Schwellenländeranleihen: Attraktive Einstiegspunkte im zweiten Halbjahr

Denise Simon, Portfoliomanagerin für Schwellenländeranleihen bei Lazard Asset Management

Schwellenländeranleihen haben seit Beginn des Jahres überdurchschnittliche Renditen von fast 10 Prozent erzielt. Doch wie sieht es in der zweiten Hälfte des Jahres aus? Denise Simon, Portfoliomanagerin für Schwellenländeranleihen bei Lazard Asset Management, sieht drei mögliche Szenarien für die weitere Entwicklung in 2019.

Szenario Nr. 1: Globale Wachstumsverlangsamung, auf die die Notenbanken mit außergewöhnlichen Maßnahmen reagieren (60% Wahrscheinlichkeit)

In ihrem Basisszenario geht die Expertin davon aus, dass das Wachstum in den USA nach einem deutlichen Rückgang im ersten und zweiten Quartal auch in der zweiten Jahreshälfte 2019 auf 1,0 bis 1,9 Prozent zurückgehen wird. Grund seien anhaltende Sorgen um den globalen Handel. „Während die Investitionsausgaben bereits zurückgegangen sind, sollten Investoren die Widerstandsfähigkeit der US-Konsumausgaben in der zweiten Jahreshälfte verfolgen, um vorhersagen zu können, wie tiefgreifend die bevorstehende Verlangsamung sein wird“, sagt Simon. In einem solchen Szenario würde die Stärke des US-Dollars nachlassen, die Spreads im High-Yield-Bereich dürften sich ausweiten, Schwellenländerwährungen an Wert verlieren und Aktienmärkte eine Korrektur erfahren. „Basierend auf früheren Korrekturen wäre für den Blended Emerging Markets Debt Index ein Verlust im mittleren einstelligen Prozentbereich wahrscheinlich“, erklärt Simon.

Entsprechend haben Simon und ihr Team in den letzten zwei Monaten das Beta-Risiko in ihren Portfolios deutlich reduziert und auf sicherere Wertpapiere mit Investment-Grade-Rating umgestellt. „Wir planen, diese Position beizubehalten, bis zwei Entwicklungen eintreten: Erstens: Die Märkte korrigieren so stark, dass die Anleger wieder eine angemessene Entschädigung für das Risiko erhalten, das sie mit Schwellenländeranleihen eingehen“, sagt Simon. „Zweitens: Globale Zentralbanken setzen angemessene geldpolitische Maßnahmen um.“ Der Markt dränge Fed und EZB in diese Richtung; künftige Zinssenkungen würden bereits in den Kurven-Projektionen eingepreist. „Aus unserer Sicht ist es jedoch wichtig, dass sowohl die Fed als auch die EZB bereit sind, die Liquiditätsbedingungen dauerhaft zu lockern“, erklärt die Expertin. Sollte die Fed zu einem entschlossen expansiven Ausblick übergehen und eine Reihe von Zinssenkungen ankündigen, könne dies die Märkte wieder in den positiven Bereich locken.

Szenario Nr. 2: Unerwartete Umkehrung der globalen Handelsspannungen durch USA-China-Deal (15% Wahrscheinlichkeit)

Zwar sei es für die USA und China nicht logisch, vor den US-Wahlen ein sinnvolles und nachhaltiges Handelsabkommen zu erzielen, dennoch könne sich die Zielsetzung auf beiden Seiten ändern. „Zudem könnten die Märkte auf Schlagzeilen statt auf Substanz reagieren“, sagt Simon. „Oder der Markt könnte die Widerstandsfähigkeit des US-Verbrauchers unterschätzen.“

In diesem Szenario würden sich die Zinssenkungen der Zentralbanken als Überreaktionen herausstellen und als Stimulus für die Volkswirtschaften in der späten Phase des Konjunkturzyklus dienen. Die Währungs- und Aktienmärkte der Schwellenländer dürften sich deutlich erholen, während als sicher geltende Wertpapiere wie US-Staatsanleihen sich wieder auf normalere Niveaus einpendeln würden. Dies wäre auch ein Umfeld, in dem sich die Spreads von Nicht-Investment-Grade-Titeln auf das Niveau nach der Finanzkrise verengen könnten.

Szenario Nr. 3: Globale Verlangsamung, die sich in eine Rezession verwandelt (25% Wahrscheinlichkeit)

Im letzten Szenario würde die längste wirtschaftliche Expansion in der Geschichte der USA zu Ende gehen. In diesem Szenario würden Trumps Zölle nach hinten losgehen und die US-Wirtschaft schädigen. „Anleger sollten den Anleihemarkt genau beobachten, um vorhersagen zu können, ob dieses Szenario eintreten wird“, so Simon. Weitere Warnsignale für Anleger seien die nachlassende Energienachfrage und die Spread-Bewegung im High-Yield-Bereich.

„Obwohl sich kein Anleger über eine Rezession freut, sind wir sehr zuversichtlich, dass ein solches Szenario eine mehrjährige Phase der Outperformance von Schwellenmärkten einleiten würde“, erklärt Simon. Denn im Gegensatz zu früheren globalen Schwächephasen würden Schwellenländer in diesen Abschwung bereits aus einer Bewertungsrezession heraus eintreten. „Schwellenländerwährungen befinden sich seit 2011 in einer Baisse“, so Simon, „und Schwellenländeraktien werden mit erheblichen Abschlägen gegenüber ihren Pendants in den Industrieländern gehandelt. Mit anderen Worten: Schwellenländer sind günstig und würden im Falle einer US-Rezession wahrscheinlich noch günstiger. Anleger sollten in diesem Fall in Betracht ziehen, ihre Positionen in Emerging Markets wesentlich zu erhöhen.“

Fazit

Die Schwellenländerexpertin fasst ihre derzeitige Strategie folgendermaßen zusammen: „Da wir in unserem Basisszenario negative globale Wachstumsüberraschungen in der zweiten Jahreshälfte annehmen, haben wir uns für eine Risikoreduzierung in unseren Portfolios entschieden. Es bleibt schwierig vorherzusagen, wann sich die Märkte negativ entwickeln werden, aber wir sind überzeugt, dass sich bis zum Jahresende attraktive Einstiegspunkte in Schwellenländeranleihen bieten werden.“




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