Worauf Anleger bei ICOs achten sollten

Initial Coin Offerings (ICO) werden mittlerweile als neue Alternative zu Venture Capital gehandelt und stehen immer wieder im Fokus der Diskussionen. Was sind nachhaltige Modelle, was ist Betrug? Dennis Austinat, Head of Germany, Austria and Switzerland bei eToro, bringt Licht ins Dunkel, und erklärt worauf Anleger achten sollten.

Das nächste große Ding oder doch nur eine Blase? In der Diskussion rund um Initial Coin Offerings (ICO) dominieren die Extreme. In den Fokus der breiten Öffentlichkeit ist diese Art der Unternehmensfinanzierung spätestens seit ihrem Verbot in China gerückt. Und zuletzt machte der ehemalige Börsenmakler Jordan Belfort, der es als „Wolf of Wall Street“ zu zweifelhaften Ruhm brachte, Schlagzeilen, als er ICOs als den größten Betrug aller Zeiten bezeichnete. Bei all der Aufregung ist es ratsam, bei den Fakten zu bleiben: ICOs bieten Investoren enormes Potenzial – nach oben wie nach unten. Doch gerade für Neulinge ist der Markt schwer zu überblicken. Wer in ICOs investieren möchte, sollte daher ein paar grundlegende Regeln beachten.

Finanzierunginstrument und hochspekulative Anlage

Am wichtigsten ist es wohl, das Konzept hinter einem ICO zu verstehen: Bei einem ICO handelt es sich um ein „Crowdsale“ für Startups und Initiativen im Krypto-Bereich. Ein Startup aus dem Krypto-Universum verkauft sogenannte Tokens und nimmt dadurch Kapital auf. Mit diesen Tokens erwerben Investoren entweder Ansprüche auf die Coins einer neuen Kryptowährung oder auf Dienstleistungen des Startups. Im Idealfall ist ein ICO ein Win-Win-Modell: Das Startup setzt mit den Finanzmitteln aus dem ICO sein Projekt in die Realität um und die Investoren profitieren von der zukünftigen Preisentwicklung der Tokens.

Aufgrund des ähnlich klingenden Namens werden ICOs oftmals stark vereinfacht mit IPOs (Inititial Public Offering – Börsengang) im Krypto-Universum verglichen. Das kann aber irreführend sein: Zwar gibt es das Modell, dass Investoren durch Tokens Unternehmensanteile erhalten, ähnlich wie bei einer Aktienemission, dieses Modell wird jedoch nur in Einzelfällen angewendet. Anders als bei einem IPO gibt es zudem keine behördliche Aufsicht, die vor der öffentlichen Finanzierung zahlreiche Unterlagen und Prüfungsprozesse verlangt. ICOs sind etwas Neues und bleiben von Behörden bislang weitgehend unbehelligt. Einzige Ausnahme: Das Verbot in China.

Das nächste große Ding?

Der Markt boomt: Während der erste ICO von Mastercoin im Jahr 2013 lediglich fünf Millionen US-Dollar einbrachte, nahm Filecoin im September 2017 die Rekordsumme von 257 Millionen US-Dollar ein. Ein prominentes Beispiel zeigt warum: Der ICO von Ethereum, heute die nach Marktkapitalisierung zweitgrößte Kryptowährung, spielte 2014 18 Millionen US-Dollar ein. Investoren erhielten damals einen Ether zu einem Kurs von 0,0005 Bitcoin. Heute, drei Jahre, später, steht der Kurs bei etwa 0,04 Bitcoin – eine Kurssteigerung von 8.000 Prozent (Stand: 02.11.2017).

Weil jeder bei „dem nächsten großen Ding“ gerne zu den ersten Investoren gehören möchte, mag es wenig überraschen, dass Betrügereien am ICO-Markt zunehmen. Wie so oft in einem überhitzten Markt haben skrupellose Charaktere leichtes Spiel: Eine mit Superlativen und ehrgeizigen Marketingtexten geschmückte Hochglanzwebsite reicht leider oftmals aus, um an das Geld gutgläubiger Neulinge zu gelangen. So schnell wie diese Unternehmen auftauchen, verschwinden sie auch wieder mit den eingesammelten Investorengeldern.

Auf Nummer Sicher gehen

Allerdings beobachten wir große Fortschritte, die dafür sprechen, dass der Markt reifen könnte: Seriöse ICOs geben sich Mühe, sich und das Potenzial ihrer Projekte vorzustellen. Eine sorgfältige Investment-Auswahl setzt Vertrauen und Überzeugung von dem Team und seiner Projektidee voraus. Die Einnahmen durch den ICO werden als Treuhandvermögen angelegt. Um Zugriff auf diese Mittel zu erhalten, benötigen die Eigentümer mehrere private Schlüssel – wobei einer davon einer vertrauenswürdigen dritten Stelle gehört. Darüber hinaus gründen Krypto-Startups für den ICO immer häufiger eine juristische Person und legen ausführliche, verpflichtende Geschäftsbedingungen fest.

Grundsätzlich gilt: Wer sich an einem ICO beteiligen möchte, sollte vorsichtig sein, vernünftig diversifizieren und intensive Nachforschungen anstellen, bevor er sich zu Zahlungen verpflichtet. Ein zukunftsträchtiges Projekt erkennt man über einen ausführlichen und realistischen Businessplan, Transparenz in Form von Codeschnipseln oder Beta-Versionen und idealerweise an unabhängiger Unterstützung in der Krypto-Community. Sollte nichts davon erkennbar sein, gilt: Finger weg!




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