Reisenotizen aus Marokko

Die geografische Lage und die Anbindung an den Euro verbinden Marokko mit Europa. Exportgüter wie Phosphate oder Textilien werden wichtiger, auch einige Unternehmen sind gut positioniert. Aber das Land hat weiter Schwierigkeiten.

Argentinien und Kuwait sind die beiden größten Ländergewichte im MSCI Frontier Markets Index. Beide sollen im Laufe der nächsten zwei Jahre in den MSCI Emerging Markets Index aufsteigen. Wird dieses Upgrade tatsächlich umgesetzt, würde sich das Gewicht Marokkos im Frontier Markets Index auf 11,2 Prozent erhöhen. Damit wäre das nordafrikanische Land die Nummer Zwei der Grenzmärkte. Die Frontier-Markets-Analysten Seun Oyegunle und Mark Lawrence von T. Rowe Price haben Marokko kürzlich besucht, um sich ein Bild vor Ort zu machen und Vertreter einiger wichtiger börsennotierten Unternehmen zu treffen.

Marokko verkraftet arabischen Frühling besser als andere Staaten

Während die marokkanische Wirtschaft unter dem arabischen Frühling gelitten hat, kommt das Land besser wieder auf die Beine als andere betroffene Staaten. Das liegt an vernünftigen Reformen und der Machtentfaltung der Monarchie. obwohl es noch immer ein Doppeldefizit (Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit) gibt, haben sich die Salden seit den Spitzenwerten von 2012 abgeschwächt. Die Regierung unterstützt das, indem sie infrastrukturgetriebenes Wachstum durch exportorientiertes Wachstum ersetzt. Marokko ist es insbesondere gelungen, europäische Automobil- und Luftfahrthersteller anzuziehen. Diese Anstrengungen gehen einher mit dem Abbau von Subventionen und anderen Ineffizienzen in der Wirtschaft. Ein Nebeneffekt ist jedoch ein schwaches Verbraucherumfeld.

Während sich die marokkanische Wirtschaft stabilisiert hat, sei das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) volatil – ein Grund dafür sei die Landwirtschaft, die als wichtiger Wachstumstreiber gilt. 2018 dürfte das Wachstum bei drei Prozent liegen und somit unterhalb der fünf Prozent-Marke, die Ökonomen für notwendig halten, um einen stabilen Hintergrund für die 35 Millionen Einwohner zu erhalten. Die ausländischen Direktinvestitionen lägen seit einem Jahrzehnt bei drei Milliarden US-Dollar und machten einen kleinen Teil der Zuflüsse aus. Die Regierung konzentriere sich indessen darauf, die exportorientierte Industrie wie die Automobil-, Luftfahrt- und Tourismusbranche weiter anzukurbeln. Wenn dies gelingt, könnten Arbeitsplätze für hochqualifizierte und billige Arbeitskräfte geschaffen und dabei die engen Verbindungen zu Europa genutzt werden.

Export- und Konsumgüterkonzerne könnten Marktanteile gewinnen

Die Analysten haben in Marokko Unternehmen aus verschiedenen Sektoren untersucht. So trafen sich die Experten von T. Rowe Price gemeinsam mit einem Ökonomen der marokkanischen Zentralbank mit der Attijariwafa Bank. Nach den Gesprächen sei klar geworden, dass die Wachstumsraten in der gesamten Branche niedrig bleiben. Ein wesentlicher Grund dafür sei die geringe Kreditnachfrage. Andererseits gebe es einen positiven Trend im Hinblick auf die notleidenden Kredite, was künftig die Margen erhöhen dürfte.




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