Aufbruch am Nilufer

Das Kurzportrait zu Ägypten aus unserer Afrika-Reihe: Warum Ägypten eines der perspektivreichsten Staaten in Afrika werden kann, erklärt Sharat Dua von Charlemagne Capital.

Mit einem näheren Blick auf die länderspezifischen Eigenheiten zeigt sich, dass einige afrikanische Staaten bereits einen Wandel eingeschlagen haben oder an der Schwelle zu positiveren Entwicklungen stehen. Ägypten hat sicherlich die schwierigsten Zeiten in den letzten Jahren durchlebt. Zwischen 2004 bis 2010 gehörte das Land zu den am schnellsten wachsenden Schwellenländern, weil eine Reihe wichtiger Wirtschaftsreformen zu einem Anstieg von Investitionen führte und niedrige Lohnkosten die Attraktivität für multinationale Konzerne steigerte, ihre Produktionsstätten für die Absatzmärkte im Nahen Osten im Land am Nil zu errichten.

Ernüchterung während der Krise

Die ägyptische Erfolgsgeschichte wurde jedoch durch den Arabischen Frühling 2011 und dem Sturz Präsident Mubaraks schwer erschüttert. Infolgedessen kam die ägyptische Wirtschaft zum Erliegen, als das Demokratieexperiment zum Aufstieg der Muslimbruderschaft führte. Erst mit der Machtübernahme des ägyptischen Generals Sisi blühte wieder etwas Optimismus auf und die Geschäftswelt zeigte sich erfreut über einen starken Mann, der an die Erfolge Mubaraks möglicherweise anknüpfen könnte.

Der anfängliche Optimismus, der durch neue Börsengänge und der mit der groß angelegten Investorenkonferenz vom März 2015 aufblühte, mündete schnell in Frustration. Denn das Sisi-Regime ließ ein mangelndes Verständnis bezüglich globaler makroökonomischer Zusammenhänge erkennen, als es den überbewertet Äqyptische Pfund stützte trotz einer allgemeinen Schwächephase von Schwellenlandwährungen, stagnierenden BIP und den sinkenden Touristenzahlen als Folge terroristischer Anschläge. Freie Wechselkurse hätten zum allmählichen Einpendeln der Währung geführt, und den Markt ins Gleichgewicht bringen können. Stattdessen kam es zu bruchstückhaften Entwertungen, die nicht weit genug gingen. Außerdem mangelte es an US-Dollars, Kontrollen des Kapitalverkehrs und der Schwarzmarkt trieb die Inflation in die Höhe. Als Konsequenz brachen die Investitionen ein und der Ruf des Landes in der Unternehmenswelt litt.

Positive Aussichten am Nil

Im November 2016 trafen die ägyptischen Behörden eine längst überfällige Entscheidung und gaben das ägyptische Pfund frei. Innerhalb nur eines Tages halbierte sich dessen Wert gegenüber dem Dollar – der Wechselkurs schnellte von weniger als neun auf 18 Pfund nach oben. Eine gründliche Analyse ergab, dass der Kurs unverhältnismäßig stark abgefallen ist, was jedoch nicht selten der Fall ist, wenn eine Währungsbindung aufgehoben wird. Wichtiger in diesem Zusammenhang ist, dass die Währung zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren auf dem Niveau gehandelt wurde, das von Angebot und Nachfrage am Markt bestimmt wird. Das bedeutet, dass Investoren nun wieder eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage haben. Die Ergebnisse sind jetzt schon sichtbar: Im Bankensektor wird für mehrere Jahre ein Kreditwachstum von über 30 % erwartet, da die Unternehmen ihre Bestände auffüllen und Investitionen nachholen. Internationale Anleger sind an den Rentenmarkt zurückgekehrt, und in den vergangen vier Monaten wagten drei Unternehmen erstmals den Gang an die Börse. Unterstützung kommt auch vom IWF, während parallel ein Programm zur Reform der Subventionen entwickelt wird. Die Geschäftswelt ist wieder optimistisch gestimmt, und die Anleger machen sich erneut mit den Vorzügen des Marktes vertraut: Die Bevölkerung ist ausgesprochen jung und dynamisch (der Anteil der unter 25-jährigen beträgt 50 %), die reichen Märkte der Golfregion liegen direkt vor der Haustür, und Ägypten genießt ein hohes Maß an internationaler Unterstützung. Dazu kommt, dass in dem nordafrikanischen Land vor kurzem Gasvorkommen entdeckt wurden. Die Bewertungen sind ermutigend und die Gewinnaussichten vielversprechend.

 




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