Das Internet als Herausforderung

In der kommenden Ausgabe widmet sich Global Investor unter anderem dem asiatischen Markt. Lesen Sie im exklusiven zweiteiligen Interview mit Samir Mehta, Fondsmanager des JOHCM Asia Ex Japan Fund, welche Trends den  Markt prägen.

Welche Herausforderungen hält der asiatische Markt für Anleger bereit, die in die Region investieren wollen?
Mehta: Als Region unterschiedlichster Kulturen steht Asien immer wieder Herausforderungen gegenüber. Wir versuchen, langfristige Investitionen zu tätigen, die nachhaltig sind. Derzeit ist es vor allem das Internet, das uns vor Herausforderungen stellt. Noch vor Kurzem befand sich die Firma Giant in unserem Portfolio. Der Hersteller hochwertiger Fahrräder zeichnete sich aus durch hohe Gewinnspannen, Wachstum und Ertrag. Das Unternehmen profitierte vom steigenden Interesse an Sport und Fitness und ich hätte nicht erwartet, dass eine technologische Entwicklung sie negativ beeinflussen könnte. 2016 kamen in China jedoch oBike und Ofo auf den Markt. Die beiden Unternehmen bieten Apps an, mit denen ihre Nutzer kostengünstig Fahrräder leihen können. Im Unterschied zu anderen Anbietern müssen geliehene Räder hier nicht an einem bestimmten Ort zurückgegeben, sondern können beliebig abgestellt werden. Wegen der Nachlässigkeit, mit denen Nutzer die Leihobjekte behandeln, setzen die Anbieter auf den Kauf günstiger Räder. Zudem sinkt aufgrund der Vielzahl von Mietangeboten die Notwendigkeit, ein eigenes Fahrrad zu besitzen. In der Konsequenz sanken die Verkaufszahlen bei Giant und die Firma musste überraschend hohe Verluste verzeichnen. Im Einzelhandel lässt sich ähnliches beobachten. Ladengeschäfte und Einkaufszentren müssen mit Onlineshops wie Amazon konkurrieren. Die neuste Entwicklung in dieser Hinsicht ist Augmented Reality. Ikea beispielsweise bietet eine App an, die es Nutzern ermöglicht, virtuelle Möbel in ihrem Zuhause zu platzieren, um die Kaufentscheidung zu erleichtern. Diese Tendenz hin zu Onlinediensten betrifft nicht nur Asien, es handelt sich dabei vielmehr um einen globalen Trend.

Welche Chancen bieten sich Anlegern auf dem asiatischen Markt?
Mehta: Aus Sicht eines Investors bieten sich jedoch auch lohnenswerte Gelegenheiten, in Unternehmen zu investieren, die von technologischen Entwicklungen profitieren. Ein Beispiel hierfür ist Tencent, eine der größten Firmen Chinas. Der Konzern begann mit dem Vertrieb von Spielen und erzielt mit Onlinewerbung mittlerweile hohe Gewinne. Ein anderes Beispiel ist Weibo, eine Social-Media-Plattform ähnlich zu Snapchat, Twitter, oder Facebook. Beide befinden sich im Portfolio des JOHCM Asia ex Japan Fund. Einige andere Spitzenreiter sind derzeit Largan Precision und AAC Technologies. Bei beiden handelt es sich um Hardwarehersteller; Largan Precision stellt Kameralinsen für Smartphones her. Da die Kamerafunktion bei Nutzern sehr beliebt ist und in regelmäßig neue Entwicklungen wie die duale Kamera auf den Markt kommen, fährt das Unternehmen Gewinne ein. AAC Technologies produziert ebenfalls Komponenten für Smartphones, wie Antennen, Lautsprecher und haptische Systeme und profitiert auf ähnliche Weise vom technischen Fortschritt.

Was sind weitere Besonderheiten des asiatischen Markts?
Mehta: Ich denke, zwei Dinge stechen hier hervor: Wachstum und Volatilität. Aufgrund des dynamischen Bevölkerungswachstums und der vielen jungen Volkswirtschaften wird Wachstum unweigerlich mit Asien assoziiert. Trotzdem sollte man bedenken, dass die dortigen Aktienmärkte ebenso anfällig für Baissen sind, wie andere Börsenplätze. Volatilität muss hier nicht nur in einem wirtschaftlichen Zusammenhang verstanden werden, sondern auch in einem politischen. Aufstrebende Märkte sind anfälliger für Krisen; Nordkorea, Taiwan, China, Indien und Pakistan alle hatten oder haben politische Probleme. Aber ich empfinde politische Unsicherheit nicht als etwas, worüber man sich Sorgen machen sollte. Ganz im Gegenteil, manchmal bieten sich in solchen Zeiten gute Investitionsmöglichkeiten. Wirklich bedenklich finde ich technische Entwicklungen in Bereichen wie Robotik, künstliche Intelligenz, Automatisierung. Sie werden sich über kurz oder lang auf den Arbeitsmarkt auswirken. Asiens Bevölkerung ist groß, die meisten Nationen sind noch nicht am Ende ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Das müssen wir bedenken.

Sie haben sich kürzlich zur wirtschaftlichen Situation in Malaysia geäußert. Könnte das Land vor einem Aufschwung stehen?
Mehta: Wenn ich mit Ländern wie Malaysia zu tun habe, oder günstigen Unternehmen in der Region, frage ich mich, wie viel schlimmer es noch werden kann. Beim Kauf einer Aktie ist es meine oberste Prämisse, nicht zu viel Geld zu verlieren. 2015 und 2016 durchlebte China einige Schwierigkeiten, der Yuan verlor stark an Wert. Einige waren der Meinung, dass sich die chinesische Wirtschaft signifikant verlangsamen könnte. Doch 2017 hat sich die Wirtschaft stabilisiert und Investoren sind erpicht darauf, Aktien zu kaufen. Ich denke, mit Malaysia verhält es sich ähnlich. Ich kaufe Aktien, weil ich denke, dass das Schlimmste bereits ausgestanden ist. Da ich die genauen Entwicklungen nicht voraussagen kann, muss ich mich in Geduld üben.

Interview: Lisa Sußner

Der zweite Teil des Interviews erscheint am Montag, den 27. November.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Bitte lasse dieses Feld leer.]

Bei unseren Lesern momentan beliebt