China baut am Internet der Autos

Die Entwicklung des vernetzten und autonomen Fahrens schreitet schnell voran. Gegenüber Europa und den USA hat China klare Wettbewerbsvorteile.

Unter dem Schlagwort „Internet der Autos“ arbeiten Unternehmen und Politik in China an ihrer Version des vernetzten Fahrens. Das Auto soll eingebettet werden in eine digitale Welt, in der Fahrer, andere Verkehrsteilnehmer, Verkehrsleitsysteme, Internet, Mobilfunknetz und satellitengestützte Navigationssysteme miteinander verbunden sind. Auch das autonome Fahren wird in China häufig unter dem Begriff „Internet der Autos“ mitgedacht.

Die Voraussetzungen für die Entwicklung von vernetzten und selbstfahrenden Autos sind in China besonders günstig. Da sind zum einen die dynamischen Unternehmen, die sich Gewinne aus der Digitalisierung des Automobilsektors erhoffen und über das notwendige Know-how verfügen, um diese voranzutreiben. Zudem werden sie von der Regierung unterstützt. Chinesische Autokäufer wiederum sind offen für technische Neuerungen, das in Deutschland oft skeptisch beäugte autonome Fahren wird in China eher positiv bewertet. Bedenken beim Datenschutz sind weniger ausgeprägt, etwa was das Aufzeichnen und Speichern von im Auto und im Verkehr anfallenden Informationen angeht.

Beijings große Pläne im Automobilsektor

Noch steckt das „Internet der Autos“ made in China in den Kinderschuhen. Aber die ausländischen Konkurrenten sollten sich vorbereiten, allein durch die Größe des Automarkts könnte das Land die Standards bestimmen: Etwa 28 Millionen Pkw und Lkw wurden 2016 in der Volksrepublik verkauft, Tendenz steigend.

Start-ups und große Privatunternehmen arbeiten zusammen mit staatlichen Schwergewichten am Internet der Autos. In den vergangenen Jahren ist ein dynamisches Netzwerk entstanden, in dem Branchen- und Technologiegrenzen zunehmend verschwimmen. Neben Internetkonzernen arbeiten auch Smartphone- Hersteller, Militärunternehmen, Versicherer sowie Anbieter von Hard- und Softwaresystemen an der Vernetzung des Autos. Staatliche Konzerne wie China Telekom, China Unicom und China Mobile stellen die Telekommunikationsnetze bereit. Sie entwickeln auch intelligente Verkehrssysteme und Notrufdienste. „On-Board Entertainment“ haben sie ebenfalls als lukratives Geschäftsfeld für sich entdeckt.

Diese Akteure drängen mit neuen Geschäftsmodellen auf den chinesischen Automobilmarkt. Insbesondere die jungen Unternehmen der IT-Branche bringen Bewegung in den Markt. Ihre Stärke sind kurze Produktzyklen. Sie erschließen neue Geschäftsfelder schneller und unterscheiden sich so von der klassischen Autoindustrie, die ihre Modelle in längeren Zyklen kalkuliert.

Viele dieser dynamischen Unternehmen sind einheimisch. Nicht Google oder Apple geben den Ton an, sondern die chinesischen Internetkonzerne Baidu und Tencent sowie der E-Commerce- Riese Alibaba. So entsteht ein digitales Ökosystem für das Auto, das sich grundlegend von anderen Ländern unterscheidet. Die auf den Automarkt drängenden IT-Firmen verfügen über eine breite Datenbasis chinesischer Kunden und sind mit deren Vorlieben bestens vertraut. Ihre Online-Dienste prägen bereits jetzt die digitalen Gewohnheiten – auf längere Sicht könnten ausländische Konkurrenten mit ihren Produkten ins Hintertreffen geraten.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt