Lockere Geldpolitik: Eine Anlageklasse gewinnt am stärksten

Lars Skovgaard Andersen, Investmentstratege bei Danske Invest

Frankfurt am Main, 11. Juli 2019 – Das Geld sitzt wieder locker bei den Zentralbanken, fast überall auf der Welt. Wie Anleger davon profitieren können erklärt Lars Skovgaard Andersen, Investmentstratege bei Danske Invest. Vor einem Jahr fürchteten Anleger weltweit steigende Zinsen. Doch nun hat sich das Bild komplett gewandelt: In der Eurozone und in den USA bereiten sich die Notenbanken auf Zinssenkungen in der zweiten Jahreshälfte vor. Und laut eines Berichts der Bank of America Merrill Lynch verfolgen 37 Schwellenländer verbal oder in der Praxis eine lockere Geldpolitik, darunter auch China.

Der Umschwung des geldpolitischen Kurses der Zentralbanken basiert auf drei Faktoren: Erstens der jüngsten Verlangsamung des Wirtschaftswachstums, zweitens der niedrigen weltweiten Inflation sowie drittens dem Risiko, dass Donald Trumps Handelskrieg die Unsicherheit verstärken und die Weltwirtschaft weiter schwächen wird. Zwar droht kurzfristig keine Wirtschaftsflaute, aber mit einer lockereren Geldpolitik wollen die Zentralbanken das Wachstum und die Inflation stimulieren und vermeiden, dass in absehbarer Zeit eine Rezession einsetzt.

Klar ist: Die geldpolitischen Lockerungen sind eine Art der Absicherung. Je mehr sich das Wirtschaftswachstum in den USA und Europa abschwächt, desto höher ist das Risiko, dass neue negative Ereignisse (zum Beispiel eine weitere Eskalation des Handelskriegs) einen größeren Konjunkturrückgang auslösen können. Mit der lockeren Geldpolitik versuchen die Zentralbanken, diese Gefahr zu reduzieren.

Wir richten unser besonderes Augenmerk auf die Geldpolitik in den USA und Europa. Aktuell erwarten wir drei Zinssenkungen der US-Notenbank (Fed) bis zum Jahresende 2019 und eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB). Wir gehen außerdem davon aus, dass die EZB ihr Anleihekaufprogramm wieder aufnehmen wird, um die Zinsen nach unten zu drücken und den Markt mit Liquidität zu versorgen.

Tatsächlich kommt es häufig vor, dass sich die verschiedenen Zentralbanken einheitlich bewegen. Grund ist einerseits die durch Globalisierung entstandene enge Verzahnung der Volkswirtschaften. Ein Wachstumsrückgang in den USA beispielsweise hätte auch negative Folgen für andere Staaten. Andererseits können Zinssenkungen in anderen Ländern eine Zentralbank dazu nötigen, sich anzuschließen. Verfolgt ein Land eine straffere Geldpolitik als andere Staaten, hat dies üblicherweise zur Folge, dass die Landeswährung aufwertet, was wiederum die Wettbewerbsfähigkeit des Landes schwächt, seinen Export verringert und damit das Wirtschaftswachstum verlangsamt.

Derzeit befinden wir uns in der Spätphase des globalen Konjunkturaufschwungs. Wir gehen davon aus, dass die geldpolitischen Lockerungen der Zentralbanken die Unsicherheit unter den Anlegern verringern und den Aufschwung verlängern können – und damit auch die Phase steigender Aktienkurse. Die neue Tonlage der Zentralbanken stützt deshalb unsere Erwartung, dass Aktien im Laufe des kommenden Jahres eine solide Rendite erzielen werden. Daher behalten wir in unseren Portfolios eine moderate Übergewichtung in Aktien und eine entsprechende Untergewichtung in Anleihen bei.

Niedrigere Zinsen kommen den meisten Unternehmen zugute, aber sie können vor allem Dividendentiteln Rückenwind verleihen, das heißt Aktien von Unternehmen, die fortlaufend passable Ausschüttungen an ihre Aktionäre vornehmen. Für Anleger mit Fokus auf Werte, die einen laufenden Ertrag generieren, sind dagegen Anleihen im letzten halben Jahr weniger interessant geworden – und das macht Dividendenaktien aus relativer Sicht zu der besseren Alternative. Die gemäßigtere Tonlage der Zentralbanken trägt deshalb auch dazu bei, dass wir jetzt das interessanteste Renditepotenzial bei Dividendenaktien sehen.

Wenn die Zentralbanken eine lockere Geldpolitik verfolgen, stimulieren sie das allgemeine Wirtschaftswachstum, indem sie es für Verbraucher und Unternehmen leichter und billiger machen, einen Kredit aufzunehmen. Dies kann durch Zinssenkungen erfolgen oder indem die Notenbanken auf andere Art und Weise die Kreditbedingungen lockern. Seit der Finanzkrise haben die Zentralbanken zudem im großen Stil Anleihen aufgekauft, um die Zinsen nach unten zu drücken und die Wirtschaft mit mehr Liquidität zu versorgen, das heißt, um die allgemeine Geldmenge zu erhöhen.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt