USA: Rezessionsrisiken sind gestiegen

Die Rezessionsrisiken in den USA sind zwar gestiegen, doch eine Rezession ist noch nicht in Sicht. Warum die Wirtschaft in den nächsten Monaten stabil bleibt:

Die bisherige Markterholung in den USA hat die hohen Risikoprämien seit Ende 2018 noch nicht beseitigt, die durch die schlechteren Konjunkturdaten und Rezessionsängste entstanden waren. Wir sind der Meinung, dass Rezessionssorgen zumindest vorerst übertrieben sind.

In den vergangenen 52 Jahren ist im Vorfeld jeder Rezession in den USA eine invertierte Zinskurve aufgetreten. Bisher ist die Kurve noch nicht gekippt, aber besorgniserregend, weil sie sich bis auf plus 30 Basispunkte abgeflacht hat, aber sie signalisiert keine Rezession in den kommenden zwölf Monaten.

Fed ist geduldig

Einige Umfragewerte zum verarbeitenden Gewerbe in den USA waren in jüngster Zeit schwächer, aber die harten Daten sind beständig. Ein Beispiel dafür ist der Beschäftigungsbericht vom Dezember 2018: Zwar gibt es starke Einbrüche bei den Auftragseingängen in der Industrie, allerdings macht das verarbeitende Gewerbe lediglich zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Besser bildet der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex des ISM die Konjunktur ab. Dieser Index zeigt eine deutlich geringere Verlangsamung und steht im Einklang mit einem BIP-Wachstum von rund 2,5 Prozent.

Generell können zwar neue Risiken auftreten, aber derzeit zeige sich keine der Hauptursachen für die jüngsten Rezessionen – Ölschocks, inflationäre Überhitzung und finanzielle Ungleichgewichte. Zudem konzentriert sich die US-Notenbank Fed momentan auf die finanziellen Bedingungen und die Wachstumsaussichten, und kann sich zugleich den Luxus leisten, geduldig zu sein, weil die Kerninflation begrenzt bleibt. Dies impliziert eine Zinserhöhungspause, bis sich die Bedingungen normalisieren.

Dennoch sind die Risiken gestiegen. Zum einen können niedrige Aktienkurse und höhere Spreads das Vertrauen sinken, und die Finanzierungskosten steigen lassen – etwa für Hausbesitzer und Unternehmen. Die Folge könnte eine fortgesetzte Schwäche der Wirtschaft sein. Zudem verschlechtert sich die Lage in Europa weiterhin. Italien befindet sich vermutlich bereits in der technischen Rezession, während sich die Dynamik in Deutschland und Frankreich deutlich abgeschwächt hat. Einen länger anhaltenden Abschwung erwarten wir hier jedoch nicht.

China wächst langsamer

Der bedeutendste Einflussfaktor auf das globale Wachstum bleibt aber China. Die wirtschaftliche Entwicklung verlangsamt sich weiterhin. Sowohl durch inländische Faktoren als auch aufgrund externer Gegenwinde, die beide an Kraft gewinnen. Dennoch gibt es „zarte Triebe“ in der Wirtschaft, die nahelegen, dass politische Reaktionen auf fruchtbaren Boden fallen. Weitere Lockerungsmaßnahmen sollten daher die Wirtschaft Chinas gegen Ende des ersten Halbjahres stabilisieren.

Obwohl sich die Bewertungen verbessert haben, sind die Risiken gleichzeitig gestiegen. Wir behalten unsere moderat positive Einschätzung von Aktien bei – mit Ausnahme europäischer Titel, bauen aber keine neuen Positionen auf. Und wir sind auch der Meinung, dass die Fed zurückhaltend bleiben kann. Dies wiederum dürfte dazu beitragen, den US-Dollar und die globalen Finanzkonditionen zu stabilisieren und damit den Schwellenländern zugutekommen.




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