Eine Reise nach Japan

Vor einigen Wochen reisten Dr. Christoph Bruns und Vorstandsvorsitzender Ufuk Boydak, beide Fondsmanager und Teilhaber bei der LOYS AG, ins Land der aufgehenden Sonne. Zurück aus dem Land von Toyota und Hitachi kommen die beiden Fondsmanager mit einigen beeindruckenden Erkenntnissen zurück. Ein Reisebericht.

Ähnlichkeiten zwischen Japan und Deutschland

Die Stärke der japanischen Wirtschaft liegt ganz offenbar in der effizienten Produktion industrieller Güter und Komponenten. Im Fahrzeug- und Maschinenbau erreichen japanische Unternehmen Spitzenwerte. Gerade in der Feinmechanik und der Mikroelektronik emanieren japanische Gesellschaften. Überhaupt liegt den Söhnen Nippons das Investitionsgütergeschäft stärker im Blut als das Konsumgüterbusiness. Hierin ähnelt Japan durchaus der deutschen Wirtschaft, die ja ebenfalls bedeutende Positionen im Fahrzeug- und Maschinenbau sowie in der Chemie belegt.

Einem jeden Japan-Besucher fällt sogleich die Reinlichkeit, gute Kleidung und Freundlichkeit der Einwohner ins Auge. Werte wie Pünktlichkeit, Sauberkeit und Ordnungssinn scheinen Tief in der Kultur verankert zu sein. Gerade Letzteres wird sehr weit getrieben, denn Uniformität begegnete uns nicht nur beim Hotelpersonal, sondern in Bäckereien, Museen und vor allem auch Schulen, wo die Kinder ausnahmslos formal und gleichartig bekleidet sind. Das Hierarchische war oft unübersehbar und nicht zuletzt an der Art der wechselseitigen Respektsbezeugung durch Verneigung abzusehen.

Größte Herausforderung: Demographie

Viele Angestellte, die wir trafen, waren 70 Jahre alt oder sogar älter. Selbst Taxifahrer waren nicht selten 80 Jahre alt, womit wir das Kernproblem Japans – den ungünstigen Altersaufbau der Gesellschaft – benannt haben. Nicht wenige Unternehmen gaben uns während der Analysegespräche zu verstehen, dass sie im Finden fähiger Mitarbeiter die größte Herausforderung der Zukunft sehen. Allerdings muss auch gesagt werden, dass sich eine stark wachsende Gesundheits- und Krankenpflegeindustrie entwickelt hat, die von der Alterung der Bevölkerung profitiert. Die Kinderarmut Japans ist übrigens derjenigen Deutschlands nicht unähnlich und ebenso die Unfähigkeit der Politik, durch geeignete Anreize daran etwas zu ändern. Gewiss spielt die veränderte Rolle der Frauen in der Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten dafür die Hauptrolle, wenngleich wir insgesamt den Eindruck gewinnen konnten, dass japanische Frauen noch stärker an traditionellen Rollenbilder gebunden sind als ihre Geschlechtsgenossinnen in Europa.

Solider Aktienmarkt

Für den japanischen Aktienmarkt, der vor ca. 30 Jahren der größte Aktienmarkt der Welt war, sprechen heute vor allem Bewertungsargumente. Vor allem die starken Bilanzen stechen jedem Analysten sogleich ins Auge. Zugleich konnten wir uns des Öfteren des Eindrucks nicht erwehren, dass die Bilanzen im Sinne einer klugen Kapitalallokation recht suboptimal aussehen. Angesichts der Dauernullzinspolitik der japanischen Zentralbank läge eine höhere Verschuldung der Unternehmen durchaus im Interesse ihrer Eigentümer. Höhere Eigenkapitalverzinsungen wären erreichbar, wenn japanische Unternehmen ein progressiveres Finanzmanagement betrieben. Hier können amerikanische Gesellschaften durchaus als Vorbild dienen.

Immerhin ist der Aktienmarkt am Kabutocho in den letzten Monaten zu neuem Leben erwacht, nachdem die Landeswährung Yen eine Neigung zur Schwäche gezeigt hat. Und es sieht ganz so aus, als wenn die Börsenlethargie der letzten 55 Jahre langsam überwunden werden kann. Man darf außerdem nicht übersehen, dass Japan mit China einen riesigen Markt vor der Haustür liegen hat, wenngleich das Verhältnis beider Länder historisch nicht ganz unbelastet ist. Der selbstgewählte Rückzug der USA vom internationalen Handel könnte hier neue Chancen eröffnen.

Es lohnt sich übrigens, am japanischen Aktienmarkt über die erste Reihe internationaler Unternehmen wie zum Beispiel Toyota, Sony, Nintendo, Shimano, Hitachi, Nomura, Honda, etc. hinauszusehen und auch die zweite und dritte Garde der Unternehmen zu beobachten. Dort finden sich nicht wenige industrielle Perlen, die mitunter erstaunlich attraktive Bewertungen aufweisen. Und mit mehr als 4.000 börsennotierten Unternehmen gehört das Land zu den größten Börsennationen überhaupt.

Insgesamt hat unsere Research-Reise den Eindruck erbracht, dass international agierende Investoren gut beraten wären, Japan stärker zu beachten, zumal die Kurse in Europa und den USA in den letzten Jahren den asiatischen Börsen vorausgelaufen sind. Zugleich sind die makroökonomischen Herausforderungen des Landes aber gewaltig, so dass vieles darauf ankommen wird, wie die vor wenigen Monaten bestätigte Regierung vom Ministerpräsidenten Abe die gesetzlichen Weichen für die Zukunft stellt. Das jüngst beschlossene Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union kann hier ebenso wie der zunehmende Tourismus als positives Zeichen eines sich weiter öffnenden Landes gesehen werden.




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