Moderator: Das ist enorm wichtig und wird auch von vielen internationalen Investoren beachtet. Sie sagten: „Wir glauben, dass die Wahrscheinlichkeit einer wesentlichen Abwertung des Renminbi eher gering ist, es sei denn (und dies ist der wesentliche Punkt hier) die USA führen Zölle in Höhe von 25 Prozent auf alle Importe ein.” Deshalb sei das Treffen zwischen Präsident Xi und Präsident Trump in Buenos Aires so enorm wichtig. Was meinen Sie damit?

Wilfred Wee: Ja. Mein Eindruck ist, dass China nach den Lehren aus dem Jahr 2015 keine drastische Abwertung anstrebt. Deshalb will China das Instrument der Währungsabwertung an sich nicht anwenden.

Handelsüberschuss frustriert USA

Sie fokussieren sich mehr auf langfristige Ziele, wie etwa die Modernisierung der Industrie oder allgemeine Qualitätsverbesserungen. Wenn jedoch die USA mit extremer Aggressivität gegen China vorgeht, dann würde gemäß volkswirtschaftlichen Grundregeln China dazu gezwungen sein, Währungsschritte zu ergreifen. Aber was in diesem Zusammenhang noch relevanter ist, ist die Frage danach, woher die Frustration der USA eigentlich stammt.

Und zwar kommt sie von dem Handelsüberschuss den China gegenüber den USA permanent aufweist. Die aktuelle Korrektur bei den Rohstoffpreisen bedeutet auch, dass die chinesische Leistungsbilanz insgesamt zumindest ein kleines Plus vorzuweisen hat. Dies wird meiner Meinung nach zumindest die Zahlungsbilanz stabilisieren und natürlich gibt es 2019 Potenzial auf den Kapitalmärkten in Bezug auf die Entwicklung von Aktien und Anleihen.

Moderator: Was zur Attraktivität der chinesischen Anleihen beiträgt, ist die aktuelle Entwicklung, dass viele Onshore-Anleihen in große globale Indizes aufgenommen werden. Das führt dazu, dass bestimmte Fondsmanager nun in Anleihen investieren können, die ihnen bisher nicht zugänglich waren. Sie sagen, dass dies die Normalisierung von chinesischen Anleihen als Anlagevehikel beschleunigen und so zu signifikanten Mittelzuflüssen führen könnte. Ist ein solcher Trend schon im Gange?

Wilfred Wee: Ja. Ich glaube, dass die Aufnahme von chinesischen Anleihen voraussichtlich im Jahr 2019 in große globale Indizes wie den Global Aggregate Index oder auch den JP Morgan Emerging Market Index zu verstärkter Aufmerksamkeit führen und die Investitionen in die chinesischen Anleihenmärkte ankurbeln wird.

Chinesische Anleihen von ausländischen Investoren untergewichtet

Ich denke, dass wir bereits jetzt signifikante Mittelzuflüsse auf den chinesischen Anleihenmärkten beobachten können. Das Volumen beträgt etwa 200 Milliarden Dollar. Der Großteil davon stammt weiterhin aus den Reserven der Zentralbanken weltweit. Investmentmanager untergewichten China immer noch erheblich und wir sagen das in Anbetracht der Tatsache, dass der chinesische Anleihenmarkt weltweit der drittgrößte ist und von ausländischen Investoren lediglich eine Beteiligung von drei Prozent aufweist. Die chinesischen Anleihenmärkte sind in den globalen Allokationen extrem unterrepräsentiert. In Anbetracht der Aufnahme in große globale Indizes sollte eine Normalisierung eintreten.




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