Zeitalter der intelligenten Stadt

Die globale Vernetzung nimmt zu. Mithilfe intelligenter Gebäude, künstlicher Intelligenz und autonomer Transportmittel verbinden die Metropolen der Zukunft Mensch und Maschine.

Humanoide Roboter, intelligente Bauwerke und Netzwerke autonomer Vehikel deuten darauf hin, dass auch intelligente Städte, sogenannte Smart Cities, keine Utopie mehr sind. Das Konzept hinter der Entwicklung solcher urbaner Zentren ist nicht neu. Seine Anfänge lassen sich bis zur Einführung von Verkehrsampeln im frühen 20. Jahrhundert zurückverfolgen. Von da an versuchten Einwohner wachsender Metropolen, mithilfe von Technik ihren städtischen Alltag zu vereinfachen. Politiker auf nationaler Ebene, lokale Stadtverwaltungen sowie Vertreter von Unternehmen der Infrastruktur- und Techniksektoren weltweit trieben ehrgeizige Projekte voran, denen nur die Naturgesetze etwas entgegen zu setzen hatten.

Wenn man die Gegenwart betrachtet, ist eines sicher: Das Zeitalter der intelligenten Stadt bricht an, in der alle Bereiche urbaner Infrastruktur – Gebäudekomplexe, Verkehrsmanagement, öffentliche Versorgungsbetriebe, Ordnungskräfte, Transport und Gesundheitsversorgung – in einem Ökosystem verbunden sind und zusammenarbeiten, um die Lebensqualität ihrer Einwohner zu verbessern.

Durch die rasante Verbreitung des Internet of Things (IoT) sind Menschen und Maschinen immer stärker miteinander verbunden. Dazu tragen auch Telekommunikationskonzerne bei, die große Fortschritte dabei machen, den Globus zu vernetzen. Mobile, anwendungsbasierte Dienste – von Fahrgemeinschaften bis zur Partnersuche – sorgen für eine Verbreitung und Vergrößerung der Bevölkerung, während Unternehmen zunehmend künstliche Intelligenz, Sensoren und Lieferbots nutzen.

Daraus entstand ein Impuls, der einer Flutwelle ähnelt. Neue Metropolregionen sollen entstehen, die das Potenzial des IoT ausschöpfen, um die Lebensqualität zu verbessern. Einige Regionen testen bereits Pilotprojekte, darunter Singapur, Barcelona, Dubai, San Francisco und Kansas City.

IoT beschleunigt die Smart City

Um besser begreifen zu können, welche Gelegenheiten sich aus dieser Dynamik ergeben, muss man die verschiedenen Technologien verstehen, die das Konzept erst ermöglichen. Vor allem die schnelle Ausbreitung des Internet of Things ist verantwortlich für die Fortschritte, die bei der Entwicklung eines ganzheitlichen Smart-City-Konzeptes gemacht wurden. Es ermöglicht neue Ansätze, die es dem IoT als Netzwerk erlauben, mithilfe von Geräten Daten zu sammeln und auszutauschen. Es ist sein eigenes Ökosystem, das die Infrastruktur einer Stadt verbinden und zusammenarbeiten lassen kann.

Der multinationale Technikkonzern SoftBank und seine Tochtergesellschaften beispielsweise verstehen diese komplexen Zusammenhänge und ihre Perspektiven schon sehr gut.

Mohamad Nasser leitet den IoT-Bereich der Softbank-Telekommunikationsfirma Sprint Corporation. Er denkt, ein technisches Ökosystem müsse auf allen Ebenen umfangreich und gut durchdacht sein. Das gilt für den Computerchip und das Endgerät ebenso wie für die Konnektivität zum Endgerät, jedes Datenverarbeitungssystem und jede Anwendungsplattform, die Daten zu Lösungen für den Endnutzer umwandelt, bis hin zur künstlichen Intelligenz. Dank seiner Kompetenzen konnte der Konzern mit Sitz in Japan vielversprechende Firmen mit Bezug zum Internet of Things ausfindig machen und in diese investieren. Ein Beispiel ist der Hersteller für Computerchips ARM mit Sitz in Großbritannien. Die Firma verbaut ihre Chips in vielen mobilen Geräten und befasst sich zudem mit Unternehmensinfrastruktur sowie „Embedded Intelligence“ (eingebettete Intelligenz). SoftBanks Expertise erstreckt sich auf weitere Bereiche wie Hardware, künstliche Intelligenz und Telekommunikationsnetzwerke. Auf Basis dessen können leistungsfähige Internetverbindungen mit geringen Wartezeiten geschaffen werden. Nasser zufolge ist dies ein entscheidendes Kriterium für die weitere Entwicklung des Internet of Things, da die Ansprüche an die Leitungen wesentlich höher sind als etwa bei Mobiltelefonen. Dabei steht noch nicht fest, ob sich Mobilfunk, Satellitentechnik oder etwas anderes als Verbindungsart durchsetzen wird. Viele Verbindungen im IoT werden von Sprint betrieben. Jan Geldmacher ist Präsident der B2B-Abteilung. Ihm zufolge rangiert das Unternehmen mit 13,6 Millionen Verbindungen aktuell auf Platz sieben der Weltrangliste.

