Viel Kapital auf wenig Raum

Global Investor sprach mit Experten aus der Investitionsbranche über die Anlagepotenziale Singapurs. Dabei zeigte sich, dass neben dem Handel vor allem der Finanzsektor und die Immobilienbranche die nationale Wirtschaft bestimmen.

Singapur ist ein dicht bebauter Stadtstaat mit etwas mehr als 5,6 Millionen Einwohnern. Dank seiner günstigen geografischen Lage entwickelte er sich von einem Handelshafen zu einer modernen Volkswirtschaft und einem wichtigen Drehkreuz für den Güterverkehr.
 Singapur ist eine kleine und liberale Volkswirtschaft, deswegen wurde die konjunkturelle Entwicklung der Stadt lange mehr durch äußere Faktoren als durch innenpolitische bestimmt.

Da er keine natürlichen Ressourcen hat, konzentriert sich der Stadtstaat auf vier Bereiche, um sich weiter zu entwickeln. Er arbeitet an einer nachhaltigen Wirtschaftsstruktur und Entwicklung für die Einwohner sowie an einem nachhaltigen Lebensraum und bemüht sich um internationale Zusammenarbeit. Dafür muss die Regierung langfristig planen und die lokalen infrastrukturellen Anforderungen berücksichtigen. Die steigenden Ausgaben für die Infrastruktur wirken sich unmittelbar auf das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts aus. Höhere Infrastrukturausgaben erhöhen die Wirtschaftsleistung eines Staates, dadurch wiederum steigt das Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Singapur verwaltet verfügbare Flächen äußerst sorgfältig

Die meisten Länder haben ausreichend Platz für urbane und ländliche Gebiete sowie für Vororte. Als Stadtstaat muss Singapur jedoch sämtliche Infrastruktur- und Versorgungsleistungen auf der Fläche einer Stadt unterbringen. Singapur verwaltet verfügbare Flächen daher sorgfältig. Jede Fläche hat einen bestimmten Zweck. Die Koordination und Planung hierfür sind Benedict Lai zufolge in zwei zentralen Dokumenten festgelegt: dem Konzeptplan und dem Masterplan. Der Konzeptplan gibt einen Überblick über die Entwicklung der nächsten 40 bis 50 Jahre. Auf dem Konzeptplan basieren konkretere Vorhaben, die die infrastrukturelle Entwicklung Singapurs für die nächsten zehn bis 15 Jahre bestimmen. Die Land Transport Authority (LTA) verwendet einen Plan zur Straßenerschließung, damit Entwicklungen der Transportinfrastruktur nicht zu sehr verzögert oder behindert werden.

So kann sich die LTA strategische Landreserven für den Bau neuer Infrastrukturprojekte vorbehalten. Doch trotz aller Planung reicht der Platz nicht aus. Durch die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen 30 Jahre benötigten Wohngebäude, Transportsysteme, Wirtschaft und Industrie immer mehr Platz. Um den Bedarf zu decken, musste Singapur Land künstlich aufschütten. Der offiziellen Statistikbehörde, dem Department of Statistics Singapore, zufolge hat sich die Landfläche durch diese Art der Landgewinnung seit den 1960er-Jahren um mehr als 20 Prozent vergrößert, von 582 auf 720 Quadratkilometer. Dank der neuen Flächen konnte die Stadt Wohngebiete, das Marina-Bay-Gebiet und den Changi International Airport ausbauen. Die Grafik illustriert, wie die Planungsbehörde Flächen bis 2030 nutzen möchte.

Die Landgewinnung ist jedoch schlecht für die Umwelt. Die unterschiedlichen küstennahen Aktivitäten – Schifffahrt, Grabungsarbeiten und Baumaßnahmen – trüben und verschmutzen außerdem die Gewässer und fördern die Sedimentbildung.

Singapur muss ein Balanceakt hinlegen

Trotzdem bemüht sich die Stadt darum, „grün“ zu sein. Sie muss demnach Nachhaltigkeit und Wirtschaftswachstum ausbalancieren. Da Flächen knapp sind, muss sie bestehende Infrastruktur verdichten und dabei die Lebensqualität wahren. Es gibt stadtplanerische Vorgaben zur Begrünung von Flächen und Gebäuden. Das Singapore Green Building Council etwa bemüht sich, bis zum Jahr 2030 die CO2-Emissionen zu reduzieren, sodass alle Gebäude der Green-Mark-Zertifizierung entsprechen. Solche Gebäudestandards sollen mit Technologien wie dem Internet of Things oder intelligenten Energiemanagementsystemen Kosten sparen.




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