Asiatische Unternehmen erobern den Westen

Unternehmen aus Fernost sind für Investoren gleich doppelt interessant: Sie sind nicht nur auf ihren stark wachsenden, konsumfreudigen Heimatmärkten erfolgreich, sondern streben im Rahmen ambitionierter Internationalisierungsstrategien zunehmend gen Westen und erobern Marktanteile auch in den USA und Europa. Eoin Donegan, Fondsexperte bei der GAMAX Management AG, gibt einen Einblick.

Viele Wege führen nach Westen

Die Expansion asiatischer Unternehmen erfolgt dabei häufig über den Zukauf westlicher Marken. Denn so erhält der Käufer nicht nur Zugang zu den jeweiligen Kernmärkten, sondern kann gleichzeitig auf das Know-How und die Schlüsseltechnologien der übernommenen Wettbewerber zugreifen. Der chinesische Hersteller Geely kaufte vor einigen Jahren beispielsweise die schwedische Auto-Marke Volvo, Lenovo übernahm das Computer-Geschäft von IBM und die indische Tata-Gruppe erweiterte ihr Portfolio um die britischen Luxusmarken Jaguar und Land Rover.

Eine weitere Erfolgsgeschichte: Der in ganz Asien starke japanische Kosmetikkonzern Shiseido. Das Unternehmen generierte 2015 einen Umsatz von rund 7,11 Milliarden US-Dollar und schaffte es damit in die Top 5 der umsatzstärksten Hersteller von Beauty-Produkten weltweit. Auch Shiseido setzt auf strategische Zukäufe und Kooperationen mit westlichen Marken. 2010 erwarb der Konzern beispielsweise den amerikanischen Konkurrenten Bare Escentuals für 1,7 Milliarden US-Dollar und schloss 2016 ein Lizenzabkommen mit Dolce & Gabbana. Der jüngste Zuwachs ist das amerikanische Start-Up MATCHCo.

Gutes Image und starke Marken

Andere asiatische Unternehmen legen ihren Strategieschwerpunkt darauf, das internationale Parkett über ein gutes Image und starke Marken zu erschließen. Besonders koreanische und japanische Firmen konnten sich durch geschickte Markenführung im Westen etablieren. So gehören Samsung, Sony und LG längst zu den Marktführern im Elektroniksegment. Auch in der Modebranche entwickeln die Asiaten sich zu einer Macht, mit der hiesige Anbieter rechnen müssen. Der japanische Sportartikelhersteller Asics beispielsweise musste im ersten Quartal 2017 in Amerika und Europa zwar starke Umsatzrückgänge von 5,3 beziehungsweise 12,9 Prozent hinnehmen. Er scheint die aktuelle Absatzflaute jedoch eher als Ansporn zu sehen und präsentierte diesen Sommer nicht nur eine neue globale Marketingkampagne, sondern eröffnete zeitgleich in London seinen weltweit größten Flag-Ship-Store. Auch die japanische Modemarke Uniqlo erweitert ihre Präsenz in westlichen Metropolen und setzt damit Wettbewerber wie Zara und H&M unter Druck. Die Tochter des Konzerns Fast Retailing ist in Europa und Amerika mit fast 100 Stores vertreten, unter anderem mit exklusiven Adressen an der Fifth Avenue, gegenüber der Pariser Oper und bald auch an der Flaniermeile Passeig die Gracia in Barcelona. Das Mutterunternehmen profitiert von diesem Expansionskurs und verzeichnete im vergangenen Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum von rund 6,2 Prozent auf 15,6 Milliarden Euro.




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