Deglobalisierung erfordert eine neue Portfolioausrichtung

Der Rückgang der Globalisierung ist mittlerweile zu einem nachhaltigen Trend geworden, der seine Spuren in der weltwirtschaftlichen Entwicklung hinterlassen wird. Von den protektionistischen Maßnahmen vieler Länder werden am ehesten binnenmarktorientierte Small-Caps profitieren.

Ein Faktor, der die Deglobalisierung fördert, ist der zunehmende Populismus. Die öffentlich wahrgenommene Enttäuschung und Unzufriedenheit in vielen Ländern ebnet den Weg zur verstärkten Fokussierung auf den Binnenmarkt und zur Abkehr der Globalisierung. In Schlüsselländern ist es fast unmöglich geworden, nationale Souveränität, Demokratie und globale Integration zu vereinen. Oft wird der globale Gedanke hintangestellt. Weltweit zeigt sich auch, dass der Kapitalismus stärker gezähmt und reguliert wird. Immer deutlicher tritt also in Erscheinung, wie schwierig es Politikern fällt, multilaterale Handelsabkommen zu fixieren und den globalen Freihandel zu unterstützen. Als Beispiele für die vermehrt nach innen gerichtete Politik können sowohl der Brexit als auch der Ausstieg der USA aus der Transpazifischen Partnerschaft TPP herangezogen werden.

Die Mittelschicht bleibt auf der Strecke

Die Globalisierung bewirkte, dass die Grenzen über Jahrzehnte hinweg geöffnet und Handelsschranken abgebaut wurden. Dies hatte eine rasante Zunahme des Welthandels und der Wohlfahrtsgewinne in vielen Volkswirtschaften zur Folge. Von den positiven Aspekten, die aus der Globalisierung hervorgegangen sind, konnte die Mittelschicht der Industrieländer kaum profitieren. Beispielsweise konnte das gesamtwirtschaftliche Volkseinkommen der einkommensstärksten zehn Prozent der US-Haushalte von 1970 bis 2014 von 32 auf 47 Prozent steigen. Im Gegensatz dazu wuchs im selben Zeitraum das Volkseinkommen der oberen 20 Prozent der US-Haushalte nur von 43 auf 51 Prozent. Der Anstieg ist somit viel moderater. Nicht außer Acht gelassen werden sollte dabei, dass das obere Fünftel der US-Haushalte mehr als die Hälfte des Volkseinkommens abdeckt.

Ein weiterer Punkt ist die Arbeitsumverteilung von den Industrieländern in die Schwellenländer, die vor allem gering qualifizierte Arbeitnehmer in den entwickelten Ländern betrifft. Durch den Lohnvorteil der vielen Schwellenländer wird nun ein Großteil der Niedriglohnjobs in den Emerging Markets ausgeführt.

Dem Welthandel mit Protektionismus begegnen  

Viele Länder schotten sich mit protektionistischen Maßnahmen ab. Insbesondere Donald Trump propagiert dieses Konzept. Mit Maßnahmen wie höhere Einfuhrzölle versucht er, den Absatz der heimischen Unternehmen auf dem Binnenmarkt zu stimulieren. Dafür nimmt er auch schwächere Wachstumsimpulse durch den Außenhandel in Kauf. Bemerkenswert ist hierbei vor allem, dass gerade die Importe wichtig für die US-Wirtschaft sind. Bei einer Abschwächung der Ausfuhren droht das bereits hohe Handelsbilanzdefizit auszuufern.

Allerdings ist dieser Fall des Protektionismus, wie er in den USA umgesetzt werden soll, kein Einzelfall. Ganz im Gegenteil: In den vergangen Jahren lässt sich erkennen, dass protektionistische Maßnahmen zunehmend weltweit Umsetzung finden. Gleichzeitig hat sich der globale Handel abgeschwächt. Dieses Wechselspiel geschieht nicht nur rein zufällig. Häufig werden protektionistische Maßnahmen als Staatshilfen verkleidet, anstelle von Strafzöllen, die als Handelsschranken errichtet werden. Eine Studie des Centers für ökonomische und politische Forschung fand vor dem Hintergrund des abschwächenden Welthandels heraus, dass viele Länder eher auf das „indirekte“ Instrument des Protektionismus setzen, als klare Handelsrestriktionen festzulegen.

Nachhaltiger Trend

Hinsichtlich des schwachen Wirtschaftswachstums und der neuen politischen Ausrichtungen scheinen sich in nächster Zeit keine Änderungen abzuzeichnen. Die Zurückdrängung der Globalisierung zeichnet einen nachhaltigen Trend ab, der seine Spuren in der Entwicklung der Weltwirtschaft hinterlassen wird. Es handelt sich hierbei also nicht bloß um ein Intermezzo. Bei genauerer Betrachtung lässt sich erkennen, dass die Stagnation des Welthandels nicht allein durch ein schwächeres Wirtschaftswachstum zu erklären ist. Laut Daten des Central Planning Bureaus ist die Handelsintensität seit der Finanzkrise gesunken. Gemessen wird die Handelsintensität am Handelsvolumen, das durch einen weiteren Prozentpunkt Wirtschaftswachstum generiert wird (Grafik). Das Wirtschaftswachstum alleine bringt also nicht den Welthandel in Schwung. Denn die Deglobalisierung scheint vielmehr strukturelle als zyklische Gründe zu haben. Die Herausforderungen, gegen diesen Trend anzugehen, sind immens.

Anleger sollten diese wirtschaftliche Neuausrichtung im Blick haben, wenn es um ihre Portfoliokonstellation geht. Wenn sich der Protektionismus ausweitet und die Globalisierung zurückgedrängt wird, werden nationale Unternehmen, die überwiegend den Inlandsmarkt bedienen, interessanter. Weniger Beachtung werden Unternehmensumsätze auf Auslandsmärkten finden. Dementsprechend sollten im Portfolio Titel höher gewichtet werden, die sich stark am Binnenmarkt orientieren. Gerade unter den Small-Caps gibt es attraktive Unternehmen, die ihren meisten Umsatz im Inland erwirtschaften. Gegenüber Large-Caps bieten sie eine Liquiditätsprämie. Wenn Investoren eine höhere Volatilität in Kauf nehmen, können sie von dieser Prämie profitieren. Dennoch bietet die Intransparenz des Small-Cap-Marktes für Investoren Schwierigkeiten, sodass es empfehlenswert wäre, auf ein aktiv gemanagtes Portfolio zurückzugreifen, dessen Manager tief in der Materie steckt.

Abschließend muss jedoch bedacht werden, dass es kein Nullsummenspiel ist, auf den Trend des Protektionismus zu setzen. Denn wenn das globale Wachstum zurückgeht, wird es international viele Verlierer geben und Risikoanlagen werden die Veränderungen zu spüren bekommen.




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