Neuwahlen als Chance für Abe

Kwok Chern-Yeh, Head of Japanese Equities bei Aberdeen Standard Investments, kommentiert die Ankündigung des japanischen Premierministers Shinzo Abe vorgezogener Neuwahlen im Blick auf die Aktienmärkte.

Blickt man aus heutiger Sicht auf Abes Schritt, in einem Monat Neuwahlen durchzuführen, scheint dies gut getimter politischer und ökonomischer Opportunismus zu sein: Die oppositionelle Demokratische Partei ist in Aufruhr, während die neue Partei der Gouverneurin von Tokio, Yuriko Koike, unerfahren ist und noch Wochen braucht, bis sie eine glaubwürdige Agenda stehen hat. Abe will die Chance nutzen, um sein neues wirtschaftspolitisches Paket durchzubekommen, das grundlegende Strukturreformen zu einem Zeitpunkt in Angriff nimmt, in dem die Inlandsnachfrage wieder Lebenszeichen von sich gibt und die globale Erholung die japanischen Exporte stützt – selbst wenn Lohnsteigerungen und Inflation weiterhin nicht in Sicht sind.

Die nationale Sicherheit dürfte darüber hinaus eine Schlüsselrolle im Wahlkampf spielen, berücksichtigt man einerseits Abes gut dokumentierten Wunsch, Japans pazifistische Verfassung noch einmal zu überdenken, und andererseits den schießwütigen nordkoreanischen Anführer, der die militärische Konfrontation auf die Spitze treibt.

Diesen Wendepunkt der Geschicke will sich Abe zu Nutze machen und die Investoren würden die relative Stabilität begrüßen, welche eine dritte Amtszeit bis 2021 bringen könnte. Eine ordentliche Mehrheit würde es ihm ermöglichen, im Rahmen der Anstrengungen das immense japanische Haushaltsdefizit zu reduzieren, die geplante Erhöhung der Verbrauchssteuer 2019 durchzudrücken.

Aber es wird alles andere als ein ruhiger Segeltörn werden. Vor allem angesichts der geopolitischen Sorgen und Unsicherheiten in Folge einer US Politik, durch die der Yen seine Rolle eines sicheren Währungshafens fortsetzen könnte. Schon ein aufreibender Wahlkampf oder eine politische Überraschung könnte heftige Marktvolatilität hervorrufen.

Jede Marktkorrektur kann aber auch als Chance wahrgenommen werden, um weiter in die nach wie vor vorhandenen Qualitätsunternehmen zu investieren, und hier vor allem in die Branchenführer mit Preissetzungsmacht, welche weniger anfällig für solche Marktvolatilitäten sind.




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