Was für Bitcoin spricht

Sinkende Kurse, gehackte Plattformen – das Ende des Hypes scheint erreicht. Was bleibt noch übrig von Bitcoin? Mati Greenspan, Marktanalyst bei der Social-Trading-Plattform, ist optimistisch, dass Bitcoin & Co. auch weiterhin ein Existenzrecht haben. In seinem Gastbeitrag nennt er Argumente.

Immer wieder ist von extrem wohlhabenden Menschen und Unternehmenssprechern zu hören, dass Bitcoin nutzlos, die Blockchain-Technologie hingegen revolutionär sei. Der Jüngste aus dieser Gruppe ist der Investment-Manager Jim Chanos. Der US-Amerikaner warnt davor, dass eine digitale Währung in der nächsten Apokalypse an den Finanzmärkten am wenigsten funktionieren werde.

Chanos, Shiller, Gates und Dimon kritisieren Bitcoin

Doch selbst die größten Bitcoin-Kritiker loben die Innovationen, die von Satoshi Nakamotos Blockchain-Technologie ausgehen. Chanos hat aber nicht ganz Unrecht damit, dass es sich um ein „als technologischer Durchbruch maskiertes Spekulationsspiel“ handele. Nobelpreisträger Robert Shiller stimmt mit Chanos über den spekulativen Aspekt von Bitcoin überein, erklärte aber wiederum, dass die zugrundeliegende Technologie derart komplex sei, dass „praktisch niemand außerhalb von Informatiklaboren erklären kann, wie Kryptowährungen funktionieren.“ Microsoft-Gründer Bill Gates verkündete kürzlich, er würde gegen Bitcoin wetten, wenn er könnte. Und Jamie Dimon, CEO von JPMorgan Chase & Co., hat Bitcoin bekanntermaßen als Betrug bezeichnet, während seine Bank eine ungeahnte Menge an Energie sowie ein gutes Stück Geld investiert, um die Blockchain-Technologie weiterzuentwickeln.

Blockchain ohne Bitcoin?

Währenddessen hat die Idee, die Blockchain-Technologie für Unternehmenszwecke zu verwenden, enorm an Popularität gewonnen: Es gibt unzählige Projekte und Pilotprojekte, die jetzt auf einer Blockchain aufgebaut werden. Ein besonderer Anwendungsfall mit großer Anziehungskraft ist die offene Blockchain zur Verbesserung der Transparenz bei öffentlichen demokratischen Wahlen. Jüngst hat der US-Bundesstaat West Virginia diesen bereits in seinen Vorwahlen getestet – obgleich nur unter einigen wenigen Wählern. Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin sprach sich auf Twitter zuletzt hingegen für dafür notwendige spezifische Privatsphäre- und Sicherheitseigenschaften aus, die sich nur durch besondere Techniken erreichen ließen.

Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel

Was aber spricht überhaupt noch für Bitcoin? Im krisengeplagten Venezuela ist das Bewusstsein für Kryptowährungen wegen der hohen Inflation inzwischen weit verbreitet. Interessant: Immer mehr Menschen greifen dabei speziell auf Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel zurück. Laut dem Portal Coin.dance sind die Volumina von klassischen Bitcoin-Online-Transaktionen in diesem Jahr stark angestiegen. Die Zahl der Peer-to-Peer-‚Offline‘-Transaktionen, bei denen Private Keys beispielsweise ausgedruckt überreicht werden, dürfte sogar noch deutlich darüber liegen. Venezuela ist in dieser Situation nicht allein: Für alle Menschen, die in Simbabwe, Argentinien, Iran oder in der Türkei leben, kann Bitcoin derzeit realistisch betrachtet als stabiles Mittel zum Werterhalt angesehen werden.

Trotz allem, was Chanos, Buffett, Dimon und Gates sagen, verfügt Bitcoin also über einen klaren Nutzen als Wertaufbewahrungsmittel. Die Debatte um dezentrale Apps und die Zuverlässigkeit bestimmter Wallet-Anbieter dürfte sich aber auch in Zukunft fortsetzen.

 




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