„Acht Maßnahmen gegen den Negativzins“

Bernhard Matthes, Bank für Kirche und Caritas

Das Kapitalmarktjahr 2019 kennt weiterhin kaum Mangel an neuen historischen Marken und denkwürdigen Entwicklungen. Viele Notenbanken senkten den Leitzins auf das tiefste jemals beobachtete Niveau. Da Zinssenkungen und QE-Programme jedoch an Grenzen stoßen, werden künftig wohl schwerere, bislang unerprobte geldpolitische Geschütze aufgefahren werden müssen. Doch wie können Anleger ihre Sparguthaben und Investitionen in einem solchen Umfeld schützen? Bernhard Matthes, Bank für Kirche und Caritas (BKC), nennt acht wirksame Selbstverteidigungsinstrumente.

1.   Von Japan lernen. Dauerhaft niedriges Wachstum, niedrige Inflation, niedrige Zinsen und verschleppte strukturellen Aufräumarbeiten: Schreibt man der These der „Japanisierung der Eurozone“ eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit zu, lohnt es sich zu analysieren, welche Anlagestrategien für japanische Investoren in den vergangenen 20 Jahren effizient waren: In erster Linie stößt man dabei auf Portfoliostrategien, die mit einer Präferenz von Durations- über Bonitätsrisiken im Bereich der Rentenanlagen einhergingen.

2.   Gold ist ein essenzieller Portfoliobaustein zum Schutz vor der aktuell wirksamen und künftig möglicherweise noch ausgeweiteten Finanzrepression der Notenbanken. Wir verstehen Gold als Währung und mithin risikofreies Bargeldsubstitut, welches Negativzinsen vermeidet. Es dient darüber hinaus als Portfolioversicherung gegen Krisen, Inflation und systemische Instabilität, die es aus über 2.000 Jahren hinweg akkumuliertem Vertrauenskapital zieht. Edelmetalle sind heute in einer ausgewogenen Vermögensallokation wichtiger denn je.

3.   Diszipliniert umgesetzte, regelbasierte Prozesse im Investmentmanagement können Anleger zuverlässig vor Negativzinsen abschirmen. Keinesfalls würden wir in Kundenportfolien in Anleihen mit nominal oder real negativer Rendite investieren. Wir vermeiden für unsere Anleger den Erwerb von Anleihen, deren Halten zur Endfälligkeit mit einem garantierten Kaufkraftverlust auf Basis der aktuellen Inflationserwartungen einhergehen würde.

4.   Fremdwährungen können ein sinnvoller und notwendiger Portfoliobestandteil sein, wenn die inländische Währung mit direkten oder indirekten geldpolitischen Maßnahmen vorsätzlich unter Abwertungsdruck gebracht wird. Entsprechende Portfoliobeimischungen können einen Beitrag zum Kaufkrafterhalt in heimischer Währung leisten. Seit Jahresbeginn konnten Investoren beispielsweise in Anleihen, die in Russischem Rubel, Peruanischen Sol, oder Mexikanischem Peso denominiert sind, nicht nur einen höheren laufen Zinsertrag vereinnahmen, sondern zugleich auch von der Aufwertung der Währung profitieren.

5.   Eine breite globale Streuung über verschiedene Jurisdiktionen hinweg kann eine sinnvolle Präventivmaßnahme sein, um möglichen Begehrlichkeiten des direkten oder indirekten Zugriffs auf Privatvermögen zu begegnen. Wir finden heute in einigen Schwellenländern gegenüber der Eurozone vielfach „freiere“ Märkte, in denen Notenbanken Zins und Währung nicht manipulieren, sondern die Preisbildung Angebot und Nachfrage folgt und Notenbanken teils sogar unabhängiger als in Industrieländern erscheinen.

6.   Ein interessanter Portfoliobestandteil können Vermögenswerte sein, die bei kontinuierlicher Geldmengenausweitung über eine fixe Angebotsmenge verfügen, aber noch nicht so abenteuerlichen Preissteigerungen erfahren haben wie beispielsweise Immobilien. Ausgewählte Beispiele dafür finden sich im Rohstoffbereich.

7.   Ein langer Anlagehorizont kann dazu genutzt werden, konsequent antizyklische und konträre Investmentansätze zu verfolgen, die sich nicht sofort, wohl aber über längere Zeiträume in überlegenen Anlagerenditen niederschlagen können. Aktuell bestehen beispielsweise in Großbritannien Opportunitäten, da im Zuge der Brexit-Unsicherheiten in vielen Anlagesegmenten günstige Bewertungen vorherrschen.

8.   Ein breit diversifiziertes Multi-Asset-, als Multi-Risikoprämien- angelegtes Portfolio ist einer aus „Nur Aktien/Renten“ gewachsenen Monokultur vorzuziehen. Die hohe Abhängigkeit des Aktien- und Zinsrisikos von geldpolitischen Rahmenbedingungen erfordert die ausgleichende Berücksichtigung alternativer Risikoprämien, welche bestenfalls marktneutrale Eigenschaften aufweisen.

„In unserem BKC Treuhand Portfolio finden alle genannten Überlegungen Eingang in die taktische Positionierung, selbstverständlich im Rahmen der Restriktionen von Liquidität, Vorgaben des Kapitalanlagegesetzes und Beschränkungen der nachhaltigen Geldanlage. Als Folge dieser Grundprinzipien, aber auch als Funktion der überaus freundlichen Marktbedingungen war das 3. Quartal im Fonds mit einer Wertentwicklung von 2,79% (Gesamtertrag seit Jahresbeginn 9,12% zum Quartalsultimo) ein ausgesprochen positives Periodenergebnis.“

Autor Bernhard Matthes ist Bereichsleiter Asset Management bei der Bank für Kirche und Caritas (BKC) und Manager des BKC Treuhand Portfolios nennt acht wirksame Selbstverteidigungsinstrumente.




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