Das beliebteste Investitionsziel Chinas

Der Stadtstaat Singapur ist etwa so groß wie Hamburg. Als wirtschaftlicher Knotenpunkt Asiens kann er sich mit Industrienationen messen, deren Staatsgebiete deutlich größer sind.

Wie wichtig ist der Handel für Singapurs Wirtschaft?

Sriyan Pietersz: Singapur hat eine sehr freie Marktwirtschaft. Der Handel liegt bei etwa 300 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). In Thailand liegt dieses Verhältnis bei etwa 120 Prozent, in Malaysia sind es 140 und in Vietnam 180 Prozent. Die globale Nachfrage für Handelsgüter ist also ausschlaggebend dafür, dass die Wirtschaft Singapurs wachsen kann. 2017 belief sich der Handelsumsatz auf eine Billion US-Dollar, vor 20 Jahren waren es noch 325 Milliarden US-Dollar.

Wer sind Singapurs wichtigste Handelspartner?

Der Stadtstaat befindet sich an der Straße von Malakka, der zweitwichtigsten Handelsroute über Wasser. Als essentieller Knotenpunkt verbindet er West und Ost, neun seiner zehn wichtigsten Handelspartner kommen aber aus Asien. Die fünf wichtigsten sind China, Malaysia, die USA, Hongkong und Taiwan. Wegen seiner günstigen Lage erhält er viele fremdländische Direktinvestitionen (FDIs). Der United Nations Conference on Trade and Development (Unctad) zufolge belegt das Land Platz acht der Staaten mit den meisten FDIs. 2017 beliefen sie sich auf 58 Milliarden US-Dollar, acht Milliarden mehr als im Vorjahr. Die höhere Summe spiegelt die grenzüberschreitenden Fusionen und Übernahmen, die häufiger werden. Seitdem China 2013 seine Belt-and-Road-Initiative (BRI) begann, interessiert sich das bevölkerungsreichste Land der Erde verstärkt für Singapur. Das zeigt sich unter anderem an der Zugverbindung, die von China über Laos, Thailand und Malaysia nach Singapur führen soll. Der Stadtstaat löste im vergangenen Jahr auch die USA als beliebtestes Investitionsziel Chinas ab, wie die Economist Intelligence Unit (EIU) in ihrem China-Going-Global-Investment-Index angab.

Wie steht es derzeit um Singapurs Konjunktur?

Singapur kommt gerade aus einer Konjunkturflaute, die sich über die Jahre 2014, 2015 und 2016 erstreckte. Sie korrelierte zeitlich mit einer sehr schwachen globalen Nachfrage für Roh- und Werkstoffe, da die Wirtschaft im Stadtstaat wie bereits erwähnt auf Handel und Produktion basiert. Vergangenes Jahr stieg die externe Nachfrage jedoch langsam wieder an. Das war die Haupttriebfeder dafür, dass Singapurs Wirtschaft begann, sich zu erholen. Im Jahresverlauf förderte die steigende Nachfrage auch die Bruttoanlageinvestitionen (Gross Fixed Capital Formation, GFCF). Im vierten Quartal des letzten Jahres stiegen die Anlageinvestitionen im Vergleich zum dritten Quartal um 36 Prozent an. Im ersten Quartal dieses Jahres hat sich der Zuwachs etwas verlangsamt, bewegt sich aber noch immer in einem zweistelligen Prozentbereich. Die Entwicklung anderer Bereiche der Wirtschaft wie der Privatkonsum wurde trotz der steigenden externen Nachfrage im letzten Jahr gedämpft, da sich die Exporte in den ersten drei Quartalen nicht in der Zahl der Beschäftigten und den Niveaus der Löhne widerspiegelten.

Ende 2017 stieg schließlich die Quote der Beschäftigten und auch das monatliche Durchschnittseinkommen stieg um vier Prozent verglichen zum Vorjahreszeitraum. Auch der Markt für Wohneigentum wächst nach zwei Jahren der Stagnation wieder und die Grundstücke dürften 2018 zwischen fünf und 15 Prozent teurer werden. Zudem vergrößern sich die Gewinnmargen wieder und es deutet sich ein neuer Kreditzyklus an. In diesem Zusammenhang sollten die zinsunabhängigen Erträge wieder steigen. Seit zwei Quartalen steigen also die Produktions- und Exportzahlen. Das lässt vermuten, dass das BIP in diesem Jahr im Durchschnitt um zwei bis vier Prozent wachsen wird.

Wieso ist die Staatsverschuldung so hoch?

Die Regierung in Singapur erwirtschaftet üblicherweise Überschüsse. Singapur emittiert nur, um eine nationale Zinsstrukturkurve zu schaffen, die Unternehmen abschreiben können, und um den Central Provicent Fund (CPF) zu verwalten. Das System des Fonds ist komplex. Er sammelt Beiträge von Angestellten, die dann der Monetary Authority of Singapore (MAS) übergeben werden. MAS gibt Anleihen im Auftrag der Regierung aus. Anschließend werden die Beiträge dann der Government of Singapore Investment Corporation (GIC) übergeben. Die Anleihen tauchen dann zwar als „Regierungsschulden“ in der öffentlichen Haushaltsbilanz auf, aber es sind keine Schulden. GICs Vermögen überwiegt die Verbindlichkeiten bei weitem. Für ein Land wie Singapur, das auf nationaler Ebene keine Schulden aufnimmt, um damit Ausgaben zu finanzieren, eignet sich die Bruttoverschuldung kaum, um daraus auf einen gesunden Staatshaushalt zu schließen.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt