Anleger erwarten 30-Prozent-Anstieg des Goldpreises

Adrian Ash, Director of Research bei BullionVault

Insbesondere seit der Covid-19 Krise flüchten viele Anleger in den sicheren Hafen Gold. Laut einer Umfrage des weltweit größten Online-Anbieters für direktes Anlagegold BullionVault gehen 87,2 Prozent der Edelmetallanleger davon aus, dass der Goldpreis in der zweiten Jahreshälfte weiter steigen wird.

Die Erwartungshaltung war, seitdem die Umfrage im Jahr 2014 halbjährlich durchgeführt wird, nie höher. Im Durchschnitt gingen in den letzten Jahren 71,6 Prozent der Anleger von einem steigenden Goldpreis aus. 78,5 Prozent der Befragten rechnen bis zum Ende des Jahres mit einem Anstieg von bis zu 30 Prozent. Diese Erwartungen fußen auf einen starken ersten Halbjahr: in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 verzeichnete Gold mit einem Plus von 16,7 Prozent in US-Dollar den zweitstärksten Halbjahresgewinn des letzten Jahrzehnts.

Nach den Erwartungen der Anleger wird dabei die Geldpolitik, also steigende Zinssätze oder Quantitative-Easing Programme den größten Einfluss auf die Entwicklung des Goldpreises bis zum Ende des Jahres haben. 34,7 Prozent der Befragten schätzen dies als Preistreiber Nr. 1 ein. Staatsausgaben und die Höhe der Staatsdefizite sehen 20,7 Prozent der Befragten als größten Einfluss und lediglich 17,6 Prozent der Befragten schätzen die geopolitischen Auswirkungen als entscheidend ein.

„Als wir die Umfrage im Dezember 2019 durchführten, gingen noch knapp ein Drittel der Befragten davon aus, dass die Auswirkungen des Brexits oder die des Handelskrieges den größten Einfluss auf den Goldpreis haben werden. Doch nun wirbelt die Covid-19 Krise die Goldmärkte und die Weltwirtschaft durcheinander. Die Sorgen der Anleger dürften auch in den kommenden Wochen und Monaten nicht verfliegen. In solchen Krisenzeiten flüchten Anleger verstärkt in sichere Häfen. Die Aussicht auf die kommenden Monate für die Nachfrage privater Investoren sehen im Vergleich zur Finanzkrise solide aus“, erklärt Adrian Ash, Director of Research bei BullionVault.

Die Anleger sind bei Silber vorsichtiger, da das Edelmetall im Jahr 2020 bisher schlechter abgeschnitten hat als Gold und zwischen Neujahr und Juli um 1,1% gefallen ist. Während 75,6 Prozent der Befragten erwarten, dass der Silberpreis bis zum Jahresende steigen wird, rechnen nur 56,9 Prozent mit einem Anstieg von bis zu 30 Prozent. „Ähnlich wie Gold hat auch Silber eine lange Geschichte als Zahlungs- und Anlageobjekt. In der Covid-Krise brach das graue Metall allerdings aufgrund seiner industriellen Nutzung viel stärker ein. Aktuell macht die industrielle Nachfrage die Hälfte der Gesamtnachfrage aus, bei Gold ist es lediglich ein Zehntel. In den kommenden Monaten könnte sich die starke industrielle Nachfrage positiv auswirken, da Regierungen weltweit versuchen die Wirtschaft wieder anzukurbeln, indem sie Geld für Infrasturkturinvestitionen ausgeben, insbesondere in die Weiterentwicklung der 5G-Telekommunikationen. Die massive Einführung von Basisstationen, zusätzlicher Datenspeicherung und neuen 5G-fähigen Geräten wird die Nachfrage nach Silber in der Elektro- und Elektronikbranche ankurbeln“, so Ash.

Anders sieht es bei Platin aus. 40 Prozent der Befragten erwarten, dass sich der Preis bis zum Ende des Jahres nicht ändern wird. 34,5 Prozent erwarten einen Anstieg von 10 Prozent. „Platin verhält sich nach einer anderen Logik als Silber oder Gold. Das Edelmetall hat anders als Silber oder Gold keine Geschichte als Zahlungsmittel. Als Industriemetall ist Platin stark konjunkturabhängig. Zudem wird der Preis seit Jahren durch die Krise in der Autoindustrie gedrückt. Zahlreiche Automobilkonzerne fahren ihre Produktionen langsam wieder hoch, so dass sich die industrielle Nachfrage langsam erholen wird. Da Platin in vielen großvolumigen industriellen Anwendungen unersetzlich ist, kann ein langfristiges Investment in Platin zu den aktuell niedrigen Preisen sinnvoll sein“, ordnet Ash die Ergebnisse ein.




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