Corporate Credit ohne Limits

Ein extrem breites Anlageuniversum und eine geringe Korrelation zwischen den verschiedenen Anleihesegmenten: Diese Multi-Asset-Strategie zahlt sich auf den Corporate-Credit-Märkten aus und bietet gerade in volatilen Zeiten attraktive Renditen und verbesserte Risikoprofile. Gastbeitrag von Michael McEachern, Portfoliomanager & Head of Public Markets bei Muzinich & Co.

Festverzinsliche Wertpapiere bleiben auch in Zeiten einer anhaltenden Niedrigzinsphase gefragt. Allerdings suchen Investoren in der Assetklasse Fixed Income verstärkt nach Alternativen zu ihrem bisherigen Staatsanleihen-Portfolio, da diese traditionelle Anlage bekanntlich für viele Anleger keine ausreichende Rendite mehr bietet. Im Gegenteil besteht die Gefahr, real Geld zu verlieren.

Auf der Suche nach stabilen Erträgen setzen immer mehr Investoren deshalb auf Unternehmensanleihen und -kredite. Diese Corporate-Credit-Märkte, die neben globalen Investment-Grade-Unternehmensanleihen auch High Yields sowie Senior Loans umfassen, stellen in vielerlei Hinsicht interessante Bausteine fürs Portfolio dar.

Ein wesentliches Merkmal dieser Märkte ist, dass sie keine homogene Asset-Klasse sind. Die einzelnen Anleihesegmente verhalten sich vielmehr unterschiedlich. Das kann sich als großer Vorteil für flexible, aktive Anleger erweisen, die ihr Vermögen frei in verschiedenen Marktbereichen und Wertpapieren anlegen können. Zum anderen ist das Anlageuniversum sehr groß. Das gibt guten Portfoliomanagern die Möglichkeit, die stabilsten Papiere auszuwählen – und das in verschiedenen Sektoren und vor allem weltweit. Die geografische Vielfalt ist groß. Neben den Märkten in den USA und Europa bieten mittlerweile auch die Emerging Markets attraktive Opportunitäten.

Taktische Herangehensweise bringt Mehrwert

Der Corporate-Credit-Markt sollte deshalb idealerweise nicht isoliert nach Regionen oder Klassen betrachtet werden, dies greift zu kurz und schränkt die Anlagemöglichkeiten unnötig ein. Wir sind der festen Überzeugung, dass eine taktische Herangehensweise an Corporate Credit den Anlegern langfristig attraktivere risiko-adjustierte Erträge bieten kann als eine einzelne festverzinsliche Assetklasse.

Zumal unser Ausblick für das Segment für die kommenden Jahre grundsätzlich positiv ist. Viele Unternehmen befinden sich in einem sehr guten Zustand, sie profitieren von einer weiterhin sehr robusten Konjunktur. Die Bilanzen der Unternehmen sowohl in den USA als auch in Europa und vielen Schwellenländern stellen sich entsprechend positiv dar. Zudem haben viele Unternehmen das niedrige Zinsumfeld genutzt und sich zu günstigen Konditionen gut refinanziert. An dem fundamentalen Bild sollte sich vorerst nichts ändern. Wir erwarten keine großen negativen Überraschungen.

Vor dem Hintergrund niedriger Corporate-Credit-Spreads und langsam steigender Zinsen ist jedoch ein flexibles Vorgehen angeraten, um interessante Investmentgelegenheiten aufzudecken und zu nutzen. Die große Renditestreuung bei Unternehmensanleihen ermöglicht es aktiven Asset Managern, indem sie auch short gehen können, Gewinne für ihre Investoren zu vereinnahmen. Passive Anleihestrategien sind in diesem Umfeld aus unserer Sicht weniger empfehlenswert, da damit unnötige Durations- und Kreditrisiken verbunden sind.

Keine Überraschungen, regelmäßige Returns

Ein aktives Engagement in globale Fixed-Income-Titel wie High Yields, Loans, aber auch Investment-Grade-Papieren bietet Anlegern einen gewissen Schutz vor steigenden Zinsen bei gleichzeitiger Chance auf Kuponeinkommen. Ein breit diversifizierter Ansatz eignet sich vor allem für Investoren, die sichere und regelmäßige Erträge suchen und gleichzeitig negative Überraschungen weitgehend vermeiden möchten.

Vor allem institutionelle Investoren nutzen die Corporate-Credit-Strategie bereits als Alternative oder Ergänzung zu einem klassischen Anleihen-Portfolio. Das Interesse nach einer globalen, taktischen Kreditstrategie sollte weiter ansteigen. Das gilt umso mehr vor dem Hintergrund der sich ändernden Geldpolitik der Notenbanken. Gerade die Aussicht auf steigende Zinssätze und ein Anziehen der Volatilität an den Märkten sollte die Nachfrage nach flexiblen und breit diversifizierten Corporate-Credit-Strategien als Ergänzung zu traditionelleren Investments begünstigen.

Unsere Global Tactical Credit Strategy beruht zum Beispiel auf einem Absolute-Return-Ansatz. Dabei ziehen wir den gesamten Corporate-Credit-Markt, basierend auf einem fundamentalen Bottom-up-Ansatz, in die Betrachtung mit ein. Als aktiver Investmentmanager nutzen wir die Flexibilität, in die besten potenziellen Opportunitäten zu investieren.

Keine Einschränkung durch Benchmark

Daneben sollen Anleihen aus den verschiedensten Branchen und Regionen mit einem attraktiven relativen Wert und risiko-adjustierten Ertragspotenzial identifiziert werden, und das ohne Einschränkungen eines Vergleichsportfolios oder bestimmter Allokationsgrenzen. Ausschlaggebend für die Aufnahme eines Emittenten ins Portfolio ist nur die Attraktivität und nicht die Zugehörigkeit zu einer Benchmark oder Branche. Durch diese besondere Flexibilität und das Risikomanagement kann das Portfolio auch in Zeiten steigender Zinsen oder sich ausweitender Credit-Spreads abgesichert werden.

Wir sind der Ansicht, dass Unternehmensanleihen mit ihrem höheren Kupon und ihrer oft kürzeren Duration gut geeignet sind, Anleger vor Zinssteigerungen zu schützen und gleichzeitig positive Erträge zu erwirtschaften. Taktische Flexibilität und ein gründlicher fundamentaler Kredit-Researchprozess sind wichtige Voraussetzungen. Aber das entscheidende Erfolgskriterium, um in diesem schwierigen Umfeld attraktive Erträge zu erzielen, ist aus unserer Sicht die Fähigkeit, die ganz Bandbreite der Corporate-Credit-Märkte zu nutzen. Dadurch lassen sich Risiken gerade in einer volatilen Zeit vermeiden und Chancen nutzen.




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