Bereit für Erholung

Die wieder steigenden Absatzzahlen nach dem Dieselskandal eröffnen Anlagechancen bei Autoherstellern und Zulieferern
China dürfte den Automobilsektor stimulieren, um das Wirtschaftswachstum zu halten und die staatlichen Ziele zu erfüllen
Automobilzulieferer könnten nach einem schwierigen Jahr 2018 und rezessionsnahen Bewertungen von höheren Erwartungen profitieren

2018 war für Autohersteller und Zulieferer ein schwieriges Jahr, in China gingen die Absatzzahlen zurück, und die Europäische Union führte neue Abgasnormen ein. Doch der Sektor könnte diese Widrigkeiten überwinden: Die Auswirkungen der neuen europäischen Regeln sind bereits nahezu verkraftet, und die Aussichten für den Autoabsatz in China sind im kommenden Jahr positiv. Dies gilt umso mehr, wenn Peking ein Konjunkturförderprogramm startet. Gleichzeitig liegen die Bewertungen im Automobilsektor derzeit nahezu auf Rezessionsniveau. Wenn der Autoabsatz wieder an Fahrt gewinnt, dürfte sich der Sektor erholen. Davon sollten insbesondere Automobilzulieferer profitieren.

Neue Abgastestvorschriften in Europa

Im Gefolge des Dieselskandals hat die Europäische Union mit dem WLTP-Standard („Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure“) neue Regeln für die Messung der Autoabgase und des Kraftstoffverbrauchs eingeführt. Die im dritten Quartal 2018 eingeführten Tests sind zeitaufwändiger als das bisherige Verfahren. Da jedes einzelne Kfz-Modell untersucht werden muss, führte dies im Ergebnis zu massiven Problemen und Verzögerungen entlang der gesamten Lieferkette im Automobilsektor. Mittlerweile haben die meisten Unternehmen die neuen Tests jedoch weitgehend im Griff, und die Verzögerungen bei der Auslieferung von Autos konnten massiv reduziert werden. Damit dürfte die Zahl der Auslieferungen im kommenden Jahr gegenüber 2018 wieder deutlich anziehen.

China dürfte sich 2019 erholen

Ein weiterer Faktor für die aktuell niedrigeren Bewertungen im Automobilsektor sind die enttäuschenden diesjährigen Absatzzahlen am chinesischen Markt. So ging der Absatz von minus vier Prozent im Juli auf minus 12 Prozent im September und Oktober zurück. Hauptursache dafür sind die Unwägbarkeiten, die mit dem Handelskrieg zwischen China und den USA einhergehen, sowie der Kursrutsch am chinesischen Aktienmarkt. Die Verbraucher in China erwarten Konjunkturmaßnahmen, die den Autoabsatz und damit die chinesische Wirtschaftsleistung ankurbeln sollen. Das könnte dazu führen, dass Konsumenten in Erwartung staatlicher Zuschüsse ihren Autokauf erst einmal aufschieben.

Die chinesische Automobilindustrie trägt maßgeblich zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei, insofern ist hier mit staatlichen Fördermaßnahmen zu rechnen, damit die Wachstumsraten die staatlichen Ziele erfüllen. Allgemein rechnet man mit einer Senkung der Verkaufssteuer für Kleinwagen von zehn auf fünf Prozent. Das hatte sich bereits 2016 als wirksame Maßnahme erwiesen. 2019 könnte dies dem Markt eine Zuwachsrate von zehn Prozent bescheren, was fast zwei Millionen Autos entspricht. Noch sind diese Konjunkturmaßnahmen für den chinesischen Automarkt nicht beschlossen. Wir halten ihre Umsetzung allerdings für sehr wahrscheinlich, um die negativen Konsequenzen höherer Zolltarife auszugleichen.

Aktienkursentwicklung Automobilsektor. (Quelle: NN IP, Bloomberg, 22.11.2018)

Bewertungen preisen noch keine Erholung ein

Die Automobilbranche zählte in diesem Jahr zu den Sektoren in Europa, die am Aktienmarkt am schlechtesten abgeschnitten haben. Seit Jahresbeginn sind die Aktienkurse von Autoherstellern um annähernd 15 Prozent gefallen, Automobilzulieferer büßten sogar 35 Prozent ein (siehe Abbildung). Die Bewertungen sind dramatisch zurückgegangen und befinden sich nahezu auf Rezessionsniveau. Der Markt scheint einerseits von einem anhaltenden Rückgang der Kfz-Absätze in China auszugehen und andererseits zu befürchten, dass die Märkte in den USA und Europa ihren Höhepunkt bereits überschritten haben.

Das geplante Konjunkturprogramm dürfte den chinesischen Markt erfolgreich anschieben. Die Märkte in den USA und Europa sind dank höherer Beschäftigungsquoten und steigender Kaufkraft vermutlich imstande, ihre aktuell hohen Niveaus beizubehalten. Solange es hier nicht zu einer Rezession kommt, bleibt der Autoabsatz in diesen Regionen auch weiterhin hoch.

Insofern ist der Pessimismus der Märkte wohl übertrieben. Eine Erholung in China könnte für neue Dynamik beim Autoabsatz weltweit und damit auch zu einer Kurserholung bei den Aktien von Herstellern und Zulieferern sorgen. Bei steigenden Absatzerwartungen neigen die Aktien von Zulieferern dazu, besser abzuschneiden als die Aktien von Autoherstellern. Aktuell ist noch kein steigender Autoabsatz in China im kommenden Jahr eingepreist. Dabei darf man nicht vergessen, dass die meisten Hersteller und Zulieferer ein gutes Drittel ihrer Gewinne in China erwirtschaften.




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