Aktives versus passives Fondsmanagement: Vier Tipps vom Experten

Soll ich mein Vermögen in aktiv gemanagte Fonds investieren oder an die Entwicklung von Indizes koppeln – oder eine Mischung aus beiden Ansätzen wählen? Werner Kolitsch, Head of Germany & Austria bei M&G Investments erklärt, warum eine Prüfung der Anlagestrategie sinnvoll sein kann.

Die Antwort auf diese Frage hängt nicht nur von den persönlichen Zielen und dem zeitlichen Horizont des Anlegers ab, sondern auch vom generellen Marktumfeld.

So hatten passive Fonds in den letzten Jahren “einen Lauf”, da die Indizes auf breiter Front stiegen. Der MSCI World war nur schwer zu schlagen und die meisten Währungen im historischen Vergleich relativ stabil.

Inzwischen gibt es jedoch Anzeichen für eine Trendwende. Daher kann es hilfreich sein, sich vor der nächsten Anlageentscheidung diese vier Fragen zu beantworten:

1. Ist mein heutiges Erfolgsrezept auch richtig für morgen?
Im Marktumfeld der letzten Jahre zählten passiv gemanagte Anlagen zu den Gewinnern, weil sie mit ihrer “Standardallokation” vom Marktumfeld profitierten. Das heißt: Eine statische Mischung von Aktien und Anleihen eignete sich gut für das Risikomanagement. Tendenziell stehen nämlich Staatsanleihen und Aktien in einer negativen Wechselwirkung (Korrelation) zueinander. Außerdem geht man davon aus, dass Anleihen weniger volatil sind. Solche Muster können sich jedoch durchaus ändern. So werden zum Beispiel steigende Zinsen oder ein zunehmender Inflationsdruck bei mangelndem Gewinnwachstum sowohl auf Aktien als auch auf Anleihen Druck ausüben. Wir sprechen dann von einer positiven Korrelation. Gehen wir also davon aus, dass beide Märkte an einem Wendepunkt stehen, so könnte in Zukunft eher mehr als weniger aktives Management erforderlich sein. Und das betrifft vor allem Multi Asset-Konzepte.

2. Sind Staatsanleihen noch eine sichere Wahl?
Während der letzten zehn Jahre waren westliche Staatsanleihen, insbesondere aus Deutschland, ein lohnendes Investment. Zehnjährige Bundesanleihen warfen sogar mehr Ertrag ab als der DAX, und das bei geringeren Schwankungen. Von dieser Entwicklung haben auch passive Anlagen profitiert. Leider hat der Erfolg einen Haken, denn der überwiegende Teil des Ertrags der Anleihen stammt aus Kursgewinnen. Der sichere Zins – traditionell der Grund, überhaupt in Anleihen zu investieren – spielt heute eine immer kleinere Rolle. In Zukunft ist es fraglich, ob sich mit Bundesanleihen überhaupt noch Erträge erzielen lassen, da die Kurse, auch getrieben von der europäischen Geldpolitik, inzwischen ein sehr hohes Niveau erreicht haben. Was jetzt steigt, ist vielmehr die Verlustgefahr und die Volatilität. Diese Risiken in Ertragschancen umzuwandeln erfordert aktives Handeln – beispielsweise durch den Aufbau von Absicherungs-Positionen, um bei Stimmungsumschwüngen von sinkenden Kursen (und steigenden Anleiherenditen) profitieren zu können. Klassische Strategien wie hohe Allokationen in Staatsanleihen für risikoscheue Anleger sollte man dagegen hinterfragen.




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