Fußball und Kapitalmarkt haben viele Gemeinsamkeiten

Seit einigen Tagen läuft die Fußball-Weltmeisterschaft. Die Sutor Bank hat eine Auswahl von 17 Nationen (wichtigste WM-Teilnehmer, Länder mit wirtschaftlicher Bedeutung) getätigt und stellt den Kapitalmarkt als 4-4-2-System dar. Lutz Neumann von der Sutor Bank kommentiert.

Seit einigen Tagen läuft die Fußball-Weltmeisterschaft, bei der 32 Nationen um den Titel spielen. Es zeigt sich bereits: Einige WM-Favoriten hinken den Erwartungen zum Teil deutlich hinterher. Vor allem beim deutschen Team scheint die Mannschaft mit der bestmöglichen Durchschlagskraft noch nicht gefunden. Demgegenüber ist die Top-Elf für den Vermögensaufbau eine klarere Angelegenheit, wie eine Auswertung der Hamburger Sutor Bank ergab. Die Sutor Bank hat sich die Frage gestellt: Wäre der Kapitalmarkt eine Fußballmannschaft, wie sähe diese aus, welche Position würde von welchem Land idealerweise besetzt werden? Als die für die Einteilung der Mannschaft relevanten statistischen Faktoren hat die Sutor Bank die Börsen-Performance sowie die Standard-Abweichung (Volatilität) herangezogen.

Die Auswahl: Wichtigste WM-Teilnehmer und Länder mit wirtschaftlicher Bedeutung

Ausgewählt wurden die wichtigsten WM-Teilnehmer und einige Länder, die aus wirtschaftlicher Sicht von Bedeutung sind, auch wenn sie fußballerisch keine herausragende Rolle spielen – wie zum Beispiel China. Mit dabei sind alle Weltmeister der letzten 60 Jahre, die acht besten der aktuellen FIFA-Weltrangliste, aber auch Länder, deren Mannschaften sich nicht für die WM 2018 qualifiziert haben, wie etwa Italien, die Niederlande oder Südafrika. Diese sind dabei, weil sie für ihre Kontinente börsenmäßig wichtig sind. Aus Gründen der Vereinfachung wurde das wirtschaftliche Großbritannien mit dem fußballerischen England gleichgesetzt. Insgesamt stehen 17 Länder in der Auswahl. Aufgrund der Datenzugänglichkeit wurde der Zeitraum 1995 bis Ende 2017 gewählt.

Um zu unserer Mannschaftsaufstellung zu kommen, setzen wir die Börsen-Performance gleich mit einer dauerhaft hohen Leistungsfähigkeit, die Standard-Abweichung versinnbildlicht eine gewisse Unberechenbarkeit, die für bestimmte Mannschaftsteile wie etwa den Sturm wichtig ist.

Der Kapitalmarkt im 4-4-2-System mit sicherem Schweizer Rückhalt

Unsere Analyse zeigt eindeutig, dass der Kapitalmarkt – wäre er eine Fußballmannschaft – nach dem 4-4-2-System aufgestellt ist. Zum besseren Verständnis: Das 4-4-2 ist das klassische System des modernen Fußballs. Es ist sehr kompakt, bietet aber auch viele taktische Varianten. Der Torhüter wird bei den Bezeichnungen nicht erwähnt, da er automatisch gesetzt ist. Dafür, dass die Schweiz die richtige Besetzung für als Torhüter ist, sprechen die gute Performance (fast zehn Prozent durchschnittliche Rendite pro Jahr in den letzten 23 Jahren) und die vergleichsweise geringe Standard-Abweichung – das liefert der Mannschaft den nötigen Rückhalt zwischen den Pfosten.

