„Drei Wege, den Markt zu schlagen“

Was sind die größten Risiken für Investoren in Europa? Über diese Frage hat Global Investor mit Mike Clements, Fondsmanager des Oyster European Selection Fund von Syz, gesprochen.

Was sind die größten Risiken für Europa?

In der kurzen Frist: Politik, Politik, Politik. Die französische und die UK-Wahl sind bereits vorbei, aber die Wahlen in Deutschland und – wichtiger – Italien stehen noch bevor. Dazu kommen die Verhandlungen zwischen der UK und der Europäischen Union rund um den Brexit, die Volatilität auslösen können. Auch Italien haben wir im Blick, nachdem Renzis Referendum gescheitert ist. Unsere Schätzung ist Fifty-Fifty, dass die Fünf-Sterne-Bewegung gewinnen könnte. Der Markt kann in der kurzen Frist wirklich nur aus politischen Gründen entgleisen. Die makroökonomischen Treiber wie die Arbeitslosenrate und das BIP bewegen sich in die richtige Richtung.

Wie gehen Sie sicher, dass diese politischen Risiken Ihr Portfolio nicht beeinflussen?

Während unserer Analyse haben wir beispielsweise auf die französische Wahl geschaut und uns gefragt: „Macht es einen Unterschied, wer die Wahl gewinnt?“ Das ist keine triviale Frage. Ein einfacheres Beispiel: Vor dem Brexit-Referendum haben wir eine Analyse für die ersten sechs Monate gemacht und gefragt: „Welche unsere Aktien würden wirklich leiden, wenn die UK austritt?“ Das ist relativ einfach: Hausbaufirmen und Immobilienunternehmen. Vor der französischen Wahl war es schwieriger, weil die Programme noch nicht feststanden und man ein hohes Stimmungsrisiko hatte. Wenn man die politischen Pläne noch nicht kennt, kann man die Auswirkung auf das Portfolio kaum analysieren. In der langen Frist beeinflusst die Politik Kurse nur über Reformen und Gesetze, diese wirken sich allmählich über mehrere Jahre hinweg aus. Wenn man von politischen Risiken redet, denkt man meistens an Stimmungsrisiken. Nach dem Brexit-Referendum fielen die Börsenkurse stark, erholten sich aber wieder. In der langen Frist hat das wenig Auswirkung, ich reagiere auf diese kurzfristigen Schwankungen nicht. Aber ich versuche sehr wohl, diese Volatilität auszunutzen und günstig einzukaufen.

In Ihrer Fondsbeschreibung steht, dass Sie Titel nach Ihrer Überzeugung kaufen, statt nach einer spezifischen Investmentstrategie vorzugehen. Wie limitieren Sie den Pool an möglichen Assets, aus denen Sie wählen?

Zunächst müssen wir uns fragen: „Was können wir am besten? Warum werden wir den Markt schlagen?“ Es gibt nur drei Wege, besser als der Markt zu sein. Es gibt Insider, die mehr Informationen als alle anderen haben, das ist bei uns nicht der Fall. Oder zweitens, man hat keine zusätzlichen Informationen, ist aber schlauer als alle andern, das sind wir auch nicht. Unser Vorteil ist, dass wir Langzeit-Investoren sind. Wir investieren über einen Horizont von fünf Jahren. Dadurch kann ich qualitative Unternehmen dann kaufen, wenn sie bei Kurzzeit-Investoren unbeliebt – und dadurch günstig – sind. Ich beachte das kurzfristige Daten- und Nachrichtenrauschen nicht. Wir schauen vor allem auf Unternehmen mit starken Marken, wie Swatch oder LVMH. Starke Marken haben Preissetzungsmacht und das führt zu höheren Umsätzen. So begrenzen wir unser Investment-Universum: Wir suchen nach Unternehmen, die höhere Eigenkapitalrenditen erwirtschaften können. Das zweite Kriterium sind stabile Bilanzen mit einem geringen finanziellen Hebel und Nettoliquidität, weil diese Unternehmen in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten überleben. //

 




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