Nur eine Frage der Zeit

Seit der Lockerung des Handelsembargos zwischen Kuba und den USA stagniert die Situation. Trotzdem sollte man auf ein mögliches Ende der Handelssperre vorbereitet sein. Ein Interview mit Thomas J. Herzfeld, Portfoliomanager des Herzfeld Caribbean Basin Fund.

Was hat sich geändert seit unserem letzten Interview?

Herzfeld: Im vergangenen Jahr hat sich nicht viel getan. Wir brauchen noch immer die Lizenz, da das Embargo noch immer gilt. Raúl Castro ist immer noch an der Macht. Eine Bedingung für die Aufhebung des Embargos ist, dass kein Castro an der Macht sein darf. Es sei denn, der Kongress entscheidet sich dafür, es in einer Abstimmung aufzuheben. Zum Zeitpunkt von Obamas Ankündigung im Dezember 2015 war die Reaktion eher verhalten. Wir haben die Situation beobachtet, um zu sehen, ob Interesse an Investitionen besteht. Aber die Anleger sind noch immer zu unsicher, direkt in Kuba zu investieren.

Wenn man sich die Unternehmen ansieht, die sich an die Thematik heranwagen, handelt es sich dabei meist um Großkonzerne. Einige Kreuzfahrtlinien steuern Kuba an, aber die Gewinne, die dort generiert werden, sind minimal und können in ihrer Bilanz vernachlässigt werden. Sie können dieses Risiko eingehen.

Manche der Firmen, die über die Jahre versucht haben, eine langfristige Beziehung mit der kubanischen Regierung einzugehen, sind damit nicht gut gefahren. Sherritt ist ein Beispiel: Seit über 20 Jahren sind sie auf Kuba im Berg-bau tätig. Früher lag ihre Aktie einmal bei 15 US-Dollar. Jetzt handelt es sich dabei fast um einen Pennystock. Sherritt ist eine große kanadische Firma, die kaum Geld aus dem kubanischen Markt ziehen konnte, da sie zu Zahlungen an die kubanische Regierung verpflichtet ist. Beispiele wie diese fließen in unsere Überlegungen mit ein. Sie führen uns zu der Erkenntnis, dass gerade nicht der richtige Zeitpunkt ist, um direkt in Kuba zu investieren, und so lange das Embargo gilt, wird sich das nicht ändern. Wir sind allerdings vorbereitet, denn wir wissen, in welche Projekte wir investieren müssen, wenn es soweit ist. Die kubanische Regierung hat diesbezüglich eine Website mit einer Liste von Projekten veröffentlicht.

Für wie wahrscheinlich halten Sie die Aufhebung des Embargos angesichts Trumps Präsidentschaft?

Raúl Castro ist über achtzig. Die Frage ist, wer die Regierungsgeschäfte nach ihm übernehmen wird und ob es eine neue Regierungsform geben wird. Darüber hinaus befinden sich Kubas Verbündete – Ecuador, manche der sozialistischen Staaten, und besonders Venezuela – in solch schlechter wirtschaftlicher und politischer Verfassung, dass sie Kuba nicht wirklich helfen können. Sie haben Kuba jahrelang mit Tauschgeschäften gestützt – Öl gegen Ärzte, oder was auch immer Kuba gerade zu bieten hatte. Nun da Venezuela strauchelt, braucht Kuba einen neuen Verbündeten. Wenn sie bereit sind, gewisse Änderungen in Bezug auf freie Wahlen oder Menschenrechte umzusetzen, könnten die USA mit ihrer geografischen Nähe und wirtschaftlichen Stärke dieser Verbündete sein. Das ist viel verlangt, doch auf der anderen Seite bleibt Kuba nichts anderes übrig. Die Insel ist durch die Stürme im Sommer auf ähnliche Weise verwüstet worden wie Puerto Rico. Sie haben nicht die nötigen Mittel für den Wiederaufbau. In großen Teilen der Insel gab es lange Zeit kein fließendes Wasser, keinen Strom, dafür aber Hunger. Aber die Berichterstattung war weniger prominent als im Fall von Puerto Rico. Ich bin sicher, dass die amerikanische Regierung auf einen potenziellen Hilferuf von Kuba reagieren würde, um die angespannte Beziehung zu verbessern. Der Abzug von Diplomaten aus der US-Botschaft in Kuba hat nicht zur Entspannung der Lage beigetragen und die momentane Situation ist nicht gut.

Wie lohnenswert sind Investitionen in Kuba in der derzeitigen Situation?

Kuba macht ungefähr die Hälfte der karibischen Landmasse aus. Man könnte sagen, es sei die letzte „Frontier“ auf der Westhalbkugel, oder das letzte Gebiet, das noch nicht von der westlichen Wirtschaft erschlossen wurde. Das übrige Terrain ist solide genug, um dort Geld anlegen zu können, egal ob das Embargo aufgehoben wird.

