„America First“ ist kein Allheilmittel

Dr. Franz Wenzel, Anlagestratege für institutionelle Kunden bei AXA Investment Managers, kommentiert die Marktlage.

Ein Tweet zum nationalen Feiertag am 4. Juli brachte es ans Licht: Amerika geht es großartig. Mit nur vier Prozent befindet sich die Arbeitslosenquote auf langjährigem Tiefstand, das reale Bruttosozialprodukt expandiert 2018 mit knapp drei Prozent. Gleichzeitig schreibt die aktuelle Expansion im zehnten Jahr nach der großen Finanzkrise quasi Geschichte. Warum also die internationale Handelsfehde, die beinahe jeden Tag neue Varianten hervorbringt? Die Verantwortlichen lassen bis dato mit einer Antwort auf sich warten.

Auch bleibt eine Antwort auf die Frage schuldig, wann dieser Spuk endlich aufhört. Beinahe jede Woche geistern neue, noch größere Drohungen durch die Medien. Allerdings darf man bei all den Wortgefechten nicht die Tatsache übersehen, dass sich höhere Tarife nicht ausschließlich nach außen auswirken. Im internationalen Handel entfalten sich substanzielle Nebenwirkungen auch nach innen. Die Importe der betroffenen Sektoren würden schlicht und ergreifend teurer, vorausgesetzt, die importierten Güter können nicht über Nacht von der einheimischen Industrie substituiert werden. In der langfristigen Konsequenz kann dies zu geringeren heimischen Investitionen und, last, but not least, sogar zu niedrigerer Beschäftigung führen.

Spürbare Folgen an der Börse

Zwar wirkt sich dies mit einem deutlichen Zeitverzug aus. Dennoch nehmen die Konsequenzen bereits Form an und ließen sich am einfachsten an der Börsenentwicklung der betroffenen Länder ablesen. Seit Jahresbeginn hat sich der S&P 500 Index um zirka fünf Prozent erhöht, trotz der allseits erwarteten weiteren Zinserhöhungen. Der deutsche Aktienindex DAX hat sich in diesem Vergleich wacker geschlagen und nur leicht  um –0,5 Prozent abgeschwächt. Mit zirka 15 Prozent Kursverlusten ist der chinesische Aktienmarkt der große Verlierer. Ein Zeichen dafür, dass die Märkte der amerikanischen Regierung zumindest kurzfristig recht gäben.

Die Gretchenfrage für Investoren lautet daher, wie man sich in den kommenden Quartalen strategisch ausrichten sollte. Es kann kaum Zweifel daran bestehen, dass höhere US-Zinsen  eine im Trend steigende Volatilität begünstigen, die sicherlich von dem einen oder anderen Tweet aus dem Weißen Haus beschleunigt wird. Andererseits sprudeln die Unternehmensgewinne fleißig weiter und stützen die aktuelle Bewertung der Aktienmärkte.

Vorsicht walten lassen

Trotz der aktuellen guten Wirtschaftszahlen sind langfristig ausgerichtete Investoren gut beraten, Vorsicht walten zu lassen. Eine steigende Volatilität wird sicherlich den einen oder anderen Durchsetzer mit sich bringen und über kurz oder lang auch zu deutlicheren Marktkorrekturen führen.

Die einfachste Antwort darauf wäre, die Aktienquote zu reduzieren. Allerdings ist diese Lösung nicht für jedermann opportun, zumal man damit jedwedes Aufwärtspotenzial aufgibt. Wir meinen, dass sich das aktuelle Umfeld vielmehr für asymmetrische Anlagestrategien via Optionen anbietet. Eine wachsende Zahl von Investoren nähere sich diesem Ansatz. Wenzel zufolge verbinden mindestens zwei komplementäre Ansätze die geeignetsten Antworten:

1) Um das Marktrisiko zu schmälern, eignet sich ein aktives Risikomanagement in Form von „value at risk“-Strategien, die bei steigendem Risiko aktiv das Markt-Exposure reduzieren, kombiniert

mit

2) einer Volatilitäts-Cap-Strategie, die die Portfoliorisiken (mehr oder weniger) neutralisiert, wenn die Volatilität bestimmte vordefinierte Marken erreicht oder gar überschreitet.

Solche Strategien seien zwar keineswegs ein Allheilmittel. Unserer Erfahrung nach können jedoch mit solchen kalibrierten Strategien die Risikomerkmale für ein Portfolio verbessert werden und haben somit durchaus ihre Legitimation.




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