Warum Investoren Radon beachten sollten

Durch Radon sterben jährlich mehr Menschen als durch Asbest. Auch die Politik handelt jetzt. Dennoch wissen viele Menschen nicht, was es mit dem radioaktiven Element auf sich hat. Das sollten Immobilieninvestoren jetzt wissen.

Farb- und geruchslos, gasförmig und natürlicher Bestandteil der Atemluft – nein, die Rede ist nicht von Sauerstoff oder Stickstoff, sondern von Radon. Und anders als die beiden Erstgenannten ist das natürlich vorkommende Edelgas radioaktiv. Vom Menschen unbemerkt dringt es durch Risse und Fugen in Gebäude ein. Wenn es eingeatmet wird, führt es mitunter zu Langzeitschäden und Krebserkrankungen in der Lunge.

Ein noch immer unterschätztes Problem

Während das Vorkommen von Asbest in einer Gewerbeimmobilie nicht selten ein Ausschlusskriterium für Investoren darstellt, wurde bis vor Kurzem einer möglichen Radonbelastung oftmals keine größere Beachtung geschenkt. Mit der Strahlenschutz-Richtlinie der Europäischen Union (2013/59/EURATOM) hat sich dies geändert. Der EU-Referenzwert für jegliche Innenräume wurde auf 300 Becquerel je Kubikmeter festgesetzt. Neben diesem Referenzwert wurde eine Messpflicht an Arbeitsplätzen in sogenannten Radonvorsorgegebieten im neuen Strahlenschutzgesetz verankert, welches Ende 2018 in Kraft treten wird. Die entsprechende Ausweisung der Vorsorgegebiete erfolgt bis 2020.

Dabei handelt es sich nicht um Regulierungswut, sondern um eine wichtige Schutzmaßnahme: Das radioaktive Gas tritt hierzulande zum Teil so stark konzentriert auf, dass es für den Menschen durchaus gefährlich werden kann. Paradoxerweise sterben jährlich mehr Menschen durch Radon als durch die Folgen von Asbest.

Gefährdung ist auch gebietsabhängig

Etwa fünf bis zehn Prozent aller Lungenkrebsfälle (rund 2000 Todesfälle pro Jahr) sollen in Deutschland auf Radon zurückzuführen sein, was das Edelgas zur zweithäufigsten Ursache von Lungenkrebs macht. Somit ist Radon deutschland- und europaweit nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache von Lungenkrebs. Dabei steigt das Risiko zu erkranken mit der Dauer, der man Radon ausgesetzt ist, sowie mit dessen Konzentration. Letztere hängt vor allem mit der Bodenart und dem entsprechenden Gestein zusammen, die sich je nach Region in Deutschland stark unterscheiden.

Die Radonkarte der Bundesrepublik Deutschland liefert eine Indikation, in welchen Regionen mit erhöhten Radongaskonzentrationen in der Bodenluft zu rechnen ist. Doch auch in Regionen, die nicht in einem Risikogebiet liegen, können die Richtwerte von 300 Becquerel je Kubikmeter durchaus überschritten werden. Die tatsächliche Konzentration im Gebäude hängt nachweislich stark von der Bodenbeschaffenheit und Geologie vor Ort, sowie von dem Gebäude ab. Hier stößt die auf zirka 4000 Messungen basierende Radonkarte an Ihre Grenzen.

Abbildung 1: Die Radonkarte Deutschlands

Die Karte zeigt die Belastungskonzentration in Deutschland. Die Bundesländer Sachsen, Thüringen und Bayern weisen deutschlandweit die Regionen mit der höchsten Belastung auf.

Bausubstanz ist ausschlaggebend

Als Zerfallsprodukt von Uran steigt Radon vom Boden über Wegsamkeiten an die Erdoberfläche. Im Freien verdünnt es sich schnell und weist so eine deutlich geringere Konzentration auf. Problematisch wird es jedoch in den unteren Etagen von Gebäuden, wobei die Beschaffenheit der Bausubstanz eine erhöhte Radonkonzentration in der Luft fördern kann. Durch undichte Fundamente, Fugen und Rohre gelangt Radon unter anderem in Wohnungen und Büros und reichert sich dort an. Dabei reichert sich nicht nur Radon selbst, sondern auch dessen Zerfallsprodukte (Polonium, Blei und Wismut) in der Raumluft an. Im Gegensatz zu Radon sind diese Stoffe sehr kurzlebig, weswegen das wesentliche Gesundheitsrisiko von diesen Zerfallsprodukten ausgeht.

Frühzeitig Schutzmaßnahmen ergreifen

Der neue Referenzwert ist dabei keinesfalls zu niedrig angesetzt: Experten zufolge besteht bereits ab 100 Becquerel pro Kubikmeter Luft Handlungsbedarf.

Eine erste Maßnahme kann häufiges Lüften sein, wobei das oftmals nicht ausreicht und vor allem keine nachhaltige Lösung darstellt. Welche Sanierungsmaßnahmen zur Senkung der Radonkonzentration in der Luft in Frage kommen, hängt individuell mit dem entsprechenden Gebäudetyp und -zustand sowie der technischen Gebäudeausstattung (beispielsweise einer Lüftungsanlage) zusammen. Darüber hinaus muss zunächst geprüft werden, wie das Gas überhaupt in das Gebäude gelangt, um eine Sanierungsmaßnahme planen zu können. Bei hohen Radonwerten kann beispielsweise der Einbau eines Radonbrunnens sinnvoll sein, der die radonhaltige Luft unter dem entsprechenden Gebäude absaugt. Ein Drainagesystem, das Abdichten der Rohrleitungen oder der Einbau einer Radonfolie stellen weitere Möglichkeiten dar, um den Radongehalt in der Luft zu senken.

Um Aufklärung zu betreiben und rechtzeitig Maßnahmen einleiten zu können, haben einige Immobiliendienstleister inzwischen Radonmessungen und eine entsprechende Maßnahmenberatung in ihr Serviceangebot aufgenommen – nicht nur für Bestandsimmobilien, sondern auch für Projektentwicklungen. Entsprechende Sanierungsmaßnahmen lassen sich nämlich deutlich leichter, günstiger und wirksamer bei Neubauten umsetzen, weshalb das Thema bereits frühzeitig bei der Planung miteinbezogen werden sollte. Für Investoren ist eine Radonmessung vor Ankauf eines Objekts eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme.




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