Drei Insider über den Umbruch im Bankensektor

Eine der größten Überraschungen hierzulande: Ein Fintech läuft der Commerzbank den Rang ab. Haben die Fintechs das Schicksal traditioneller Banken bereits besiegelt? Hier lesen Sie, was drei Fintech-Experten zur aktuellen Entwicklungen am Markt.

„Die Fintech-Branche steht gerade erst am Anfang“

Joerg Bartussek, Co-Founder der Finnest GmbH

Die Fintech-Branche steht gerade erst am Anfang, vergleichbar mit der Zeit, als die ersten Fernseher neben dem guten alten Kino auftauchten: Sie waren noch klein, das Bild war lediglich schwarz-weiß und es gab nur sehr wenige Kanäle. Gleichsam stecken auch die meisten Fintechs aktuell noch in den Kinderschuhen und besetzen mit ihren Produkten und Dienstleistungen bisher nur einzelne Nischen, welche die Banken nicht füllen können oder dürfen.

Um sich dauerhaft innerhalb ihrer Branche und gegenüber dem Bankensektor behaupten zu können, werden sie im nächsten Schritt aber über den eigenen Tellerrand hinausschauen und das eigene Angebot verbreitern müssen – wenn es sein muss auch in Kooperation mit Banken, erste Beispiele hierfür gibt es ja bereits. Ferner spielen natürlich auch Schnelligkeit und Flexibilität in der Umsetzung neuer Anwendungen sowie Transparenz, Effektivität und Skalierbarkeit des Geschäftsmodells eine wichtige Rolle. Fintechs, die hier etwa aufgrund personeller Kapazitäten oder aus finanziellen Gründen nicht Schritt halten können, werden es auf Dauer schwer haben.

 

„In einigen Jahren wird es Fintechs geben, die im selben Atemzug mit den großen Geldinstituten genannt werden“

Dr. Frank Wüller, Co-CEO der COMPEON GmbH

Dem jüngsten Erfolg von Wirecard zum Trotz merkt man seit einiger Zeit ein gewisses Abflauen des anfänglichen Fintech-Hypes. Gleichzeitig scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass Fintechts nicht per se besser als Banken, aber Banken auch nicht automatisch besser als Fintechs sind – und dass oftmals überhaupt erst das Zusammenspiel beider Seiten den größten Mehrwert bringt. Immerhin ist der Trend, dass Banken ihre Kernkompetenzen geschickt durch Aufbrechen bestehender Strukturen mit Hilfe von Fintechs ausbauen, bereits jetzt klar erkennbar.

Freilich bedeutet das nicht, dass Fintechs auch in Zukunft eher ein Nischendasein im Rahmen von Kooperationen führen werden. Stattdessen werden in den kommenden Jahren immer mehr Fintechs, so wie jetzt Wirecard, von sich Reden machen, indem sie sich weiter entwickeln und an Größe gewinnen – bis man sie schließlich im selben Atemzug mit den großen Geldinstituten dieses Landes nennen wird. Ironischerweise wird das dann wohl auch damit einhergehen, dass diese Fintechs Konzernstrukturen übernehmen werden und sich dann die Frage stellen müssen, wie die ursprüngliche Agilität überhaupt noch umgesetzt werden kann.

Interessant wird zudem sein, welche Rolle die großen Namen aus dem Silicon Valley in Zukunft spielen werden. Diese sind technologisch so weit voraus und haben so viele Daten gespeichert, dass es für sie kein Problem darstellt, auf Kapitaldruck auch etablierte Märkte von einem Moment auf den anderen komplett zu durchdringen. Genauso ist die Frage, inwieweit China dann auf europäischer Ebene schon bereit ist.

 

„Langfristig werden nur wenige Fintechs überleben“

Joachim Kaune, Gründer und Geschäftsführer der fundflow GmbH

Wahrscheinlich werden langfristig nur wenige, aber dafür sehr margenstarke Fintechs überleben. Diese Fintechs müssen echte Probleme für Ihre Kunden lösen. Zum Beispiel durch voll integrierte Gesamtlösungen – wenn nötig auch in Kooperation mit starken Partnern aus der Bankenwelt.

Was wiederum die traditionellen Geldhäuser betrifft, so wird die Digitalisierungswelle über kurz oder lang wohl viele Bankenflure gähnend leer fegen. Diese Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten und beschleunigt sich mit jedem einzelnen Kunden, den ein Fintech gewinnt und eine Bank verliert.




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