Ausländische M&A-Investitionen so hoch wie nie

Ausländische M&A-Investitionen in Deutschland durchbrachen im Jahr 2017 erstmals die 100-Milliarden-Euro-Grenze. Das entspricht einer Steigerung

Laut Mergermarket, dem führenden M&A-Berichtsdienst, haben ausländische M&A-Investitionen in Deutschland im Jahr 2017 erstmals seit 2001 die 100-Milliarden-Euro-Grenze überschritten. Im Vergleich zu 2016 (81,2 Mrd. Euro) stiegen die Investitionen damit um 36,9 %. Die Daten wurden auf dem Mergermarket Germany Forum bekannt gegeben, das am 21. und 22. März im InterContinental Hotel in Düsseldorf stattfindet.

„Mega Deals sind zurück. Der deutsche M&A-Markt, national und grenzüberschreitend, ist sehr robust. Innovation, Konsolidierung und Disruption sind treibende Kräfte im Markt”, sagt Dr. Andreas Löhdefink, Partner bei Shearman & Sterling.

Die anhaltende Stärke im Industrie- und Chemiesektor war, trotz der Unsicherheiten nach der Bundestagswahl, der wesentliche Treiber für den Anstieg der M&A-Aktivitäten. Vor allem der 40,5 Mrd. Euro schwere Deal der Industriegasunternehmen Praxair und Linde leistete einen hohen Beitrag zum Gesamtdealwert von 77,8 Mrd. Euro der insgesamt 311 Transaktionen in diesem Sektor.

Besonders im Industrie- und Chemiesektor ist – auch im globalen Umfeld – ein klarer Trend zum „Einkauf“ von Innovationen erkennbar. Durch entsprechende M&A-Aktivitäten gelangt man so an die neuesten Technologien, um in der Industrie 4.0 mitzuhalten. Beispielsweise hat der Schweizer Industriekonzern GF Machining Solutions Management das auf Softwarelösungen für Maschinenkonnektivität spezialisierte Unternehmen Symmedia übernommen, um sein Angebot zu digitalisieren.

„Weltweit sind Innovationen in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Treiber für Investitionsentscheidungen geworden. In Deutschland war die rasante Entwicklung der Industrie 4.0 Impulsgeber für M&A-Aktivitäten, da traditionelle Unternehmen nicht ins Hintertreffen geraten wollen“, kommentiert Jonathan Klonowski, EMEA Research Editor bei Mergermarket.

Relayr, ein Anbieter von IoT-Lösungen für die digitale Transformation von Industrieunternehmen, hat in einer Finanzierungsrunde 30 Mio. Euro von den Investoren B37, Purple Arch und Deutsche Telekom Capital Partners erhalten. Der Deal unterstreicht das anhaltende Interesse an innovativen IoT-Anbietern, deren Langfristpotenzial Investoren schätzen.

Auch in der Automobilbranche war ein deutlicher Aufwärtstrend in 2017 erkennbar. So wurden 50 Transaktionen im Wert von 5,6 Mrd. Euro mit konsolidierungswilligen Unternehmen angekündigt. Dies war der höchste Wert seit 2012, mehr als doppelt so hoch wie in 2016 (2,6 Mrd. Euro). Beispielsweise hat der US-amerikanische Erstausrüster LKQ Corporation Mitte Dezember für 1,5 Mrd. Euro den Großhändler für Kfz-Teile, Zubehör und Werkstattausrüstung STAHLGRUBER erworben. Die Familien Porsche und Piech erwarben für 1,2 Mrd. Euro 14,71 % der Anteile an Porsche. PSA Peugeot-Citroen kaufte für 1,1 Mrd. Euro Adam Opel und Vauxhall Motors. Diese Transaktionen werden als wirksame Verteidigungsstrategien vor disruptiven Marktteilnehmern, wie beispielweise Innovatoren im Bereich autonomes Fahren, angesehen.

„Die Anzeichen in Deutschland für ein erfolgreiches M&A-Jahr 2018 stehen gut. Gerade im Bereich der Digitalisierung zeigt beispielsweise Daimler durch eine Reihe von interessanten Transaktionen, wie sich die Industrie 4.0 auf digitale Geschäftsmodelle einstellt. Auch der Umbau der Versicherungs- und Bankenbranche mit Run-Off-Transaktionen und der erfolgreichen Privatisierung der HSH Nordbank wird ein bestimmendes Thema bleiben. Das Umfeld unterstützt auch wieder große und komplexe Transaktionen wie zuletzt STADA, RWE / E.ON / Innogy, aber auch Kering / Puma. Hello Fresh, Delivery Hero, Healthineers und DWS belegen die Attraktivität für Börsengänge“, kommentiert Dr. Thomas Schulz, Partner bei Noerr.




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