UPI verwendet eine Benutzer-ID, so dass Verbraucher keine sensiblen Informationen wie Bankkontodaten preisgeben müssen, um Transaktionen abschließen zu können. Das hat vielen weiteren Zahlungs-Apps den Weg geebnet, die mit Hilfe der UPI-Infrastruktur entwickelt wurden. Ihre Einführung war sinnvoll, wurden doch seitdem Transaktionen im Wert von über 6 Milliarden US-Dollar durchgeführt.

Logistik

Urbane Zentren haben in Indien weniger dichte Strukturen als China. Flipkart und Amazon investieren in Indien in Fulfillment-Zentren und in die Lieferung bis an die Haustür. Alibaba hat Anfang des Jahres in den Logistikdienstleister XpressBees investiert. Doch die E-Commerce-Branche muss ihre Logistik noch weiter ausbauen. Immerhin verzeichnete Indien 2017 Deals in Höhe von 50 Millionen US-Dollar. Das ist auf ein Wiederaufleben von groß angelegten Investitionen in die Verbrauchertechnologie zurückzuführen.

Fusions- und Übernahmetätigkeiten nehmen zu

Diese positiven Entwicklungen im indischen E-Commerce sind auf den privaten Märkten nicht unbemerkt geblieben. Die Dynamik aus 2017 hat sich bis ins Jahr 2018 fortgesetzt und erinnert an Walmarts Akquisition von Flipkart im Wert von 21 Milliarden US-Dollar.

Indiens Akademiker gehen in den E-Commerce

Zudem scheint die indische Gesellschaft ihr Verhalten grundlegend zu ändern. So sehen Hochschulabsolventen beispielsweise die Konsumtechnologiebranche zunehmend als legitime Karriereoption, während sie in der Vergangenheit vor allem im Bereich der IT-Dienstleistungen ihre Zukunft suchten. Das sollte nicht überraschen, da Absolventengehälter bei Flipkart (Marktplatz), Pay (Zahlungen) und Ola (Fahrdienste) mittlerweile besser sind als bei Unternehmen wie Tata Consultancy Services, Infosys und Wipro. Dieses Phänomen zeigt sich auch an den renommierten Indian Institutes of Technology (IITs) im ganzen Land, wo sowohl in- als auch ausländische Technologieunternehmen ihre Rekrutierungsbemühungen auf dem Campus verstärkt haben.

Kapital strömt ein

Im E-Commerce gibt es viel Kapital, denn Amazon, Softbank, Alibaba und Tiger Global investieren in der gesamten indischen E-Commerce-Wertschöpfungskette. Neben Finanzkapital haben sie auch intellektuelles bereit gestellt und damit ihren indischen Kollegen geholfen, sich zu vergrößern. So ist die indische Zahlungsplattform Pay, die von Alibaba und Softbank unterstützt wird, mit über 300 Millionen Nutzern und 15 Millionen Händlern mit Abstand der beliebteste Anbieter für digitale Zahlungen im Land. Kürzlich hat Pay seine Dienstleistungen auch auf Einlagen und Kredite Dritter ausgeweitet.

Pay passt nicht nur in Alibabas umfassende Strategie, das Unternehmen erfüllt auch die Anforderungen des eisernen Dreiecks. So war das Unternehmen erfolgreich und wurde dadurch besonders interessant. Alibaba hatte eine marktbeherrschende Stellung im Zahlungsverkehr und erwarb 2017 die Pay Mall. Sein Geschäftsmodell kommt im Gegensatz zu Amazons und Flipkarts kapitalintensivem, lagerbasiertem Ansatz mit wenig Ressourcen aus. So kann Pay Mall schnell wachsen. Obwohl es erst im vergangenen Jahr gegründet wurde, erwirtschaftete das Unternehmen 2017 einen Bruttowarenwert (gross merchandise value, GMV) von drei Milliarden US-Dollar, halb so viel wie der Marktführer Flipkart.

Leicht zugängliches privates Kapital kann dazu führen, dass überzeugende Unternehmen wie Pay jahrelang keine Börsennotierung in Betracht ziehen, sollte man ihre Entwicklung verfolgen – falls sie dann doch an die Börse gehen.

Chinas E-Commerce übertraf in den letzten zehn Jahren die Erwartungen. Indiens E-Commerce könnte das auch.




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