Anhaltende Hausse in Sicht

Patrick Picenoni, Gründer Altrafin und Fondsmanager der CONREN-Fonds, erläutert die analytische Betrachtung des Vermögensverwalters der gegenwärtigen Lage für die Finanzmärkte.

Derzeit befinden sich zwei zentrale Zyklen in einem späten Stadium

1. Der Zinszyklus: Seit 35 Jahren werden Marktteilnehmer nunmehr darauf konditioniert, dass Zinsen immer weiter sinken: Staatsanleihen haben seit der Finanzkrise, und trotz der mittlerweile über 30-jährigen Hausse, eine beachtliche Performance erzielt. Die Wahrscheinlichkeit hat sich aber deutlich weiter erhöht, dass wir uns in den nächsten ein bis zwei Jahren diesbezüglich an einem Wendepunkt befinden. Anleihenrenditen werden – abgesehen von nicht auszuschließenden, kurzfristigen Zwischentiefs – voraussichtlich wieder steigen und daher wird der Erwartungswert der Renditen (Performance für die nächsten drei bis fünf Jahre) für diesen Bereich negativ ausfallen.

2. Der Aktienzyklus: Im Gegenzug zu den sinkenden Zinsen und Käufen von Notenbanken steigen Vermögenswerte: seit nunmehr 98 Monaten klettert der S&P 500 und erreicht immer neue Höchststände.

Schon leichte absolute Zinsanstiege können große Auswirkungen auf Wirtschaft und Märkte haben

In den Jahren der Nullzinspolitik gab es eine Anpassung der Vermögenspreise und Geschäftsmodelle an die niedrigen Zinsen. Käufer eines Eigenheims treffen beispielsweise ihre Entscheidungen auf Basis der Höhe der monatlichen Hypothekenzahlungen und die Unternehmen im S&P 500 (außerhalb des Finanzbereichs) haben die höchste Verschuldung seit 2007, als sie auf Rekordniveaus lag.  Ein Teil der Schulden wurde dazu verwendet, Aktien zurückzukaufen. Dass die aktuellen Marktbewertungen angemessen und nicht wie eine Blase erscheinen, ist nicht zuletzt auf die niedrigen Zinsen zurückzuführen.

Das Umfeld ist noch immer von den Folgen der Finanzkrise geprägt

Das Eingreifen der Zentralbanken über Zinssenkungen und Quantitative Easing (QE) Operationen seit der Finanzkrise in den Jahren 2007 bis 2008 waren insbesondere zu Beginn der Krise notwendig und hoch effektiv. Durch eine rasche und ausreichende Liquiditätsversorgung der Finanzmärkte konnte eine Liquiditätsfalle und eine Kernschmelze des Finanzsystems vermieden werden.

Seit den nunmehr ca. acht Jahren seit der Finanzkrise werden Marktteilnehmer zunehmend auf ein „New Normal“ konditioniert, was so viel bedeutet wie anämisches Wachstum, niedrige Inflation und Niedrig-/Negativzinsen. Und last but not least wird suggeriert, dass Notenbanken jederzeit bereitstehen, alles zu tun, um den Tag für die Anleger zu retten. Der Markt bleibt durch die Aktivitäten der Notenbank extrem verzerrt. Was unter anderem an den teilweise ebenso extremen Marktreaktionen zu erkennen ist, wenn Notenbanken auch nur andeuteten Ankaufprogramme zu reduzieren.




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