Es wäre jedoch trotzdem ein Pluspunkt für unsere Investmentstrategie, wenn die Handelssperre aufgehoben würde. Spanien hat zu einem gewissen Grad erfolgreich in Kuba investiert. Einige Hotels haben respektable Gewinne abgeworfen, allerdings nicht im gleichen Ausmaß wie im Rest der Karibik, wo die kubanische Regierung keinen Anteil daran hat.

Die UN stimmt jährlich über das Embargo ab und die USA und Israel sind die einzigen Mitglieder, die dafür stimmen. Man sollte allerdings beachten, dass sich die kubanische Bevölkerung in den USA verändert. Die Konservativen werden alt und die Jungen fangen an, sich für ihre Herkunft zu interessieren. Sie stehen einem Dialog offener gegenüber.

Über kurz oder lang wird das Embargo aufgehoben. Es hängt nur von der politischen Willenskraft der US-Regierung ab.

Wie hat sich Ihr Fonds in den letzten zwei Jahren entwickelt? 

Es gab zwar eine Vielzahl von Entwicklungen, die hauptsächlich den Tourismus betreffen, sowie die Möglichkeiten für Kubaner, sich selbstständig zu machen. Doch da sich uns nicht viele Gelegenheiten geboten haben, haben wir seit der Lockerung des Embargos in Kuba keine direkten Investments im herkömmlichen Sinne getätigt. Wir investieren meistens in Unternehmen in der Karibik, die weitgehend unabhängig sind von der Aufhebung des Embargos. Nichtsdestotrotz könnten sie von einer Aufhebung profitieren, da sie sowohl günstig gelegen sind als auch die notwendigen Mittel aufbieten können.

Bezogen auf den Nettovermögenswert, oder NAV, des Herzfeld Caribbean Basin Fund liegt der Total Return für die vergangenen zwei Jahre bei über 34 Prozent. Und das obwohl sich seit der Lockerung des Handelsembargos nicht viele Anleger getraut haben, in den kubanischen Markt zu investieren. Trotzdem haben wir in den vergangenen Jahren solide Renditen erzielen können. Zum Zeitpunkt, als die Lockerung bekannt gegeben wurde, konnte der Fonds kurzzeitig eine Wertsteigerung von über 100 Prozent erzielen. Das bedeutet, dass die Leute zwei US-Dollar für Vermögenswerte bezahlten, die nur einen wert waren. Der netto gelistete Wert befand sich bei etwa sieben US-Dollar, unser Fonds wurde für 14 US-Dollar gehandelt. Seitdem hat sich der Preis unseres Fonds bei 86 Prozent der Vermögenswerte eingependelt. Um bei obigem Beispiel zu bleiben: Die Leute zahlen jetzt noch 0.86 US-Dollar für Assets, die einen wert sind.

Bekanntlich ist der Nettovermögenswert der Wert aller Aktien in einem Fonds geteilt durch ihre Anzahl. Geschlossene Fonds wie unserer können über oder unter diesem Wert handeln. Wenn der Anteil der Käufer überwiegt, steigt der Preis des Fonds über den Nettovermögenswert hinaus. Wenn der Anteil der Verkäufer auf dem Markt überwiegt, sinkt er unter den NAV. Wie oben beschrieben, trat beides im Zuge der politischen Entwicklungen zwischen den USA und Kuba ein. Politik hat also einen direkten Einfluss auf die Entwicklung des Aktienkurses genommen, aber nicht auf den eigentlichen Wert unserer Anlagen. Am Tag von Obamas Ansprache änderte sich der eigentliche NAV kaum. Die Schwankungen spiegelten die Euphorie der Anleger im Zuge der Neuigkeiten, deuteten aber keine tiefgreifenden Veränderungen an.

Welche Sicht haben Sie als amerikanische Fondsgesellschaft derzeit auf Investitionen in der Karibik?

Wir investieren seit 25 Jahren in die Karibik. Derzeit legen wir aber kein Geld in Kuba an, da wir auf mehr politische Klarheit, oder die Aufhebung des Embargos, warten. Die Kapitalrendite erscheint uns in der bestehenden Situation nicht rentabel. Nichtsdestotrotz beobachten wir genau: Sobald es weniger Einschränkungen gibt, werden wir die Gelegenheit sofort ergreifen. Die Projekte auf der Liste der kubanischen Regierung stellen für uns potenzielle Investitionen dar.

Auf welche Wirtschaftssektoren konzentrieren Sie sich?

Tourismus wäre ein Beispiel. Dazu kommen Medizin und bald Medizintechnik, Infrastruktur, Bergbau, oder auch Produkte aus dem Agrarsektor, wie Rum beziehungsweise Zucker und Tabak. Besonders die Landwirtschaft könnte sich als Segen für das Land erweisen, sofern die Infrastruktur entsprechend angepasst werden kann.

Den zweiten Teil des Interviews lesen Sie hier.




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