Batteriemetalle: Das Öl des 21. Jahrhunderts

Elektroautos werden immer beliebter, doch es kommen Engpässe auf die Automobilbranche zu. Rohstoffe, die zur Herstellung der Batterien benötigt werden, können nicht schnell genug gefördert werden.

Die deutschen Autobauer stehen vor großen Veränderungen. Die Entwicklung vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb hat begonnen und ist unaufhaltsam. Insbesondere China sieht in Elektroautos seine Chance, internationalen Automobilherstellern Marktanteile abzunehmen. Chinesische Automobilunternehmen lagen mit ihren Technologien für moderne Verbrennungsmotoren weit hinter den etablierten Konzernen zurück, doch die Situation ändert sich.

Chinesische Regierung fördert Elektromobilität

Die chinesische Regierung fördert gezielt sowohl die Autobauer als auch die Käufer von Elektrofahrzeugen und bestraft die Fahrer herkömmlicher Wagen. Fahrzeugplaketten in Großstädten sind sehr teuer für Benzin- und Dieselfahrzeuge und werden ausschließlich verlost. Die Gewinner dürfen dennoch nicht jeden Tag fahren, nur an etwa der Hälfte der Wochentage ist es ihnen erlaubt. Bei Elektroautos sieht das anders aus. Kunden können sie direkt vom Händler abholen. Sie brauchen dafür weder eine Sonderplakette, noch müssen sie dafür eine zusätzliche Gebühr  zahlen. Außerdem dürfen sie ihre Autos an jedem Tag fahren.

Chinas Beispiel zeigt, dass die Elektrifizierung in einigen Ländern bereits weiter vorangeschritten ist als in Deutschland. Die deutsche Automobilindustrie versucht gerade, nicht den Anschluss zu verlieren und stellt sich den neuen Herausforderungen. Doch worin bestehen sie?

Die Großbank Goldman
Sachs gab vor zwei Jahren die beste Antwort darauf. Sie betitelte in
einer ihrer ersten Studien mit Lithium
als „new gasoline“, dem neuen Benzin. Es ist
 etwas weit hergeholt, Lithium mit der Situation von Öl beziehungsweise Kraftstoffen in den 1970er-Jahren
zu vergleichen. Sicher ist jedoch, dass der Umstieg auf Elektroautos und regenerative Energieträger und eine dezentrale Speicherung von Energie mit dem aktuellen Stand der Technik ohne Lithium-Ionen-Batterien unmöglich ist. Deswegen werden derzeit viele neue Batteriefabriken gebaut.

Bis vor zwei Jahren war ausschließlich die „Gigafabrik“ von Tesla in aller Munde, die ihre Batterieproduktion verdoppeln sollte. Heute gibt es viele asiatische Batteriefabriken, die die globale Produktion in den kommenden Jahren erheblich steigern werden. Bis heute wurden Investitionen von mehr als 100 Milliarden US-Dollar für neue Batteriefabriken angekündigt.

Entwicklung lässt Nachfrage nach Rohstoffen steigen

Aktuell werden etwa 17 Prozent der gesamten Lithiumproduktion für Elektroautos benötigt. Günstigere Modelle mit längeren Reichweiten und neue Modelle werden in den kommenden Jahren noch wesentlich mehr von dem Rohstoff brauchen.

Wenn weltweit nur ein Prozent mehr der neu verkauften Autos einen Elektroantrieb hat, entspricht das einem zusätzlichen Lithiumbedarf von 50.000 bis 70.000 Tonnen. Das sind etwa 25 Prozent der gesamten Produktion. Allein die geplanten neuen Batteriefabriken werden die globale Nachfrage nach dem Metall in den kommenden sieben Jahren verfünffachen.

Entwicklung ist noch am Anfang

Hier gibt es doch Parallelen zum beginnenden Zeitalter des Verbrennungsmotors und des starken Ölpreisanstiegs in den 1970er-Jahren. Mit der Elektrifizierung entsteht ein vollkommen neuer Markt, für den erst noch die entsprechenden Produktionskapazitäten geschaffen werden müssen, bevor er sich normalisieren kann.

Der Lithiummarkt wird in den kommenden Jahren stark wachsen. Commodity Capital rechnet mit einem Bedarf von etwa einer Million Tonnen bis 2025, das entspricht etwa dem Fünffachen der aktuellen weltweiten Produktion. Danach sollten Recycling und neue Projekte entsprechend dem globalen Bedarf zu einem stabilen Verhältnis von Angebot und Nachfrage führen. In den nächsten sieben Jahren kommt es Batterieherstellern und Automobilproduzenten in erster Linie auf die Versorgungssicherheit mit Batteriemetallen an. Für diesen Zeitraum sind stabile, eher hohe Preise wahrscheinlich.

Erst nach 2025 dürfte sich der Markt entspannen und der Lithiumpreis sinken. Man sollte allerdings wissen, dass Lithium zwar einen großen Teil einer Batterie ausmacht, aber lediglich etwa vier bis fünf Prozent der Kosten. Daher ist der Preis des Rohstoffs letztendlich nebensächlich für die Kosten einer Lithium-Ionen-Batterie. Außerdem wollen Gigafabriken ihre Produktion nicht einstellen müssen, wenn zeitweise zu wenig Lithium  vorhanden ist.

Wettlauf um die besten Quellen

Die Industrie braucht das Metall also und der Preis ist aktuell zweitrangig. Es ist in erster Linie ein Wettlauf gegen die Zeit. Weltweit gibt es genügend Vorkommen, allein die Salzpfanne Salar de Uyuni in Bolivien birgt 50 Prozent bis 70 Prozent der weltweiten Lithiumressourcen, allerdings ist es mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten unmöglich, den Rohstoff profitabel abzubauen. Das liegt unter anderem am hohen Verhältnis von Magnesium zu Lithium.

Warum ist es trotz vorhandener Ressourcen so schwer, die Nachfrage zu decken, und warum ist eine der größten Herausforderungen für die Industrie, die Versorgung mit Lithium sicherzustellen?

Der Rohstoff wird derzeit hauptsächlich im Länderdreieck Chile, Argentinien, Bolivien aus ausgetrockneten Salzseen gewonnen. Unternehmen müssen dort spezielle Umweltaspekte beachten. Zur herkömmlichen Gewinnung durch Verdunstung in großen Teichen benötigen sie viel Land und müssen darauf achten, der Natur nicht zu schaden. Außerdem müssen sie bei diesen Projekten besondere Vorschriften zur Wasserentnahme und zur Verarbeitung beachten.




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