Brasilien hofft auf den Wandel

In fünf Jahren sind die brasilianischen Aktienkurse um 65 Prozent gefallen –trauriges Ergebnis des schwindenden Vertrauens in die politische Führung des Landes. Doch mit der Aussicht auf einen Wechsel kommt neue Hoffnung auf.

Brasilien bietet Investoren durch seine Vielfalt eine Fülle von Möglichkeiten. All jene, die bereit sind Risiken einzugehen, werden mit den Chancen belohnt, die der brasilianische Markt ihnen bieten kann. Die Bevölkerung von 200 Millionen Menschen und die Größe des Landes, das 8,5 Millionen Quadratkilometer misst, sorgen allerdings für Komplexität. Das macht es für Investoren nicht immer leichter, Gewinne zu erwirtschaften.

Die Vielschichtigkeit des Landes und der Gesellschaft lässt sich zum Teil auf die Geschichte Brasiliens zurückführen. Südamerikas größte Volkswirtschaft ist eine noch junge Demokratie. Die ersten direkten Präsidentschaftswahlen nach der Militärregierung zwischen 1964 und 1985 fanden erst 1990 statt. Der zu diesem Zeitpunkt gewählte Präsident trat nach zwei Jahren zurück, nachdem gegen ihn ein Amtsenthebungsverfahren wegen Korruption eingeleitet worden war. Das Amt übernahm sein Vizepräsident Itamar Franco. Danach hatte das Land insgesamt nur drei Präsidenten: Fernando Henrique Cardoso, Luiz Inácio Lula da Silva (Lula) und seit Januar 2011 Dilma Rousseff (Dilma). Lange hatte das Land mit seiner hohen Inflationsrate zu kämpfen, die 1993 bei über 2000 Prozent lag. Erst mit der Einführung eines Wirtschaftsplans („Plano Real“) im Jahr 1994 konnte sie auf ein niedrigeres Niveau gesenkt werden. Auch aufgrund der Hyperinflation herrschte viele Jahre lang große Ungleichheit. Dank der geringeren Preissteigerungsraten und den seit 1994 eingeführten Sozialprogrammen hat sich die Situation jedoch verbessert.

„Hinter den Kulissen verschärfen sich die Probleme“

Nach der unter Fernando Henrique erfolgten Stabilisierung erreichte das Land während der zwei Amtsperioden von Lula, also zwischen 2003 und 2010, ein Wachstum von durchschnittlich annähernd vier Prozent. Die Ursache dafür war teilweise das günstige externe Umfeld, das die Preise für Rohstoffe in die Höhe trieb. Andererseits fiel dadurch nicht auf, dass in dieser Periode keine entscheidenden Strukturreformen diskutiert wurden. Hinter den Kulissen jedoch verschärften sich die Probleme. Die Steuerausgaben wuchsen deutlich schneller als die Steuereinnahmen und auch das Sozialversicherungsdefizit erhöhte sich Jahr für Jahr. Das BIP-Wachstum, eine stabile Inflationsrate und die Sozialprogramme halfen jedoch, die Ungleichheit abzubauen, das wichtigste Ergebnis der beiden Amtsperioden von Lula.

Allerdings blieben andere Probleme bestehen. Und so verlor auch die Belebung des Konsums, als einziges antizyklisches wirtschaftspolitisches Instrument, während der Regierungszeit von Dilma an Fahrt.




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