Grafik 1: Durchschnittliche jährliche Rendite und Standard-Abweichung von 17 ausgewählten Nationen (Zeitraum 1995-2017) mit Einteilung in Mannschaftsteile.
MSCI Index (gross div.) des jeweiligen Landes (gesamt: 17 Länder); x-Achse: jährliche Standard-Abweichung; y-Achse: jährliche Rendite; monatliche Auswertung 01/1995-12/2017; handschriftlich ergänzt: mögliche Mannschaftsaufstellung.
Quelle: Sutor Bank, eigene Zusammenstellung.
Grafik 2: Mannschaftsaufstellung der Weltauswahl (WM-Teilnehmer 2018), basierend auf Performance und Standard-Abweichung (Zeitraum 1995-2017).
Die Mannschaftsaufstellung der Weltauswahl (WM-Teilnehmer 2018) basiert auf der durchschnittlichen jährlichen Performance der Aktienmärkte sowie der Standard-Abweichung der jeweiligen Länder im Zeitraum 1995-2017.
Quelle: Sutor Bank, eigene Zusammenstellung.

Deutschland im offensiven Mittelfeld  

Der erste „Vierer“ beim 4-4-2-System steht für vier Verteidiger, die sich in zwei Außenverteidiger und zwei Innenverteidiger untergliedern. Das sind die Länder mit der höchsten Konstanz und Ausgeglichenheit, um der Mannschaft und dem Spielaufbau die nötige Sicherheit zu geben – in diesem Falle die USA und England auf den Flügeln (höchste und niedrigste Performance bei einer Standardabweichung von unter 15 Prozent) sowie Frankreich und Belgien in der Innenverteidigung. Der zweite „Vierer“ steht für vier Mittelfeldspieler. Diese werden meist wie eine Raute eingesetzt, also ein offensiver, zentraler Spieler (in diesem Fall  Deutschland) für Spielaufbau und Weitschüsse und daneben ein defensiver Mittelfeldspieler. Dazu kommen zwei Spieler an den Außenpositionen – besetzt einerseits mit einem Land, das über die letzten 23 Jahre eine besonders hohe Performance am Aktienmarkt zeigte und damit einen offensiven Part einnimmt (Dänemark mit durchschnittlich 13,10 Prozent) sowie andererseits ein Land mit stärker defensiver Rolle und somit absichernder Funktion (Portugal mit durchschnittlich 3,86 Prozent).

Sturmspitzen aus Südamerika  

Im Angriff werden zwei echte Stürmer eingesetzt: Das sind extrem bewegliche Länder (durchschnittliche Standard-Abweichung 35-40 Prozent) mit guter Performance (zwischen 8,5 und 9,0 Prozent im Jahresschnitt) – diese sind als unberechenbare Sturmspitzen ideal. Die beiden südamerikanischen Länder Brasilien und Argentinien erfüllen dies sehr gut.

An den Kapitalmärkten ist eine Weltauswahl wichtig

Während eine Weltauswahl im Fußball leider nicht Weltmeister werden kann, kann mit einer weltweit breit gestreuten Geldanlage sehr viel erreicht werden. Nur wer global investiert, kann von der Performance des Weltkapitalmarkts profitieren. Wer hingegen auf einzelne Märkte setzt, wird Spielball des Zufalls. Eine gesunde Diversifizierung sollte die Basis einer jeden Geldanlage sein. Jedes Land für sich performt anders und zeigt im Vergleich Unterschiede bei der Volatilität. Die Leistung schwächelnder ‚Mitspieler‘ wird durch die erhöhte Einsatzbereitschaft stärkerer Spieler ausgeglichen. Und da keiner weiß, wer wann außer Form ist, macht jeder, der diversifiziert, alles richtig.

Die Weltauswahl im Überblick:

Tor: Schweiz

4-er-Kette Verteidigung: USA, Frankreich, Belgien, England

4-er-Kette Mittelfeld: Dänemark, Deutschland, Spanien, Portugal

Sturm: Brasilien, Argentinien

Reservebank: Niederlande, Südafrika, Italien, China und Russland (bis auf Russland alle nicht für die Fußball-WM qualifiziert)

Trainer: Japan

 




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