Bitcoin treibt Goldpreis hoch

Viktor Nossek, Director Research von WisdomTree Europe, sieht eine Verbindung zwischen der Entwicklung des Goldpreises und der Kryptowährungen. Ein Kommentar.

Gold hat dieses Jahr einen guten Start hingelegt. Damit scheint Gold die Wachstumsentwicklung vom letzten Jahr fortzusetzen, als der Goldpreis über das gesamte Jahr hinweg um 12% angestiegen ist. Aktuell liegt der Goldpreis bei 1.360 $ pro Feinunze.

Gold hat nicht nur wie im klassischen Sinne als Anlegerschutz gegen Inflation gedient, sondern hat sich auch als rentableres Anlageobjekt in einem Zinsumfeld mit historisch ultratiefen Renditen bei Staatspapieren bewährt. Als weitern Faktor für die positive Goldpreisentwicklung kann man den Preisanstieg von Industriemetallen wie Kupfer oder Aluminium sehen. Diese industriell genutzten Metalle profitieren von einer konjunkturell bedingt höheren Nachfrage. Manche Edelmetalle wie Silber werden auch industriell in der Elektrotechnik genutzt, was den positiven Zusammenhang verstärkt. Einen interessanten Zusammenhang gibt es auch zwischen der Entwicklung von Kryptowährungen und dem Goldpreis. Bei Kryptowährungen gilt das Prinzip „Buy the rumours, sell the news“. Negative News, die auf positive Gerüchte um Krytowährungen folgen, drücken sich sofort in Kursstürzen derselben aus. Ein Beispiel dafür ist Bitcoin: Der Kurs brach am 16. Januar 2018 um 15% ein. Dazu trugen Neuigkeiten zu geplanten Beschränkungen von Bitcoin in Südkorea bei. Vor allem jüngere Menschen, die engagiert in Kryptowährungen investieren, greifen in einem solchen Falle wieder auf klassische Anlageklassen wie Gold zurück. Der Markt für Kryptowährungen ist noch zu wenig entwickelt, um als alternatives System zu einem zentralisierten Marktsystem mit Zentralbanken, Regierungen und Banken zu bestehen. Aber bei einem Preisanstieg von Kryptowährungen kann man einen leichten Goldpreisanstieg feststellen. Gold geniesst durch seine deutlich geringere Volatilität im Vergleich zu den erratischen Preisbewegungen von Kryptowährungen und das Vertrauen in die dem Edelmetall zugeschriebenen Eigenschaften wie seine Greifbarkeit einen Vertrauensbonus.

Man kann stark davon ausgehen, dass die positive Goldpreisentwicklung sich dieses Jahr fortsetzen wird. Bis zum vierten Quartal könnten Zugewinne zwischen 1 bis 9% erwartet werden. Entsprechende Notierungen um 14.000 bis 15.000 $ pro Feinunze wären vergleichbar mit den Werten aus den Jahren 2013 und 2014. Die Inflation im Euro-Raum dürfte sich im Korridor von 1,5 bis 2% bewegen. Ab dem vierten Quartal 2018 wird die Europäische Zentralbank das Quantitative-Easing-Programm einstellen. Dies wird zu einem stärkeren Zinsanstieg führen. Da das Sentiment für Staatsanleihen aber weiterhin bearish bleiben dürfte, sollte Gold auch vor diesem Hintergrund attraktiv bleiben. Die weiterhin hohe Attraktivität von Gold lässt sich auch an den globalen Mittelzuflüssen ablesen: Gold ist zwar in Portfolios untergewichtet, aber Gold nimmt als Zusatz im Portfoliomix mit Aktien und Anleihen zu. Vor allem ausländische Investoren von den neuen Märkten wie China, Indien und Russland schätzen Gold wegen seines Schutzes gegen Diebstahl und Inflation in den Heimatländern der Investoren. Wenn die Erholung der Rohstoffpreise anhält, kann diese als Vorbote für eine zukünftig höhere Inflation gewertet werden, was den Investorenappetit wiederum zu einer sicheren Anlageklasse treibt, da das Sentiment für US- und deutsche Staatsanleihen sich verschlechtert. Vor diesem Hintergrund dürften die globalen Mittelzuflüsse in Gold-ETFs dieses Jahr wohl zunehmen. Schon letztes Jahr waren diese mit 6,8 Milliarden $ beträchtlich.




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