Wie Elektromobilität den globalen Automobilsektor verändert

Die Elektromobilität erobert die Straßen rund um den Globus. Ausgerechnet die deutschen Automobilhersteller hängen dem Trend hinterher und riskieren ihre Vorreiterrolle einzubüßen. Anleger können von diesem strukturellen Wandel profitieren. Ein Gastbeitrag von Adrian Daniel, Fondsmanager des MainFirst – Absolute Return Multi Asset.

Wenn Anleger die aktuellen Marktkapitalisierungen von Tesla in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar (USD) und von Ford in Höhe von 45 Milliarden USD vergleichen, kommen sie leicht ins Staunen: Denn der Marktwert des Herstellers von Elektrofahrzeugen aus Kalifornien schlägt den des Traditionsunternehmens aus Michigan. Diese Tatsache hat Signalwirkung, insbesondere für Anleger mit Fokus auf den Deutschen Aktienindex (DAX), aber auch für die deutsche Volkswirtschaft im Allgemeinen. Bis dato haben sowohl die Premiumhersteller aus Deutschland wie BMW, Mercedes und Volkswagen (VW) als auch die Bundesregierung den Wandel hin zur Elektromobilität nicht entschlossen genug vorangetrieben. Die Politik in Deutschland scheint stärker in Sorge um die Dieseltechnologie zu sein, als sich darauf zu konzentrieren, saubere Elektroantriebe zu fördern. Und Daimler hat sogar seine Anteile an Tesla im Oktober 2014 abgestoßen. Fehlte hier der Glaube an die Technologie von Tesla oder stand eine kurzfristige Gewinnoptimierung im Vordergrund?

China setzt auf neue Antriebe

Besser für den strukturellen Wandel positioniert ist China. Das Reich der Mitte sieht im Elektroantrieb die Chance, das Kräfteverhältnis im globalen Automobilsektor neu zu ordnen. Mit einem Absatz von über einhunderttausend Stück findet sich entsprechend, auch dank staatlicher Förderung, der chinesische Automobilhersteller BYD 2016 an erster Stelle bei der Absatzstatistik für Elektrofahrzeuge wieder. Eine Analogie zur Situation in den 1990er-Jahren, als japanische Fahrzeuge den Weltmarkt aufmischten und insbesondere die US-Hersteller aus Detroit unter Druck brachten, liegt auf der Hand. Allein im vergangen Jahr entstanden in China etwa 170.000 neue Ladestationen für Elektroautos – das sind mehr als derzeit in Europa in Summe existieren. Daher verwundert es nicht, dass sich ein chinesischer Technologieriese wie Tencent eine Beteiligung in Höhe von fünf Prozent an Tesla gesichert hat, um an zukünftigem Potenzial teilzuhaben.

Entgegen dem derzeitigen Trend ist es jedoch wichtig, dass auch deutsche Firmen und Anleger das Potenzial der Innovationen nutzen, denn langfristig könnte die Situation der Autobranche substanzielle makroökonomische Folgen für Deutschland haben. Bisher hat insbesondere die globale Nachfrage nach deutschen Premiumfahrzeugen den Erfolg im Export getragen. Doch falls der Jobmotor Automobilbau einem Strukturwandel unterliegt, dürfte die wirtschaftliche Führungsrolle der Bundesrepublik innerhalb der Europäischen Union auf dem Prüfstand stehen. Nicht zuletzt, weil laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2015 18 Prozent der deutschen Autoexporte nach Großbritannien verschifft wurden und der Brexit nun für zusätzliche Unsicherheit sorgt. Indirekt liegt die Abhängigkeit der deutschen Gesamtwirtschaft vom Automobilsektor noch höher, da Unternehmen wie beispielsweise BASF rund 15 Prozent ihrer Umsätze mit Kunden aus dem Autosektor generieren.

Börsenneulinge überrunden Traditionshersteller

Wie gravierend diese Veränderung bereits jetzt in den Kursen zu Buche schlägt, zeigen die nachfolgenden Beispiele. So können Tesla mit 44 Prozent und BYD mit 13 Prozent Kurszuwachs im laufenden Jahr aufwarten, während etablierte Größen des Sektors wie General Motors, Ford, Daimler, BMW und Toyota eine negative Wertentwicklung verzeichnen. In der Zulieferkette für Elektromobilität notieren Unternehmen wie der weltgrößte Produzent von Lithium Albemarle 22 Prozent über dem Kurs zum Jahreswechsel und der Börsenneuling Aumann 35 Prozent über dem zum Börsenstart gezeichneten Kurs.

Mit einem klaren Fokus auf die strukturellen Veränderungen lassen sich bereits jetzt signifikante Performancebeiträge für Anleger erzielen, auch wenn die endgültige Verteilung der Führungsrolle beim Elektroantrieb nicht feststeht. Dies dürfte für deutsche Anleger eine Neuausrichtung insofern erforderlich machen, als der DAX mit einem Anteil von 14 Prozent durch den Autosektor direkt bestimmt wird. Eine aktive Anlagestrategie kann frühzeitig auf Technologieführer setzen und potenzielle Verlierer gezielt außen vor lassen. So sind Anleger gerüstet, um mit dem anstehenden Wandel in der Wertschöpfungskette der Automobilindustrie attraktive Wertentwicklungen zu erzielen.




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