Factor Exposure ist wichtig

Auch die Faktorausprägung (Factor Exposure) ist wichtig. Denn Faktoren können sich gegenläufig zueinander verhalten beziehungsweise negativ korreliert sein. So weist eine Value-Strategie häufig eine negative Ausprägung gegenüber dem Faktor Momentum auf und umgekehrt. Dies bedeutet, dass ein Value-Portfolio trotz günstiger Bewertung viele Verlierer-Aktien enthalten kann, also Titel mit einer jüngst schwächeren Performance. Folglich nimmt das Portfolio zwar an einer positiven Entwicklung des Value-Faktors teil, aber gleichzeitig müssen Investoren eine schwächere Performance hinnehmen, wenn sich der Faktor Momentum gut entwickelt. Um solche Situationen zu vermeiden, sollten Investoren bei der Konstruktion eines Faktorportfolios die Wechselwirkung der einzelnen Faktoren untereinander beachten.

Renditeerwartung und Risikoeinstellung sind individuell

Das Factor Exposure wiederum hängt maßgeblich von der Freiheit des Asset Managers bei der Aktienauswahl ab. So können Faktorportfolios sehr limitiert konstruiert sein, mit nur geringen Abweichungen von einer Benchmark, bei der Gewichtung einzelner Titel oder der Länder- und Sektorallokation. Dies hat den Vorteil eines niedrigen Tracking Errors und eignet sich damit gut als Alternative zu einem passiven Investment. Die geringere Faktorausprägung ist allerdings ein Nachteil. So liegt es nahe, die Sektor- und Länderallokation offen zu lassen und Aktien möglichst frei nach Faktorkriterien aus einem großen Anlageuniversum auszuwählen. Daraus ergibt sich eine hohe Faktorausprägung. Allerdings sollten hierbei auch Konzentrationsrisiken berücksichtiget werden. Darüber hinaus muss die Anzahl von Käufen und Verkäufen beachtet werden. Eine Faktorstrategie, die zu viele Transaktionen auslöst, funktioniert in der Theorie, in der Praxis werden die Kosten allerdings die Rendite schmälern. Hier muss man geduldig sein und darf nicht voreilig handeln, denn die Attraktivität einer Aktie ist am wichtigsten. Andernfalls büßen übereifrige Anleger langfristig an Performance ein. Anleger sollten einfache Faktorstrategien also überdenken. Sie lassen sich meist unter verschiedenen Gesichtspunkten verbessern.

Als Nächstes müssen Anleger klären, in welche Faktoren sie investieren sollten. Das hängt häufig von ihrer Renditeerwartung und Risikoeinstellung ab. Die jeweiligen Präferenzen bestimmen, ob sie sich auf einen bestimmten Faktor oder auf eine Kombination verschiedener Faktoren fokussieren sollten. So wird sich ein risikoscheuer Anleger auf defensive Faktoren wie Low Risk oder Quality konzentrieren, während ein offensiverer Investor Faktoren wie Value und Momentum übergewichtet.

Langfristige Anlagen besser als Timing

Hat ein Investor seine Faktoren gewählt, sollte er die bestehende Faktorausprägung überprüfen. Diese kann er mit einem Factor Exposure Monitor oder Factor Scan bestimmen. Ein Factor Scan zeigt, wie viel stärker das Portfolio relativ zu einer Benchmark wie dem MSCI World in den untersuchten Faktoren gewichtet ist. Auf Basis der gewünschten und der bestehenden Faktorallokation sollte die finale Faktorselektion über entsprechende Instrumente wie Faktorfonds erfolgen.

Die Forschung hat viele Erkenntnisse darüber gebracht, wie Faktorstrategien in der Vergangenheit funktioniert haben, doch es gibt keine Garantie für die zukünftige Entwicklung. Definitiv schwankt die Wertentwicklung einfacher Faktorstrategien im Zeitverlauf. Doch anstatt Faktoren „timen“ zu wollen, sollte man einen langfristigen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren haben, da es keine hinreichenden akademischen Beweise dafür gibt, dass das „timen“ von Faktoren die Rendite steigert oder stabilisiert. Gerade der häufige Ein- und Aus- tritt aus Faktor-Anlagestrategien macht es unwahrscheinlicher, von Faktorprämien zu profitieren. Wie diverse Studien zeigen, schneiden Investoren sogar durch „Factor-Timing“-Versuche im Durchschnitt schlechter als der zugehörige Marktindex ab. Die Value-Prämie beispielsweise wird häufig nicht vereinnahmt, weil Investoren nicht lange genug durchhalten und überhastet verkaufen, wenn die Prämie sich unterdurchschnittlich entwickelt.

Anleger sollten sich daher genau überlegen, in welche Faktoren sie investieren möchten. Sie sollten auf die Konstruktion der eingesetzten Produkte achten sowie auf mögliche Schwach-stellen und den eingeschlagen Pfad langfristig, also über mehrere Jahre, fortführen.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt