Allerdings bezeichnete die M5S ein Referendum über den Euro kürzlich als „letztes Mittel“. Das zeigt, dass die Partei unter ihrem neuen Vorsitzenden Luigi Di Maio gemäßigtere Töne anschlägt. Darüber hinaus ist klar, dass es wirtschaftlich und politisch von Nachteil wäre, die Währungsunion oder gar die EU zu verlassen. Die langwierigen Austrittsverhandlungen Großbritanniens mit der EU dienen als abschreckendes Beispiel, ebenso wie die erfolglosen Versuche Griechenlands, im Jahr 2015 einen Umbau Europas nach eigenen Vorstellungen zu erzwingen.

Ein Austritt Italien wäre mühselig

Ein Austrittsverfahren würde im Fall Italiens zudem die Unterstützung der anderen politischen Parteien erfordern. Das wäre ein langwieriger, legislativer Prozess und die Verfassung müsste geändert werden, bevor ein solches Referendum überhaupt abgehalten werden könnte.

Eine Verfassungsänderung muss durch eine Zweidrittelmehrheit in beiden Parlamentskammern oder eine Volksabstimmung abgesegnet werden, denn die italienische Verfassung verbietet die Aufhebung internationaler Abkommen durch eine Volksabstimmung.

Das Wahlergebnis kann sich jedoch erheblich auf die europäische Reformagenda auswirken, nicht nur wegen der Anti-Establishment-Rhetorik und der euroskeptischen Zwischentöne während der Kampagne, sondern wegen Italiens Pattsituation im Parlament. Dadurch kann sich das Land nicht selbstbewusst in die Diskussionen um den Kurs der EU einbringen.

Die US-Regierung ist unberechenbar, Länder wie Russland und China agieren selbstsicher. In diesem weltpolitischen Umfeld kann sich die EU neben den komplizierten Austrittsverhandlungen mit Großbritannien keine weiteren internen Auseinandersetzungen leisten. Die Gemeinschaft muss wichtige Weichen stellen, die Integration und die institutionelle Weiterentwicklung voranzutreiben.

Anleger sollten das italienische Wahlergebnis im Auge behalten

So kann sie sich vor wirtschaftlichen und geopolitischen Krisen schützen. Sollte die M5S oder die Lega an die Macht kommen, könnte das die Vertiefung der europäischen Integration erschweren. Das geschähe zu einem Zeitpunkt, zu dem sich mit der großen Koalition in Deutschland und der Macron-Regierung in Frankreich gerade erst die Chance auf einen größeren Konsens ergeben hat.

Inwieweit die europäische Banken- und Kapitalmarktunion, die finanzpolitischen Regeln und die Institutionen zur Krisenbekämpfung weiterentwickeln und bestehende Schwachstellen beseitigt werden, ist für den langfristigen Wirtschafts-, Finanz- und Bonitätsausblick der Europäischen Union sehr wichtig.

Es bleibt also abzuwarten, bis sich in Italien eine neue Regierung gebildet hat. Anleger sollten die möglichen Auswirkungen des italienischen Wahlergebnisses demnach im Auge behalten.




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