Warum Vietnam vom Handelsstreit profitiert

Thu Nguyen ist Managing Director bei VinaCapital und Managerin des Forum One – VCG Partners Vietnam Fund. Die Expertin erklärt, warum Vietnam gestärkt aus dem Handelskonflikt heraus gehen könnte – und was Anleger jetzt wissen sollten.

Vietnam zieht eine positive Bilanz des ersten Halbjahres 2018: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg um 7,1 Prozent, während der Leistungsbilanzüberschuss bei über 5 Prozent des BIP lag. Gleichzeitig blieb die Inflation mit durchschnittlich gut 3 Prozent unter Kontrolle. Diese wirtschaftliche Ausgangslage könnte sich mit der Eskalation der Handelsspannungen zwischen den USA und China noch weiter verbessern. Ein langwieriger USA-China-Handelskrieg würde Vietnam zu Gute kommen, weil sich die fortschreitende Verlagerung der Produktion von China nach Vietnam beschleunigen würde.

Die langfristigen Vorteile für Vietnam

Als die USA Mitte Juni drohten, zusätzliche Zölle im Wert von 200 Mrd. Dollar auf chinesische Importe einzuführen, verlor der chinesische Yuan abrupt 6 Prozent an Wert. Obwohl der Streit zwischen Washington und Peking auch den vietnamesischen Dong seit Jahresbeginn um 2,5 Prozent belastete, gehen wir davon aus, dass die Auseinandersetzungen die laufenden Bemühungen der Unternehmen zur Verlagerung von Produktionsstätten von China nach Vietnam beschleunigen werden. Multinationale Firmen wie Foxconn, Samsung und Daikin eröffnen bereits neue Fabriken in Vietnam – auch, weil sich die chinesischen Fabriklöhne in den letzten 7 Jahren verdoppelt haben.

Insgesamt sind die Löhne in Vietnam um zwei Drittel niedriger als in China. Die Qualität der vietnamesischen Arbeiter ist laut einer Umfrage der japanischen Regierung jedoch vergleichbar mit der von chinesischen Arbeitern. Aus diesen Gründen ziehen es chinesische Produktionsunternehmen vor, ihre Fabriken lieber nach Vietnam zu verlagern als in jedes andere Land. Mit den Handelsspannungen zwischen den USA und China und zur Vermeidung von US-Zöllen haben die Unternehmen jetzt einen weiteren Grund, die Produktion nach Vietnam zu verlagern.
Außerdem haben die USA in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um eine besondere Beziehung zu Vietnam aufzubauen. Auslöser hierfür ist vor allem der rückläufige Einfluss der USA in Asien im Zuge des Wachstums Chinas. Daher ist es unwahrscheinlich, dass Vietnam in irgendeiner Eskalation ins Visier genommen wird.

Weitere Steigerung der vietnamesischen High-Tech-Exporte erwartet

Der Großteil der zusätzlichen ausländischen Direktinvestitionen, die aufgrund eines Handelskrieges zwischen den USA und China nach Vietnam fließen werden, wird aufgrund der engen geographischen Nähe Vietnams zu den unterstützenden Lieferketten auf die Herstellung von Mobiltelefonen, Elektronik und anderen High-Tech-Produkten ausgerichtet sein. Die Herstellung von weniger anspruchsvollen Produkten (z.B. Kleidungsstücken), die keine komplizierten Lieferketten erfordern, verlagert sich bereits seit Jahren in Länder mit noch niedrigeren Löhnen wie Bangladesch.

Etwa zwei Drittel der High-Tech-Produkte, die die USA importieren, werden in China im Wert von etwa 250 Milliarden Dollar hergestellt. Die US-High-Tech-Importe aus Vietnam belaufen sich hingegen nur auf 8 Milliarden Dollar – eine enorme Lücke, die uns zuversichtlich macht, dass es genügend Spielraum für Wachstum gibt, zumal die USA ihre Abhängigkeit von China durch Diversifizierung in andere Länder reduzieren wollen. Laut Standard Chartered werden Vietnam und Malaysia zu den größten Gewinnern gehören.

Kurzfristige Aktienmarkt-Volatilität

Die Spannungen zwischen den USA und China beeinflussen Vietnams Börse und Währung unverhältnismäßig, da die Eskalationen die chinesische Währung unter Druck setzen und vietnamesische Investoren sehr besorgt sind über die Auswirkungen der Yuan-Abwertung auf die vietnamesische Wirtschaft.

Aufgrund der soliden makroökonomischen Fundamentaldaten sind wir vom weiteren positiven Wachstumspfad Vietnams überzeugt. Die in den letzten Wochen und Monaten stattgefundenen Korrekturen am Aktienmarkt bieten für eine Partizipation nunmehr noch günstigere Allokationsvoraussetzungen.

 

 




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