Denken in Generationen, nicht in Quartalen

Familienunternehmen denken langfristig und sind unabhängiger von Fremdkapital als konventionelle Unternehmen. Und das sind nur zwei Gründe, die gerade in volatilen Zeiten für die Investition in Familienunternehmen sprechen.

Gestern sorgten wir uns um die Wirtschaftsverlangsamung in China, den Zerfall der Ölpreise und eine potenzielle Leitzinserhöhung in den USA. Heute bestimmen Brexit, andauernd tiefe Zinsen sowie die Angst vor einer europäischen Implosion die Schlagzeilen und das Börsengeschehen. Die Aktienmärkte sind volatil, die Lage anspruchsvoll, wieso sollten Anleger gerade jetzt in familiengeführte Unternehmen investieren? Familienunternehmen bringen mit ihren starken Bilanzen, überdurchschnittlichen Profitabilität und Kapitalrenditen, nachhaltigen Geschäftsmodellen sowie langfristig orientiertem Management höhere Renditen und sichere Dividenden ins Portfolio. Eigentümergeführte Unternehmen nehmen in Europa eine bedeutende volkswirtschaftliche Stellung ein. Sie stellen rund zwei Drittel der Arbeitsplätze und erwirtschaften 70 bis 80 Prozent der Wertschöpfung. So betrachtet bilden sie wahrhaftig das Rückgrat der Wirtschaft.

Durch ihre spezifischen Eigenschaften heben sich Familienunternehmen von managergeführten Unternehmen ab. Ökonomisch nachhaltig, richten sie ihre Unternehmensentscheide an langfristigen Zielen aus – etwa nach dem Motto „Denken in Generationen, nicht in Quartalen“. Starke Bilanzen und eine natürliche Scheu vor Banken- und Kreditfinanzierung bilden das Fundament ihres Erfolges. Dies zeigt sich in einer überproportional starken Eigenkapitalquote, die oft weit über 50 Prozent liegt. Familienunternehmen sind dank ihrer ausgeprägt starken Substanz krisenresistenter, denn Zugang zu Kapital ist für sie problemlos möglich. Diese Charakteristika erlauben ihnen auch antizyklisches Investieren unabhängig vom Konjunkturzyklus. So können sie sich durch hohe Innovationskraft in ihrer Nische positionieren, intensiv in Forschung und Entwicklung investieren und ein proaktives Akquisitionsprogramm pflegen. Darüber hinaus zeichnen sie sich durch schlanke Kostenstrukturen und eine starke Cashflow-Generierung aus, was gekoppelt mit einer starken Bilanz zu verlässlichen Dividendenströmen führt.

Bei eigentümergeführten Unternehmen prägen Gründer oder Gründerfamilie Werte, Vision und strategische Entscheide. Im Vergleich zu Nicht-Familienunternehmen basieren unternehmerische Handlungen nicht auf kurzfristige Rentabilitätszielen, vielmehr stehen langfristige Unternehmensziele im Vordergrund. Dabei werden nicht nur die eigenen Interessen, sondern auch die von Angestellten, Kunden, Lieferanten und Minderheitsaktionären ungleich stärker berücksichtigt. Diese Langfristigkeit drückt sich auch in der Personalpolitik aus. Während bei europäischen nicht-familiengeführten Unternehmen ein CEO im Schnitt drei bis vier Jahre im Amt ist, sind es bei eigentümergeführten Unternehmen acht bis neun Jahre. Dies spricht für Kontinuität in der strategischen Ausrichtung, ist aber auch für Kader und Mitarbeiter von Bedeutung, denn es verleiht ihrer Arbeit Sinnhaftigkeit und ist somit eine wichtige Voraussetzung für kontinuierliche Leistungsfähigkeit.




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