US Notenbank Fed: Neuer politischer Rahmen birgt Potenzial für Fehlinterpretationen

Kevin Flanagan, Head of Fixed Income Strategy

Die Federal Reserve (Fed) veröffentlichte Ende letzten Monats im Zusammenhang mit der Jackson-Hole-Rede des Vorsitzenden Powell ihren neuen politischen Rahmen, formell bekannt als „Statement on Longer-Run Goals and Monetary Policy Strategy“ . Danach ist es nicht überraschend, dass die Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC) im September keine neuen Schlagzeilen brachte. Die Schlüsselfrage ist nun, wie die Fed diesen neuen Ansatz tatsächlich umsetzt. Ein Kommentar von Kevin Flanagan, Head of Fixed Income Strategy.

Es gibt wirklich keinen Präzedenzfall, an dem man sich orientieren könnte. Zudem bergen die „Sitzungsdirektiven“ ein erhebliches Potenzial für Fehlinterpretationen durch die Märkte.

Zur Erinnerung: Im Mittelpunkt dieses neuen Rahmens werden die politischen Entscheidungsträger nun ein durchschnittliches Inflationsziel von 2 Prozent „im Laufe der Zeit“ verwenden. Um die Erklärung der Fed selbst zu zitieren: „Nach Zeiten, in denen die Inflation dauerhaft unter 2 Prozent lag, wird eine angemessene Geldpolitik wahrscheinlich darauf abzielen, für einige Zeit eine Inflation von mäßig über 2 Prozent zu erreichen“. Okay, klingt gut in der Theorie, oder? Das dachte ich auch…

Politische Entscheidungsträger haben wenig Erfolg

Was heißt das wirklich? Ich möchte nicht übermäßig kritisch sein oder das Risiko eingehen, das Pferd vom Schwanz her aufzuzäumen. Aber nach meiner Erfahrung können politische Entscheidungsträger nicht die größte Erfolgsbilanz vorweisen, wenn es um die Umsetzung neuer politischer Initiativen geht. Es ist einfach, die verschiedenen Einrichtungen aus der Bilanz laufen zu lassen, wenn sie nicht mehr genutzt werden. Aber es wird knifflig, wenn tatsächlich Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Gefahr durch Fehlinterpretationen

Die Kommunikation – bekannt als „Forward Guidance“ – wird von entscheidender Bedeutung sein. Erinnert sich jeder an den Wutanfall von 2013? Wie ich bereits erwähnt habe, ist die Wahrscheinlichkeit von Fehlinterpretationen durch den Markt hoch. Was genau bedeutet „eine angemessene Geldpolitik wird wahrscheinlich darauf abzielen, für einige Zeit eine Inflation von mäßig über 2 Prozent zu erreichen“? Was bedeutet „mässig darüber“? Sind das 2,25 bzw. 2,5 Prozent oder sogar noch mehr? Was bedeutet übrigens „für einige Zeit“? Drei Monate, sechs Monate, ein Jahr?

Ein weiterer wichtiger Aspekt, den es zu berücksichtigen gilt, ist, dass die von Powell geführte Fed gezeigt hat, dass sie anfällig für Marktreaktionen ist. Dazu eine weitere Reise in die Vergangenheit: die letzte Zinserhöhung im Jahr 2018 – wissen Sie noch, wie gut das gelaufen ist? Nur sieben Monate später hat die Fed sie wieder rückgängig gemacht!

Neuen politische Rahmen nicht unterschätzen

Unterm Strich gebe ich bereitwillig zu, dass die Fed in nächster Zeit die Zinsen nicht erhöhen und/oder ihre Käufe im Rahmen der quantitativen Lockerung (QE) nicht reduzieren wird. Die Auswirkungen dieses neuen politischen Rahmens dürfen jedoch nicht unterschätzt werden. Die Reaktion des Anleihenmarktes auf „die Dinge heiß laufen lassen“ hat definitiv das Potenzial, den besten Plänen der Politiker einen Strich durch die Rechnung zu machen. Wollen Sie einen weiteren lustigen Leckerbissen? Powells Amtszeit als Vorsitzender endet Anfang 2022. Mit anderen Worten, er ist vielleicht nicht einmal mehr da, wenn es darum geht, diesen neuen Ansatz tatsächlich umzusetzen.




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