsten Vergangenheit finden sich neben Bestrebungen, den Welthandel einzudämmen, weltweit weitere Beispiele für nationalistische Tendenzen, die der Globalisierung entgegen wirken: Brexit, der Ukraine-Konflikt und die abnehmende Bereitschaft Saudi-Arabiens, zum Abbau von Überangeboten die eigene Erdölproduktion anzupassen – um nur einige zu nennen. Und in Europa finden national ausgerichtete Parteien wachsenden Zuspruch. Eine solche Entwicklung könnte längerfristige Folgen für Investoren haben. Denn gerät die Globalisierung ins Stocken, entfällt ein wichtiger Antriebsmotor der Weltkonjunktur. Und das dürfte sich auch an den Kapitalmärkten niederschlagen.

Trumps Vorstellungen: Für ausländische Exporteure drohen Nachteile, US-Unternehmen könnten profitieren

Wie umfassend nationale Initiativen auf die Weltwirtschaft wirken können, verdeutlicht das Beispiel USA. Die Maßnahmen, die Donald Trump vorgeschlagenen hat, beträfen nicht nur die USA, sondern hätten weltweite Auswirkungen. Die Folgen für Drittstaaten dürften sogar heftiger ausfallen als für die Vereinigten Staaten selbst. Für die USA lassen sich unter dem Strich eher geringe Auswirkungen erwarten, da dort auch positive Effekte zum Tragen kommen könnten – etwa durch Steuerreformen oder staatliche Investitionsprogramme. Für 2017 erwarten wir in den USA ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von zwei Prozent im Vergleich zu 1,5 Prozent 2016. Wir rechnen mit einem anziehenden BIP-Wachstum, da Trump während seiner Wahlkampagne nennenswerte fiskalpolitische Anreize angekündigt hat. Daher haben sich Aktien aus dem Infrastruktur- und Konsumgüterbereich sowie Grundstoff- und Industrietitel nach der Wahl bereits überdurchschnittlich gut entwickelt. Ein starker Dollar infolge steigender Zinsen in den USA könnte aufgrund der sinkenden Importpreise auch den US-amerikanischen Verbrauchern nützen. In Verbindung mit einer Senkung der Einkommensteuer würde dies die Verbrauchernachfrage über alle Einkommensklassen hinweg weiter stärken. Derartige Entwicklungen würden sich positiv auf inländische Firmen auswirken, die ihre Güter am lokalen Markt anbieten. Trumps Versprechen, die Körperschaftssteuer für US-Unternehmen zu senken, dürfte vor allem kleineren Unternehmen helfen, da der effektive Steuersatz bei diesen in der Regel höher ist als bei multinationalen Konzernen.

Abseits der USA hätte jede Verschärfung des Protektionismus dagegen vermutlich gravierende Folgen für Unternehmen mit globalen Lieferketten. Vor allem für die Schwellenländer könnte der Kurs der Trump-Regierung beträchtliche Auswirkungen haben. Mexiko und China geben besonderen Anlass zur Besorgnis, da sich Trumps negative Äußerungen auf diese Länder konzentrierten. Zudem gehen mehr als 80 Prozent der mexikanischen Exporte in die USA. Wie die Präsidentschaft von Donald Trump und die Androhung von Strafzöllen sich auf die Exportentwicklung in China auswirken werden, ist ungewiss. Die USA sind derzeit wieder Chinas wichtigster Handelspartner: 18 Prozent der Gesamtexporte gehen dorthin. Allerdings gilt zu beachten, dass sich die Exportlastigkeit der chinesischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren deutlich verringert hat. So ist der Anteil der Nettoexporte am Bruttoinlandsprodukt von 8,6 Prozent vor der globalen Finanzkrise auf 3,4 Prozent gesunken. Sollten die USA als Handelspartner für das Land an Attraktivität verlieren, wird sich China voraussichtlich noch stärker in den Schwellenländern engagieren und somit seine Exportmärkte diversifizieren. Weitere Unsicherheit besteht in Bezug auf die Frage, ob Trump China als Währungsmanipulator brandmarken wird, und was dies für den Yuan angesichts eines stärkeren US-Dollars bedeuten würde. Für 2017 erwarten wir ein chinesisches BIP-Wachstum von 5,0 Prozent nach 5,5 Prozent im Vorjahr. Andere Staaten dürfte es weitaus härter treffen: Unter dem Strich sind Mexiko, Kolumbien, Malaysia, Korea und Thailand die Schwellenländer, die von einer protektionistischeren US-Politik wohl am stärksten betroffen wären.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt