Italien bleibt kompromisslos

Eine Kursrallye zum Jahresende ist unwahrscheinlich. Dafür sorgen der Brexit, der Dieselskandal und die Haushaltspolitik Italiens.

Nach einem vorübergehenden Plus zum Monatsanfang sackten die Aktienmärkte besonders in Europa in der vergangenen Woche wieder ab. Dies ist wohl auf die angespannte Nachrichtenlage diesseits des großen Teichs zurück zu führen.

Italien unnachgiebig

Die italienische Regierung kündigte an, der Europäischen Kommission keinen geänderten Haushalt für 2019 vorzulegen. Damit riskiert das Land ein Verfahren wegen Verletzung der Defizitregeln und finanzielle Sanktionen. Hierzu wird die Sitzung der EU-Kommission am 21. November ausschlaggebend sein. Die erwartete Ankündigung brachte die Zinssätze brachte die allgemein erwartete Ankündigung der italienischen Regierung indes nur wenig in Bewegung.

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im dritten Quartal erstmals seit 2015, um 0,2 Prozent. Hauptgrund für diesen erwarteten Rückgang war das Inkrafttreten neuer Zertifizierungsnormen bei Autoabgasen am ersten September. Dies belastete den Automobilsektor, eine der Schlüsselbranchen der deutschen Wirtschaft. Volkswagen war daher beispielsweise gezwungen, bis zur Erteilung der Zulassung tausende Fahrzeuge zu lagern und sein Werk in Wolfsburg mehrere Tage zu schließen, um nicht weiter auf Halde zu produzieren. Obwohl sich die aktuelle Schwäche der deutschen Wirtschaft folglich durch ein einzelnes Ereignis erklären lässt, sorgt sie in einem unsicheren Umfeld doch für Unruhe, wie der enttäuschende Wert des jüngsten ZEW-Barometers (Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung) über die Konjunkturerwartungen der Anleger zeigte.

Kompromiss Brexit

Geprägt wurde die Woche schließlich durch die vermeintliche Übereinkunft beim Brexit. Am Dienstag einigten sich die europäischen und britischen Unterhändler auf einen Kompromiss, den beide Seiten jedoch noch billigen müssen. Eine erste Hürde wurde am Mittwoch genommen, als die Regierung von Theresa May – nicht ohne Mühen – ihre Zustimmung erteilte. Fünf Minister traten mit dem Argument zurück, der Text schade zu sehr dem nationalen Interesse. Zudem planen die Hardliner der Konservativen Partei unter Führung des Abgeordneten Jacob Rees-Mogg, einen Misstrauensantrag gegen die Regierung von Theresa May zu stellen. Hierfür sind die Anträge von 48 konservativen Abgeordneten nötig. Dann würde eine Abstimmung im Unterhaus folgen und es könnte zur Absetzung von Theresa May kommen, falls eine Mehrheit der konservativen Abgeordneten in diesem Sinne entscheidet. Wenngleich Rees-Mogg am Freitag erklärte, 48 Parlamentarier auf seiner Seite zu haben, erscheint dieses Szenario unwahrscheinlich. Gleichwohl wurde der Kompromiss noch lange nicht gebilligt. An den Märkten sorgt die allgegenwärtige Unklarheit für eine Woge des Misstrauens.

Die Entwicklungen in Italien und Großbritannien können nicht vorhergesagt werden. Doch ohne Unterstützung durch die gesamtwirtschaftlichen Daten wird die durch diese Themen ausgelöste Unsicherheit die Entwicklung der Märkte weiter belasten und den Anstieg der Volatilität befeuern. So rückt die Aussicht auf eine Kursrallye zum Jahresende weiter in die Ferne.




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