Welche Anleihen sind wirklich grün?

Der Markt für grüne Anleihen wächst und die Emittenten werden vielfältiger. Doch die Transparenz zwischen grünen Anleihen ist heterogen und globale Standards fehlen bisher, schreibt Olaf John von Insight Investments in seinem Gastbeitrag.

Nachhaltigkeit ist in der Finanzwelt längst kein Randthema mehr. Immer mehr Privatanleger und Institutionen investieren ihr Vermögen verantwortungsbewusst, um globalen Herausforderungen entgegen zu treten. Neben Aktien werden auch Anleihen zunehmend nach ökologischen, ethischen und sozialen Kriterien ausgewählt. Entsprechend schnell wachsen die Volumina dieser Anlageklasse: Nach 73 Milliarden Euro im Jahr 2016 wurden nach Angaben von Bloomberg 2017 Neuemissionen in Höhe von 140 Milliarden Euro am Markt lanciert.

Das Fehlen globaler Standards für grüne Anleihen hat zu unterschiedlichen Ansätzen für die Transparenz in diesem Sektor geführt und die Regulierungsbehörden veranlasst, aktiv zu werden. Zwar sind die Emittenten von Green Bonds typischerweise dazu verpflichtet, ihre Anleiheerlöse für Projekte mit umweltbezogenem Nutzen zu verwenden sowie regelmäßig Bericht zu erstatten. Eine verbindliche Überprüfung gibt es bislang jedoch noch nicht und eine Verifizierung für das Label erfolgt zurzeit noch freiwillig. Für Anleger ist es somit oftmals schwierig nachzuvollziehen, in welche Projekte sie wirklich investieren und wie sie sich entwickeln.

Analyse-Ampel für Anleihen

Investoren sollten die Emissionen von Green Bonds daher umso genauer analysieren, um deren Eignung für nachhaltige Portfolios sicherzustellen. Wir unterziehen diese Anleihen daher einer eingehenderen Analyse in drei Schlüsselbereichen Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (ESG). Jede neue Schuldverschreibung, die wir zu den Kundenportfolios für Primäremissionen hinzufügen, wird von einem Kreditanalysten geprüft. Am Ende der Auswertung steht eine Analyse-Ampel.

Rot bekam beispielsweise ein Sustainable Bond eines Automobilherstellers: Der Erlös aus der Anleihe sollte zur Finanzierung des Retail-Leasings und der Absatzfinanzierung der Hybridfahrzeugmodelle des Unternehmens verwendet werden, was die üblichen Geschäftsprozesse des Emittenten nicht verändert hätte. Zudem erwiesen sich die ökologischen Parameter der Hybridfahrzeuge als fragwürdig und letztlich scheiterte das Unternehmen mit Blick auf die ESG-Parameter aufgrund der „worst-in-class“ Governance-Praktiken und einem schwachen Arbeitsmanagement.

Die Farbe gelb zeigt an, dass eine Nachhaltigkeitsanleihe Mängel aufweist, während grün als Indikator für die Erfüllung der Anforderungen steht. Ein Beispiel aus der Praxis: ein Versorger, der seine Erträge für die Finanzierung oder Refinanzierung von Onshore- und Offshore-Windprojekten im Bereich der erneuerbaren Energien in Großbritannien und Deutschland verwendet. Die Gesellschaft verfügt darüber hinaus über ein Best-in-Class ESG-Rating und berichtet in ihrem jährlichen Nachhaltigkeitsbericht über die vermiedenen Treibhausgasemissionen.

Seite zwei – fehlende globale Standards, detaillierte Analysen




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