USA: Starke Lohndynamik kompensiert schwächeren Beschäftigungsaufbau

Rudolf Besch

Die Leitzinssenkung der Fed in der übernächsten Woche gilt als gesetzt. Den jüngsten Ausführungen von verschie-denen FOMC-Mitgliedern ließ sich entnehmen, dass hierfür (unter Widerständen) eine Mehrheit zustande kommen wird. Auch dieser Schritt dürfte von der Fed als ein Versicherungsschritt gegen bestehende (globale) Risiken interpretiert werden. Der heutige Arbeitsmarktbericht war für diese anstehende Entscheidung nicht mehr bedeutsam. Gleichwohl reichen unsere Erwartungen als auch die der Märkte schon weiter: Gemeinhin wird auch für den Zinsentscheid im Oktober mit einer Leitzinssenkung gerechnet.

Die heute für August gemeldeten Arbeitsmarktzahlen dürften den FOMC-Mitgliedern die Entscheidung im Oktober nicht einfacher machen: Im August stieg die Anzahl der Beschäftigten lediglich um 130.000 Stellen (Bloomberg-Umfrage: 160.000 Personen, DekaBank: 180.000 Personen). Hierin sind 25.000 zeitlich befristete Stellen enthalten, weil im kommenden Jahr die zehnjährliche Volkszählung (Census 2020) stattfinden wird.

Zudem wurden die beiden Vormonate zusammengenommen um 20.000 Stellen nach unten revidiert. Die Arbeitslosenquote verharrte mit 3,7 % auf ihrem Vormonatsniveau (Bloomberg-Umfrage: 3,7 %; DekaBank: 3,6 %) und die Partizipationsrate nahm von 63,0 % auf 63,2 % zu. Deren Anstieg könnte ebenfalls mit der Volkszählung zu tun haben.

Im Gegensatz zu der gegenüber den Erwartungen schwächeren Beschäftigungsentwicklung war die Lohndynamik überraschend stark. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen um 0,4 % gegenüber dem Vormonat (Bloomberg-Umfrage und DekaBank: 0,3 %). Weil für August 2018 ein noch stärkerer monatlicher Lohnanstieg ermittelt wurde, sank die Jahresveränderungsrate von nach oben revidierten 3,3 % auf 3,2 %.

Neben dem kräftigen Lohnzuwachs nahm auch die Wochenarbeitszeit gegenüber dem Vormonat zu. Bildet man die Lohnsumme aus Stundenlöhnen, Stundenanzahl und Beschäftigten, dann hat diese um 0,8 % gegenüber dem Vormonat zugenommen. Nach dieser Lesart war der Arbeitsmarktbericht der stärkste in diesem Jahr.

Die Unterteilung der Beschäftigung nach Gewerbezweigen zeigt, dass die Beschäftigungsentwicklungen in nahezu allen Bereichen unterdurchschnittlich waren. Eine Ausnahme bilden hierbei die Staatsunternehmen. Zieht man den Census-Effekt ab, dann war hier die Beschäftigungsentwicklung jedoch unauffällig. Die deutlichste Abweichung zur durchschnittlichen Entwicklung seit Anfang 2017 gab es im Bereich Handel, Transport und Versorger. Insbesondere im Einzelhandel lag ein Beschäftigungsrückgang vor. Seit Januar dieses Jahres werden hier kontinuierlich Stellen abgebaut.

Angesichts der hohen Konsumdynamik der privaten Haushalte mag dies überraschen. Allerdings zeigen die Daten zum Einzelhandelsumsatz, dass die Umsatzentwicklung besonders im Versandhandel stark ist. Denkbar ist, dass strukturelle Entwicklungen wirken: weg vom klas-sischen Einzelhandel hin zum Versandhandel. Relativ schwach war auch die Beschäftigungsentwicklung im verarbeitenden Gewerbe. Angesichts der globalen Industrieschwäche ist der leichte Stellenaufbau sogar noch überraschend positiv.

Der monatliche Stellenaufbau verlangsamt sich. In den vergangenen zwölf Monaten betrug der monatliche durchschnittliche Stellenaufbau gut 170.000 Stellen. Dies ist die niedrigste Dynamik seit Januar 2018. Nimmt man den (von manchen FOMC-Mitgliedern präferierten) Sechsmonatsdurchschnitt, dann nahm dieser von knapp 140.000 Stellen auf 150.000 Stellen leicht zu. Solch eine niedrige Dynamik gab es seit 2012 nicht mehr. Gleichwohl war damals das Arbeitsangebot auch deutlich höher und die Lohndynamik niedriger.

Dies bedeutet, dass die schwächere Beschäftigungsdynamik nicht nur aus einer schwächeren Wachstumsdynamik resultiert – vor einem Jahr wuchs die US-Wirtschaft noch im Bereich von ca. 3 % und aktuell ca. 2 % – sondern auch aus einem schwächer Arbeitsangebot. Auf das geringe Arbeitsangebot reagieren die Unternehmen wiede-rum mit einer stärkeren Lohndynamik. Die Kombination aus schwächerer Beschäftigungs- sowie höherer Lohndynamik dürfte es der Fed schwieriger machen, mehrere Versicherungsschritte vorzunehmen.

Sollten die durchaus bestehenden Risiken nicht zu einer spürbar schwächeren wirtschaftlichen Dynamik führen, dann könnten zu viele Leitzinssenkungen zu späteren unerwünschten inflationären Entwicklung beitragen. Nimmt man die politische Gemengelage hinzu, dann sind die FOMC-Mitglieder derzeit nicht zu beneiden.




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