Keine Sorge um Rezession

Der US-Arbeitsmarkt bleibt stabil, eine lockere Geldpolitik beflügelt die Aktienmäkte und senkt die Rendite bei Anleihen. Trotzdem sollten Anleger Risiken minimieren und sich im aktuellen Umfeld möglichst breit diversifizieren. Tilmann Galler von J.P. Morgan AM kommentiert.

Die Kapitalmärkte zeigten sich im ersten Quartal 2019 gegenüber Anlegern sehr gewogen. Selten haben sich in der Vergangenheit die Aktienmärkte nach einem derart starken Einbruch wie Ende 2018 so schnell wieder erholt wie zuletzt. Die Geldpolitik hat einen entscheidenden Anteil an der schnellen Erholung der Aktienmärkte. Die klare Äußerung der US-Notenbank (Fed) auf ihrer März-Sitzung, bis Ende des Jahres keine weiteren Zinserhöhungen vorzunehmen, hat die Märkte beflügelt. Es stellt sich nun die Frage, wie Anleger sich in diesem Marktumfeld positionieren sollten.

Für das zweite Quartal 2019 gibt es einige Themen, die für die weitere Entwicklung der Märkte relevant sind: die Stimmung der US-Konsumenten, politische Risiken vor allem in Europa, die Kehrtwende der US-Notenbankpolitik sowie die Invertierung der Zinsstrukturkurve. Eine nachhaltige Rally an den Märkten könne sich nach Ansicht des Experten jedoch nur nach einer Trendwende bei den Unternehmensgewinnen etablieren.

USA: Stabilität des Arbeitsmarkts bleibt der Schlüssel

In den USA war das Verbrauchervertrauen insbesondere im Dezember 2018 sowie im Januar 2019 stärker geschwunden. Für die Bewertung der Situation gilt es jedoch, einen Blick insbesondere auf den Arbeitsmarkt zu richten, da es eine enge Korrelation zwischen Verbrauchervertrauen und Arbeitslosenquote gibt. Demnach war die Situation am US-Arbeitsmarkt Anfang 2019 eher enttäuschend: Im Februar wurden beispielsweise lediglich 20.000 neue Stellen geschaffen. Angesichts eines allmählich steigenden Lohndrucks sehen Unternehmen zuneh­mend davon ab, mehr Personal einzustellen. Dass sich der positive Trend etwas verlang­samt, ist für den US-Zyklus in der Spätphase jedoch natürlich.

Ins­gesamt gibt die Situation keinen Anlass zur Sorge: Die nach wie vor sehr niedrige Arbeitslosenquote von lediglich 3,8 Prozent im Februar 2019 zeigt, dass der US-Arbeitsmarkt weiterhin stabil ist. Wir bleiben daher verhalten optimistisch für den Konsum und das Wachstum der US-Wirtschaft.

Politische Risiken bleiben besonders für Europa relevant

Eine mögliche Eskalation im Handelskonflikt sowohl zwischen den USA und China als auch zwischen den USA und Europa ist derzeit die größte Herausforderung. Die Eurozone könnte dadurch ins Kreuzfeuer des Konflikts geraten. Zudem könnte sich die Situation in Italien ebenfalls negativ auf die Märkte auswirken. Gemäß aktuellen Umfragen hat sich die Stimmung in der italienischen Bevölkerung mit Blick auf die beiden Koalitionsparteien – die rechte Lega Nord sowie die linke Fünf-Sterne-Bewegung – inzwischen deutlich zugunsten der Lega Nord gedreht. Dies könnte unter Umständen den Ruf nach Neuwahlen aus diesem Lager lauter werden lassen. Die Sorgen um Italien lassen sich an den Rentenmärkten bereits deutlich ablesen; die Spreads zehnjähriger italienischer Staatsanleihen sind gegenüber deutschen Staatsbonds in den letzten Monaten in die Höhe geschnellt.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt