So werden im April neue Regelungen wirksam, um die Beschränkungen ausländischer Arbeitnehmer zu lockern, insbesondere in den Branchen Landwirtschaft, Baugewerbe, Hotellerie, Krankenpflege und Schiffbau. Anforderungen in Bezug auf Sprachkenntnisse werden gesenkt, die Erteilung von Familienvisa wird vereinfacht. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Zahl ausländischer Arbeitskräfte von heute rund 1,5 Millionen auf 4,5 Millionen im Jahr 2025 zu steigern.

Der Investitionsstau füllt die Auftragsbücher

Für eine nachhaltige Trendwende spricht zudem die Auftragslage der Unternehmen. So hat der Wert der Aufträge im Maschinenbau (im rollierenden sechs-Monats-Durchschnitt) seit 2009 um mehr als 40 Prozent zugelegt. Die Erholung der Rohstoffpreise und der notwendige Ersatz veralteter Maschinen dürften insbesondere die Nachfrage nach Bau- und Bergbaumaschinen stützen. Ein ähnliches Bild in der Informationstechnologie, denn auch die Software-Verkäufe ziehen merklich an. In vielen Branchen sind IT-Ausgaben entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit. Steigende IT-Aufträge haben einerseits zu einem Mangel an Systemingenieuren geführt, zugleich aber können sich die Anbieter für die profitabelsten Projekte entscheiden und höhere Preise berechnen. Preissteigerungen sind noch in vielen weiteren Branchen zu beobachten, auch, weil vielfach die Produktionskapazitäten schon seit dem Jahr 2000 nicht mehr gestiegen oder sogar gesunken sind.

Extrem hohe Kapazitätsauslastung

Die Erzeugerpreise steigen – nicht nur im verarbeitenden Gewerbe, sondern vor allem auch im Dienstleistungssektor. Besonders hervorzuheben sind hier die Bereiche Transport und Post, Immobilien-Services sowie Kommunikationsdienste. In der Transportbranche zum Beispiel hat die wachsende Nachfrage nach Lieferdiensten vor dem Hintergrund des wachsenden Internet-Handels zu einem Mangel an Fahrern und Lieferfahrzeugen geführt. Anbietern von Transportdienstleistungen gelingt es in diesem Umfeld, ihre Preise anzuheben. Trotz anziehender Investitionsaktivitäten bleibt die Kapazitätsauslastung extrem hoch. Entsprechend sehen die Investitionspläne vieler Unternehmen aus: In der Industrie und im Dienstleistungsbereich liegen sie teils um mehr als 20 Prozent über den Vorjahreswerten.

Mit der wachsenden Nachfrage steigt die Preissetzungsmacht der Unternehmen, was sich zusätzlich positiv auf die Unternehmensgewinne auswirkt – sie sind trotz des bisher begrenzten BIP-Wachstums schon seit 2009 kräftig gestiegen. Der japanische Unternehmenssektor dürfte diese positive Gewinndynamik beibehalten, die Aussichten bleiben positiv: Nomura Securities erwartet für das Geschäftsjahr 2018 (endet 3/2019) ein Gewinnwachstum von 6,6 Prozent, gefolgt von 8,6 Prozent im Geschäftsjahr 2019.

Corporate Governance in Japan verbessert sich

Positiv auf die Unternehmen wirkt auch eine kontinuierliche Verbesserung der Corporate Governance. In Japan waren früher die Gedanken am Shareholder Value oder Corporate Governance nur wenig ausgeprägt. Das hat sich mit der Abe-Regierung stark geändert. So hatte noch 2013 nicht einmal jede fünfte japanische Aktiengesellschaft zwei oder mehr externe unabhängige Aufsichtsräte. 2017 waren es schon knapp 90 Prozent. Knapp 30 Prozent hatten sogar mehr als ein Drittel externe unabhängige Aufsichtsräte. Zudem internationalisiert sich die Eigentümerstruktur der Gesellschaften stetig: Immer rund 30 Prozent der Unternehmensanteile liegen inzwischen in ausländischer Hand, noch 2008 lag dieser Anteil unter 25 Prozent. Im Zuge des neuen Governance Codex erkennen japanische Unternehmen zunehmend auch ihre Verantwortung für den Shareholder Value. Das macht sich in höheren Dividendenausschüttungen und verstärkten Aktienrückkäufen bemerkbar.

Die von der Regierung Abe vor einigen Jahren angestoßenen strukturellen Veränderungen tragen also Früchte und schreiten weiter voran. Unternehmen profitieren zusehends von dieser Trendwende und lassen ihre Aktionäre daran in Form einer wachsenden Ausrichtung am Shareholder Value teilhaben. Für langfristige Investoren bleibt dies ein günstiges Umfeld, um an einer voraussichtlich langfristig positiven Entwicklung zu partizipieren.




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