Gut informieren, bevor das Portemonnaie geöffnet wird!

Die Herausforderungen, denen Firmen wie die Soft- Bank-Gruppe gegenüberstehen zeigen, wie viele Möglichkeiten es für Investoren gibt, wenn die Probleme erst gemeistert sind. Mohamad Nasser zufolge müssten Investoren sich vorher genau informieren, in welchen Aspekt des IoT sie investieren wollten, weil der ganze Sektor so umfangreich sei. Danach seien ihnen aber keine Grenzen gesetzt, außer durch ihr Budget.

Noch deutlicher als beim Internet of Things ist die Entwicklung hin zu einer „smarten“ Mobilität. So ist die momentane Beliebtheit von Fahrgemeinschaften und dazugehörigen Dienstleistungen wie Uber, Didi und Grab ein Indikator für künftige Tendenzen. Die Kombination solcher Fahrdienste mit autonomen Transportmitteln sind die nächste Stufe der Entwicklung. Henrik Fisker, CEO des Automobilherstellers Fisker Inc., sieht große Veränderungen im Bereich der Mobilität. Seiner Ansicht nach werden sich Transportmittel bald dem täglichen Bedarf der Menschen anpassen. Sie werden an keinen Bushaltestellen mehr warten müssen. Ihre Endgeräte werden mit fahrerlosen Shuttles verbunden sein, was es ihnen ermöglichen wird, jederzeit an einem beliebigen Ort einzusteigen. Überall werden neue Technologien getestet, auf dem Universitätscampus in Californien, Michigan, Taiwan, oder Singapur bis hin zu Projekten in urbanen Gebieten wie Las Vegas. Sie erlangen jedoch erst dann Vollkommenheit, wenn autonome Vehikel mit der lokalen Infrastruktur kommunizieren können. Fisker Inc. begann in Zusammenarbeit mit der Hakim Unique Group, einem chinesischen Firmennetzwerk, ein eigenes Projekt. Das Fisker Orbit Shuttle soll Mitfahrern den Transport durch ein urbanes Gebiet ermöglichen, in dem der Verkehrsfluss automatisiert abläuft. Dieses Projekt ist eines von vielen, die zeigen, wie Infrastruktur und Automobilbranche zusammen die Mobilität im Alltag verbessern können. Durch den Einsatz kleinerer, autonomer Shuttles soll der städtische Verkehrsfluss optimiert werden. Dazu muss man ihren Gebrauch, ihre Routen und die Häufigkeit, in der sie anhalten, auf die jeweiligen Gegebenheiten abstimmen. Später sollen sie auf Universitäts- und Firmengeländen eingesetzt werden, an Flughäfen, Erholungsorten, und in intelligenten Stadtzentren, in denen die Infrastruktur dank des Internet of Things miteinander kommunizieren kann. So kann auch die Verkehrsbelastung und Luftverschmutzung in urbanen Gebieten reduziert werden.

Trotz guter Aussichten sind noch viele Fragen offen. Es ist zum Beispiel unklar, wie private und öffentliche Teilnehmer einer intelligenten Infrastruktur miteinander kommunizieren sollen, ob staatliche Einheiten bevorzugt behandelt werden, oder wie alles finanziert werden soll. Die Verwaltung einer Smart-City-Infrastruktur ist komplex. Da ist die Versorgungswirtschaft, das Verkehrsmanagement, die Strafverfolgung, oder intelligente Straßenbeleuchtung. Das stellt alle Beteiligten vor Herausforderungen, denn bisher arbeiten diese Systeme besonders in den USA meist isoliert. Die Behörden der Strafverfolgung kommunizieren nicht mit denen der Versorgungswirtschaft und diese wiederum nicht mit denen des Verkehrsmanagements. Das muss sich ändern. Dafür müssen lokale, regionale und nationale Regierungen sorgen.

Wenn die Smart City in naher Zukunft Wirklichkeit wird, werden sich Investoren zahlreiche Gelegenheiten zur Anlage bieten, nicht nur durch Anteilskäufe an Firmen wie SoftBank oder Fisker Inc. Dann werden die Projekte, in die man investieren kann, nur von der eigenen Vorstellungskraft begrenzt. //




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