Weltweit untersuchen wir 128 Länder, können aber nur in etwa 32 davon investieren. Die Weltbank veröffentlicht ihre eigenen Untersuchungen für die institutionellen Rahmenbedingungen in jedem dieser Länder und unterteilt sie in sechs Kategorien – vom „Index für Korruptionskontrolle“ bis zum „Index für Rechtsstaatlichkeit“. Die Analyse der Weltbank bildet einen wesentlichen Teil unseres Selektionsprozesses. Sobald wir aus den verbliebenen Ländern die vermögenden Nationen der Welt herausgefiltert haben, bekommen wir eine Vorstellung davon, in welchen wir anlegen wollen. Sie wollen Ihr Geld auch nur Leuten leihen, die Sie zurückzahlen können!

Unseren besonderen NFA-Ansatz wenden wir für Investitionen im Markt der Unternehmensanleihen an. Die NFA-Position ergibt sich, wenn man die Vermögen eines Landes seinen Auslandsschulden gegenüberstellt. Die NFA-Analyse betrachtet die gesamte Verschuldung eines Landes (Staats-, Unternehmens- und private Verschuldung), statt nur auf einen Bereich der Wirtschaft zu schauen. Wir denken, es ist wichtig, die Kreditwürdigkeit eines Landes zu verstehen, um zu wissen, wo man investieren sollte. Traditionelle Maßstäbe wie die Staatsverschuldung in Bezug auf das Bruttosozialprodukt können irreführend sein – klassische Benchmarks enthalten eine Reihe von Ländern und Emittenten, die Schulden angehäuft haben. Je mehr sie emittieren, desto höher ist ihre Gewichtung im jeweiligen Referenz-Index.

Viele Quasi-Staatsanleihen

In unserem Portfolio sind viele Quasi-Staatsanleihen aus dem Nahen Osten. Quasi-Staatsanleihen zeichnen sich dadurch aus, dass die Regierung mindestens 51 Prozent an dem Unternehmen hält und dieses strategisch wichtig für das Land sein muss. Ein Beispiel ist Nakilat, ein Transportunternehmen in Katar. Nakilat befördert Flüssiggas nach Taiwan und Japan und hat dafür einen 30-jährigen Vertrag. Es handelt sich um eine der größten Erdgasflotten weltweit. Nakilat begibt Anleihen, die zwar vollständig im Besitz der katarischen Regierung sind, aber Spreads oberhalb denen von katarischen Staatsanleihen bieten. Anleger würden einen fairen Wert von 80 Basispunkten erwarten, weil die Anleihen ein Rating von „A1” und „A2” aufweisen. Tatsächlich aber liegen die Spreads bei 150 Basispunkten. Das macht die Anleihe vier Kreditstufen günstiger – wenn man zwei davon nur für die Region vergibt, bekommt man zwei Stufen sozusagen gratis dazu.

Der Schritt von JPMorgan, Staatsanleihen aus dem Nahen Osten in den JPMorgan-Emerging-Market-Government-Bond-Index aufzunehmen, wird die Nachfrage nach Anleihen aus der Region in den kommenden Monaten stark erhöhen. Institutionelle Anleger, die Ausschau nach besseren Anleiherenditen halten, aber besorgt über den Ruf von Ländern wie Saudi-Arabien sind, sollten den Einfluss von JPMorgans Entscheidung sorgfältig abwägen. Der „Net Foreign Asset (NFA)“-Ansatz, kombiniert mit unabhängiger Analyse wie den Untersuchungen der Weltbank, kann ein hilfreicher Leitfaden sein.




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