„Die Goldproduzenten verdienen derzeit hervorragend“

Martin Siegel, Stabilitas

Vielen Edelmetallminengesellschaften geht es aktuell besser als vor der Krise. Über die Gründe und warum sich insbesondere Fondsanleger antizyklisch verhalten sollten, sprach Cash. mit dem mehrfach ausgezeichneten Edelmetallprofi und Manager der Stabilitas-Fonds Martin Siegel.

Sind Edelmetall-Aktien auch im Rahmen der Corona-Krise ein gutes Investment?

Siegel: Ja das sind sie. Die Edelmetall-Aktien sind im Zuge der Liquiditätskrise zunächst parallel mit wohl fast allen Aktienindizes gefallen. Dabei verdienen die Goldproduzenten derzeit hervorragend, da sie neben den hohen Edelmetallpreisen von den niedrigeren Energiepreisen profitieren. Die Margen erweitern sich damit an beiden Enden. Etwa die Hälfte der Produktionskosten in den Minen sind Energiekosten, wie z.B. beim Betreiben eines Baggers. Energiekosten bestehen z.B. aber auch indirekt bei der Reifenproduktion für den Minenfuhrpark, bei der sehr viel Öl verbraucht wird. Damit geht es den Minen zurzeit gut – teils sogar besser als vor der Krise. Nachdem nun die großen Werte der Branche bereits stark zulegen konnten, könnten die in den Stabilitas Fonds enthaltenen mittelgroßen Werte verstärkt in den Fokus der Anleger geraten.

Welche Maßnahmen haben Sie im Rahmen der Corona-Krise für Ihre Fonds umgesetzt?

Siegel: Die 3 Stabilitas Fonds mit der Ausrichtung auf Gold- bzw. Edelmetallaktien sind jeweils in über 30 Werte weltweit investiert, so dass keine Notfall-Maßnahmen im Frühjahr 2020 getroffen werden mussten. Ich orientiere mich an der fundamentalen Situation der Gesellschaften und überlege vorausschauend, was passieren könnte. Viele Firmen verdienen richtig gutes Geld und zahlen eine sehr gute Dividende, teilweise mit Renditen von über 3 %. Dabei versuche ich Titel zu identifizieren, die stärker als der Markt in den nächsten Jahren wachsen können. Vereinzelt wurden Minen vorübergehend wegen Corona geschlossen und sind nun oft wieder in Betrieb. Das Gold bzw. Metall im Boden verdirbt ja zum Glück nicht. Daneben haben wir uns selbst übrigens auch als Team dezentral aufgestellt und arbeiten von verschiedenen Arbeitsplätzen aus für die Fonds-Anleger, indem wir z.B. die Unternehmensberichte und -meldungen laufend analysieren.

Welche Regionen leiden im Edelmetallsektor besonders unter der Corona-Krise?

Siegel: Die größten Probleme gibt es in Südafrika. Dort wurde die Produktion vorübergehend komplett stillgelegt. Die südafrikanischen Minen hatten aber auch zuvor schon Probleme, da die Stromversorgung ungenügend war. Ich gehe davon aus, dass jetzt planwirtschaftlich versucht wird mit der Krise umzugehen. Aktuell kann man eher auf die Goldproduktion verzichten als auf die Stromproduktion. Es ist natürlich nicht vertretbar, dass in dieser Zeit die Goldminen riesige Mengen Strom verbrauchen, um Gold zu produzieren und die Krankenhäuser dafür keine Energie haben. Was dabei sehr interessant war: Die Minengesellschaften haben auf die Minenschließungen nicht negativ reagiert. Die Kurse sind daraufhin teilweise gestiegen. Wahrscheinlich geht man davon aus, dass der gestiegene Goldpreis die aktuellen Einschränkungen sogar überkompensiert.

Wie lange wird der Edelmetallmarkt von der Krise betroffen sein?

Siegel: Das ist eine wirklich schwierige Frage. Kurzfristig ist der Edelmetallmarkt gar nicht betroffen und die physische Nachfrage nach Münzen und Barren auf Rekordhoch. Die Edelmetallhändler in Deutschland melden Rekordverkäufe. Die Nachfrage ist riesig und kann teilweise gar nicht befriedigt werden. Wir können aus der gerade eher deflationären Tendenz durch das jetzt stattfindende massive Gelddrucken der Notenbanken und Verschulden der Staaten leicht in eine Inflation geraten. Der Unterschied zur Finanzkrise 2008 ist: Damals ist die Güterproduktion einfach weiter gelaufen. Es gab praktisch keine Produktionsrückgänge, nur einige Unsicherheiten, die aber relativ schnell überwunden wurden. Jetzt ist es tatsächlich so, dass deutlich weniger produziert wird: weniger Spargel, Autos, Restaurants, etc.. Gleichzeitig wird die Geldmenge erhöht. Der Staat gibt Helikoptergeld und Überbrückungskredite zu 0% Zinsen aus. Das Geld wird in den Wirtschaftskreislauf gepumpt, aber dadurch gibt es nicht mehr Güter – im Gegenteil. Wenn es also mehr Geld für weniger Güter gibt, resultieren daraus am Markt höhere Preise. Es gab zuletzt Wucherpreise für Schutzmasken und teils sogar für Toilettenpapier. Diesen Effekt kann man auch in China beobachten. Das dürfte der schwache Ölpreis nur teilweise kompensieren können. Neben Immobilien und Aktien würden dann die Edelmetalle und Minenwerte weiter stark gefragt bleiben.

Welche typischen Fehler machen Anleger beim Investment in Edelmetallminen-Aktien?

Siegel: Genau dieselben Fehler wie bei anderen Aktieninvestments auch. Sie kaufen nicht antizyklisch, sondern warten zu lange darauf, dass sich die Nachrichten wieder verbessern. Dann bezahlen sie erhöhte Preise für die Aktien. Oder Anleger verkaufen aus Angst am Tief. Man sollte außerdem nie auf Kredit spekulieren. Und natürlich sind Aktienfonds volatil. Daher muss man ein Investment genauso wie unsere Strategie für mehrere Jahre sehen.




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